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Ip Man
Story

China zu Beginn der 30er Jahre.
Der junge Kung-Fu Meister Ip Man lebt zusammen mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn ein unbeschwertes Leben in einem schönen Anwesen nahe der Stadt Foshan, in der sich verschiedenste Kung-Fu Schulen angesiedelt haben.
Die Konkurrenz unter den einzelnen Schulen ist hoch und auch Meister Ip Man, obwohl er selbst gar keine Schüler unterrichtet, muss sich immer wieder anderen Meistern zum Duell stellen. Da er aus denen stets siegreich hervorgeht, genießt er in der Stadt einen entsprechen hohen Ruf und als eines Tages eine ziemlich starke Räuberbande in Foshan auftaucht und einen Meister nach dem anderen besiegt, ist es letztendlich an Ip Man die Ehre der Stadt zu retten.

Doch all das hat ein abruptes Ende als die Japaner das Land überfallen und auch Foshan erobern und besetzen. Fortan herrscht Hunger und Elend in den Straßen der einst so friedlichen Stadt und auch Ip Man und seine Familie verlieren ihr Haus und Vermögen und müssen in einem heruntergekommen Hinterhof Verschlag und der Meister sich ein kärgliches Brot beim Kohlenschaufeln verdienen.

Derweil hat General Miura, Kommandant der japanischen Truppen und Karatemeister, einen eigenen Dojo in seinem neuen Hauptquartier einrichten lassen und rekrutiert nun Kung-Fu Kämpfer aus ganz Foshan um sie für einen Sack Reis gegen seine Soldaten im Kampf antreten zu lassen.

Obwohl er sich zunächst wohlweislich von diesem Angebot fernhält, bringt das Verschwinden eines guten Freundes Ip Man schließlich doch dazu an diesem Wettkampf teilzunehmen, wo er Zeuge eines grausamen Mordes an einem anderen Meister wird.
Als Rache fordert er 10 der japanischen Karatekämpfer gleichzeitig heraus und verwundet sie alle schwer, bevor er ohne seinen Reis das Dojo verlässt und sich und seine Familie fortan vor den Japanern verstecken muss.

Meinung

Mit ihrem, etwas euphemistisch Bio-Pic genanntem, Film „Ip Man“ drehten Regisseur Wilson Yip und Hauptdarsteller Donnie Yen einen der besten, „realistischen“ (in Abgrenzung zu Link Tiger & Dragon oder Link Hero, usw.) Kung-Fu Filme der letzten 10 Jahre.
Erzählt werden soll die Lebensgeschichte des großen Wing Chun Meisters Yip Man, der (wie inzwischen wohl auch der letzte weiß) nicht nur das Wing Chun aus der Bedeutungslosigkeit zur weltweit verbreiteten Kampfkunst geführt hat, sondern einst auch den großen Link Bruce Lee in seinen Jugendjahren im Kung-Fu unterrichtete, bis dieser nach Amerika und dort dann eigene Kampfkunst-Wege ging.

Nun sollte man die Silbe Bio in Bio-Pic (so der neumodische Name für diese Art Film) bei diesem Werk aber wohl lieber nicht allzu wörtlich nehmen. Von einer korrekten, biografischen Darstellung ist die Geschichte weit entfernt. Stattdessen gibt’s beste „legendary Hero“ Kost in deren Hauptrolle der gute Ip Man nicht nur überlegener Fighter, geliebter Ehemann und allgemein verehrter Wohltäter, sondern mehr oder weniger auch gleich Retter ganz Chinas ist.

Doch beginnen wir von vorn.
Der erste Teil des Films dient der Einführung der Figur Ip Man, einem bescheidenen aber doch wohlhabenden Kung-Fu Meister, der über all dem Kämpfen sogar seine Familie etwas zu vernachlässigen droht, diese aber sehr wohl von Herzen liebt und bereit ist sich für ihr Wohl auch einzuschränken.
Mal abgesehen von diesem leichten innerfamiliären Knirschen ist das Leben für alle aber ziemlich unbeschwert. Den Menschen geht es gut, sie betreiben in diversen Schulen in der Stadt ihr Kung-Fu und wenn es mal zu Reibereien zwischen den einzelnen Meistern kommt, dann werden die höflich und zivilisiert bei einem freundschaftlichen Duell aus dem Weg geräumt. Selbst als die etwas ungehaltenen Raufbolde aus dem Norden auftauchen und in der Stadt für Stunk sorgen wird kein unbeteiligter verletzt und alles in ordentlichen Kämpfen geregelt. Friede, Freude, Eierkuchen, so zu sagen.
Klingt vielleicht jetzt etwas bieder und langweilig, aber ist es ganz und gar nicht. Hier zeigt sich im Gegenteil von der ersten Minute an die große Stärke dieses Films, nämlich durch starke Bilder, eine äußerst sympathische Hauptfigur und durch eine gute Inszenierung mit gutem Timing, lustigen Ideen (beides zeigt sich z. B. bei den ersten Duellen Ip Mans) und einer ausgewogenen Mischung aus ruhigen Charakterszenen und dynamischen Fights, den Zuschauer ständig an sich zu fesseln und erst gar keinen Leerlauf oder Langeweile aufkommen zu lassen.
Für die Fights zeichnet übrigens HK-Urgestein Sammo Hung, der über Bruce Lee und Jackie Chan bis zu Jet Lie mit allen gearbeitet hat die Rang und Namen haben, verantwortlich, was eingeweihten HK-Liebhabern schon sagen sollte welche Qualität sie erwarten können.

