MAIN

REVIEWS

Intern



 Valid HTML 4.01 Transitional

 Valid CSS!

 [Valid RSS]

Night on the Galactic Railroad
Story

Giovanni lebt mit seiner kranken Mutter allein in einem kleinen Haus im Dorf. Seine Schwester kommt zwar hin und wieder vorbei und hilft bei der Hausarbeit, aber seit sein Vater weit oben im Norden ist um zu arbeiten, liegt es doch zum großen Teil Giovanni sich um seine Mutter zu kümmern und Geld zu verdienen. Deshalb arbeitet er auch regelmäßig nach der Schule, weswegen er allerdings selten an den Aktivitäten der übrigen Kinder teilnehmen kann und so ein ziemliches Außenseiterdasein führt. Einzig mit Campanella, dem Sohn eines engen Freundes seine Vaters, versteht er sich gut, da die beiden sich schon kennen seit frühster Kindheit kennen.
Als eines Tages dann das lang ersehnte Centaurus Festival endlich ansteht und die ganze Stadt feiert, versucht auch Giovanni etwas Zeit von der Arbeit abzuzweigen um daran teilzunehmen, doch kaum angekommen verspottet ihn einer seiner Mitschüler und Giovanni flüchtet um lieber Milch für seine Mutter zu holen, statt weiter am Fest teilzunehmen.
Als er sich allerdings dann erschöpft vom vielen rennen auf einer Wiese kurz zu Ruhe legt, rast plötzlich ein riesiger Zug auf ihn zu und ehe er sich versieht ist er mit eben diesem auf einer phantastischen Reise quer durch die Milchstraße, begleitet von seinem Freund Campanella. Zusammen besuchen sie auf ihrer Reise unglaubliche Orte und lernen die unterschiedlichsten Leute kenne, doch wo liegt ihr Ziel und was werden sie dort wohl finden?

Meinung

So, bevor es losgeht gleich vorweg noch eine dringende Warnung. Der folgende Text wird massive Spoiler beinhalten. Wer den Film noch nie gesehen hat und nicht wissen will wie er ausgeht, der ließt jetzt am besten nicht weiter!

