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Chihiros Reise ins Zauberland
Story

Eigentlich sollte sich die kleine Chihiro freuen, hat sie doch den ersten Blumenstrauß ihres Lebens geschenkt bekommen.
Doch leider war es gleichzeitig auch ein Abschiedsgeschenk von ihren Freunden, Chihiros Vater hat nämlich eine neue Anstellung bekommen und zieht mit seiner Familie in eine neue Stadt. Nun muss Chihiro hinten im Auto sitzen und zusehen wie altes Leben, ihr altes Zuhause und Freunde sich immer weiter von ihr entfernen.

Doch das Schicksal nimmt eine unerwartete Wendung, als sich ihr Vater plötzlich verfährt und die Familie vor einer verwitterten alten Mauer mit einem großen Tor landen.
Durch das Tor führt der Weg in eine Bahnhofshalle und von dort in eine Fremde Welt, in der Chihiro schon bald vor Problemen und Aufgaben steht, die die Sorgen und Nöte ihres bisherigen Lebens schnell in den Schatten stellen.

Meinung

Nachdem Regisseur Hayao Miyazaki sich bereits im Vorgänger Link Prinzessin Mononoke, nach dem er eigentlich bereits seinen Rückzug vom Filmemachen verkündet hatte, etwas von seinen europäisch angehauchten Geschichten und Settings abgewandt und stattdessen einem klassischen japanischen Ambiente zugewandt hatte, greift er mit „Chihiros Reise ins Zauberland“ nun ganz tief in die Wundertüte fernöstlicher Götter- und Fabelwesen und versetzt und in eine oftmals surreale du durch und durch faszinierende magische Welt.
Im Zentrum der Geschichte steht die junge Chihiro, gerade unfreiwillig aus ihren vertrauten Verhältnissen gerissen, steht sie vor der schwierigen Aufgabe alles gewohnte, Heim und Freunde, hinter sich zu lassen und in ein neues Leben in einer neuen Stadt aufzubrechen. Ein Umstand der ihr Angst macht und über den sie verständlicher Weise nicht gerade begeistert ist.
An diesem Ausgangspunkt setzt der Film nun also an und erzählt eine Geschichte davon eben genau diese Ängste zu überwinden. Eine Geschichte von der Stärke die in Chihiro, und durch sie stellvertretend in uns allen, steckt und die wir nur entdecken müssen um uns mit ihrer Hilfe den Sorgen und Nöten des Alltags zu stellen und die uns manchmal selbst die größten Hürden überwinden lässt.
Vor genau ein solches gerät nämlich auch Chihiro, als sie plötzlich in eine verwirrende Zauberwelt gerät, voll von Furcht einflößenden Kreaturen, in der ihre Eltern in Schweine verwandelt werden und sie, um ihr Leben und das ihrer Eltern zu retten, in einem Badehaus für die Götter arbeiten muss.
Hier lässt Miyazaki die Geschichte sich etwas aufspalten.
Zum Hauptthema des Kampfes von Chihiro um ihre Eltern und gegen ihre eigenen Schwächen gesellen sich eine leise Liebesgeschichte, rund um den jungen Drachen Haku. Eine Parabel über Gier und Verlangen in Form das Dämons „Ohngesicht“, der eingeladen durch das Mitleid und die Freundlichkeit Chihiros selbiger verfällt und fortan bauend auf die schlechten Eigenschaften der Badehausangestellten versucht Zugang zu ihr zu finden. Die Rivalität zwischen den beiden Hexenschwestern Yubaba und Zeniba, die für völlig Gegenseitige Lebensstile stehen. Die übervorsichtige Behandlung von Yubabas Baby, die diesem eher schadet als nutzt. Und auch ein Appell für die Umwelt durch einen verunreinigten Flussgott, der mit vereinten Kräften aller Mitarbeiter und unter Anfeuerung aller übrigen Gäste von seiner Schweren last aus Müll befreit werden.
Letztere läutet denn mit seinem Geschenk an Chihiro, einem Kräuterklos, auch die Katharsis des Films ein, reinigt er doch erst Haku und dann auch das „Ohngesicht“ von ihren schlechten Einflüssen und lässt die Charaktere (Chihiro, Ohngesicht, Yubabas Baby) zur entscheidenden Reise weg aus Yubabas verschwenderischem Badehaus und hin zu ihrer Schwester Zeniba, die in eher bescheidenen Verhältnissen lebt, aufbrechen. Eine mystische Zugfahrt die mich persönlich irgendwie stark an die aus Kenji Miyazawas Link Night on the Galactic Railroad erinnert, was aber auch Zufall sein mag, denn Züge waren in Film und Literatur schon immer ein Symbol für den Aufbruch in ein neues Leben.
Zum Schluss schließt sich dann der Kreis und der Film endet so wie er begann, mit einem Abschied Chihiros und die Rückkehr in die reale Welt. Diese mal allerdings mit verdrehten Rollen, denn nun ist es Chihiro die, mit starken Willen und (nach kurzem Zögern) ohne sich umzublicken, den Traum loslässt und zurück in die Wirklichkeit geht, während so mancher Zuschauer wohl lieber im Badehaus der Götter geblieben wäre.

Am Ende ist es Miyazaki damit ein weiteres Mal gelungen seine Zuschauer zu verzaubern. Wie so oft hat er einfache Botschaften in überwältigende Bilder gepackt, die auch im ganz wörtlichen Sinne mit einer Detailverliebtheit (man sehe nur die Innenausstattung des Badehauses, besonders die Gemächer Yubabas) gezeichnet und großem Aufwand (man beachte vor allem die harmonische Verbindung von CGI und „handarbeit“) animiert wurden, wie man es von einem Produkt aus dem Haus Ghibli schon nicht mehr anders erwartet.
Damit gab es nicht nur den Titel „teuerster Anime“ (inzwischen aber schon wieder überboten), sondern auch den ersten Oscar für einen japanischen Zeichentrickfilm und zahllose weitere internationale Preise, u. a. den Goldener Bär der Berlinale.

Allerdings sei neben all der Euphorie auch gesagt das „Chihiros Reise ins Zauberland“ auch der, für „Westler“ am schwersten zu hinterblickende Film Miyzakis ist, greift er doch wie bereits erwähnt sehr tief in das Schatzkästchen fernöstlicher Mythologie und konfrontiert den Zuschauer mit einer Welt aus Göttern und Sagenfiguren deren Bedeutung in der japanischen Kultur hierzulande den wenigsten klar sein dürfte. Zusammen mit der oft bewusst etwas offen gehalten Story, die hier gewollt Raum für Interpretationen lässt, hat man also nicht unbedingt einen „leichten Stoff“ vor sich, auch wenn er in Gewand eines „Kinderfilms“ daher kommt.

Aber die mächtige Phantasie eines Kindes kann dies nicht schrecken und das aufgeschlossene Herz eines wahren Cineasten und/oder Animefans ebenso wenig. Also nicht Abschrecken lassen von all dem, auf den ersten Blick, so Fremden, sondern hineingestürzt ins Unbekannte und verzaubern lassen! Pflichtprogramm!

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Sen to Chihiro no kamikakushi
Lauflänge:ca. 125 Minuten
Freigabe:FSK ohne Altersbeschränkung
Jahr:2001
Regie:Hayao Miyazaki
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 9.jpg 9/10

Sound:

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Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
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