Im zweiten Teil des Films haben die Japaner dann die Stadt besetzt, und der Fokus der Geschichte verschiebt sich etwas, weg vom lustigen Kung-Fu Kräftemessen, hin zum Kriegsfilm. Bunt und fröhlich sind verschwunden, stattdessen herrscht jetzt Grau und Trübsal. Mit Kung Fu ist es für die meisten erst einmal vorbei und auch Ip sehen wir nun im Hinterhof mit seiner Familie (nun durch die schlechte Situation wieder enger zusammengerückt) oder wie er durch die Stadt zieht und um Arbeit bittet und schließlich beim Kohlenschaufeln landet.
Hier ist es fast ausschließlich Hauptdarsteller Donnie Yen der den Film über diese Strecke trägt und der seinen ausgeglichenen Ip Man immer aufrecht und stolz selbst durch die unangenehmsten Situationen gehen lässt und ihn so selbst im Kriegselend eine gewisse „das Leben ist schön“-Atmosphäre versprühen lässt.
Da wir hier aber immer noch in einem Kung-Fu Film sind muss natürlich trotz allem auch weiter gekämpft werden. Für Gelegenheit sorgen dabei sowohl die Rückkehr der bereits aus der ersten Hälfte bekannten Räuberbande aus dem Norden, als auch vor allem die japanischen Besatzer, die wie der Zufall so will alle Karatemeister sind und sich gern mit den einheimischen Kämpfern messen möchten.
Hier lassen sich die Schwächen des Drehbuchs dann auch kaum mehr durch schöne Bilder verstecken. Besonders im Duell Japaner gegen Chinesen holpert es doch gewaltig, ein Höhepunkt sicherlich die nun wirklich völlig unmotivierte Tötung eines Kung-Fu Meisters vor Ip Mans Augen, die selbst innerhalb der „Film-Logik“ eben gar nicht logisch daherkommt.
Überhaupt die ganze Rolle des giftigen Adjutanten wirkt wie ein einziges übertriebenes Abziehbild dessen wie sich der Chinese wohl den barbarischen Japaner vorstellt.
Aber überhaupt neigt der Film zu unfreundlichen Ressentiments und hält sich nicht mit einer differenzierten Betrachtung der Kriegsthematik auf.
Wichtiger ist das Ip Man in einem letzten großen Duell den Eroberern, bzw. stellvertretend wenigstens deren General, ordentlich den Arsch versohlt und ihnen zeigt das ihr barbarisches und brutales Karate gegen ein filigranes Kung Fu so wirkungslos ist wie ein Knüppel aus dem Wald gegen ein Jedi-Lichtschwert.
Sein Sieg ist dann auch quasi Startsignal für den Volksaufstand und schließlich die Vertreibung der Japaner vom chinesischen Boden, wie uns ein paar Texttafeln zum Schluss noch, man muss es sagen - historisch doch etwas ungenau - mitteilen.

Aber sei es drum.
Betrachtet man „Ip Man“ einfach nicht als Biografie, sondern als schlichten Kung-Fu Film aus dem Reich der Fantasie, so ist es ein mehr als würdiger Vertreter seiner Zunft. Von Anfang bis Ende vollgepackt mit packenden und zu weil auch recht deftigen Kampfszenen, die zwar hin und wieder mit etwas Wire-Fu aufgepeppt werden, trotzdem aber immer in einem realistischen Rahmen bleiben. Dazu gibt es eine recht interessante Story, die vor allem dank eines tollen Hauptdarstellers und ihrer schönen Bilder die Zeit zwischen den Kämpfen mehr als unterhaltsam gestaltet und für ein gutes Gesamtpaket sorgt.
Für jeden Kung-Fu-Film Fan eine gute Wahl.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Yip Man
Land:Hongkong (China)
Jahr:2008
Regie:Wilson Yip
Medium:DVD (Splendid)
Lauflänge:ca. 101 Minuten
Freigabe:FSK ab 18 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 8.jpg 8/10

Effekte:

 7.jpg 7/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  8/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-1001.htm