Für alle anderen möchte ich erstmal mit einer kleinen Einführung in die Hintergründe zu „Night On The Galactic Railroad“ beginnen.
Der Film basiert auf einer Geschichte des berühmten japanischen Poeten Kenji Miyazawa.
Nach dem Tod seiner geliebten Schwester Toshi begab Kenji sich per Zug auf eine (Trauer)Reise und kurz darauf begann er mit den Arbeiten an der Novelle „Ginga tetsudô no yoru“ (Night On The Galactic Railroad), die heute zu seinen wichtigsten Werken zählt.
Leider verstarb auch Kenji selber nur 11 Jahre später im jungen Alter von nur 37 Jahren an einer schweren Lungenentzündung.
Doch genug zu seinem Leben, zurück zu „Night On The Galactic Railroad“.
Der Film ist praktisch eine Umsetzung dessen, was Kenji Miyazawa wohl nach dem Tod seiner Schwester auf seiner Reise gefunden oder zumindest versucht hat zu finden, die Möglichkeit einen geliebten Menschen auf seiner letzten Reise zu begleiten. Giovanni ist dabei allerdings lange Zeit überhaupt nicht bewusst was es mit dem seltsamen Zug auf sich hat, und auch der Zuschauer kann, dank einiger, mehr und weniger deutlicher, Andeutungen (ein kurzer Cut aufs ertrinken Campanellas, ein Kreuz an dem die beiden vorbei fahren) erst einmal nur erahnen was es mit dem Ganzen auf sich hat. So verläuft die Reise vorerst eher mit dem Touch eines phantastischen Abenteuers. Einem verrückten Traum Giovannis, in dem die beiden Freunde unter anderem die Ausgrabungsstätte einer riesigen Ur-Kuh besuchen, was direkt auf die Suche nach der vermissten Milch zurück zu führen scheint, mit der Giovanni beschäftigt war, bevor er sich auf der Wiese hinlegte um sich auszuruhen.
Doch selbst über diesen frühen Momenten liegt irgendwie schon so ein gewisser, bedrohlicher Schatten, wenn auf dem Rückweg zum Bahnhof die Stadt plötzlich versteinert ist und auseinander zu brechen scheint.
So richtig deutlich wird es aber erst mit Ankunft der einzigen menschlichen Charaktere im Film, einer Hauslehrerin mit zwei Kindern, die bei einem Schiffsunglück ums Leben kamen. Alle übrigen Charaktere im Film sind übrigens Katzen, was darauf zurück geht das Kenji Miyazawa in seinen Geschichten oft fabelmäßig Tiere für seine Rollen benutzte. Dasselbe sieht man z.B. auch im hervorragenden Link „Spring & Chaos“, der in sehr freien Zügen einige Stationen im Leben Miyazawas erzählt.
Warum allerdings ausgerechnet diese Figuren nun als Menschen dargestellt werden, während der gesamte Rest der Charaktere tierisch bleibt, ist eine Frage die ich auch nicht befriedigend beantworten kann, auch wenn ich schon so eine gewisse Theorie habe. Aber vor einem ganz ähnlichen Problem stand ich ja auch schon bei „Spring & Chaos“.
Jedenfalls bekommt die ganze Fahrt spätestens ab diesem Zeitpunkt dann einen ziemlich traurigen und dramatischen Beigeschmack, der dem Film eigentlich auch erst so recht gut macht. Natürlich versprechen sich die beiden Freunde trotzdem zusammenzuhalten und zusammenzubleiben, egal was passiert. Aber jedem sollte klar sein das dies natürlich nicht möglich ist. Am Ende erwacht Giovanni allein auf der Wiese, auf der er sich zu Ruhe gelegt hatte. Ein letzter unrealistischer Hoffnungsschimmer das vielleicht doch alles nur ein Traum war, bevor er mit der Milch zurück ins Dorf kommt und dort erfährt, dass Campanella bei der Rettung eben jenes Schuljungen der Giovanni auf dem Fest verspottete, im Fluss untergegangen und seit dem verschwunden ist.
Aber auch wenn der Film das vorhergesehene, dramatische Ende nimmt, und meine Deutungen und Nacherzählungen vielleicht den Eindruck erwecken oder verstärken sollten, sollte man nicht denken „Night On The Galactic Railroad“ währe irgendein kitschiges, schmalziges Drama. Damit würde man dem Film sonst sehr unrecht tun. Der Film bietet mehr als platt beschworene Emotionen. Inspiriert vom Buddhismus (Lotus Sutra) und Esperanto packt Miyazawa mehr in die Geschichte (und somit, dank der guten Arbeit von Regisseur Gisaburô Sugii und Drehbuchschreiber Minoru Betsuyaku) indirekt in den Film als die bloße Geschichte an sich. Grade den Buddhismus, von dem sein Leben stark beeinflusst war, hat er versucht über seine Geschichten seinen Lesern (und vor allem auch den jüngeren unter ihnen) näher zu bringen. So widmet sich auch „Night On The Galactic Railroad“ dem Tod und dem was wohl danach kommt. Das Kreuz als christliches Symbol taucht zwar mehrmals auf und für viele ist der christliche Himmel auch die Endstation der Reise (unterlegt mit Hallelujah Gesängen), aber er ist keineswegs die letzte Station auf der Route des Zuges. Der „wahre“ Himmel kommt erst später und hat wenig gemein mit dem leuchtenden Ort davor.
Doch ich will hier gar nicht weiter auf irgendwelchen Interpretationen herumreiten, ihr sollt ja auch noch etwas zu tun haben.
Erzähl ich also noch ein bisschen was zum Film.
Entstanden ist er, man konnte es sich fast schon denken, 1985, genau zu einer der Blütezeiten des japanischen Trickfilms, zu einer Zeit wo die Kassen voll und die Studios Experimentierfreudig waren. Dennoch sieht man ihm sein Alter inzwischen doch schon an. Die Zeichnungen und Designs sind zwar durchweg gut, aber grad bei der Stadt und ihren Gebäuden etwas simpel gehalten. Besonders der Stil letzterer erinnert mich irgendwie an Warner Brothers Cartoons wie „Speedy Gonzales – Die schnellste Maus von Mexiko“. Nichts desto trotz haben sie ihren ganz eigenen Charme.
Kleinere Schwächen erkennt man inzwischen auch bei den Animationen, genauer gesagt beim Zusammenspiel von festen Hintergründen und animierten Objekten. Besonders deutlich wird das gleich zu Beginn bei einer Szene in der Schule, in der Giovanni einen Stuhl an einen Tisch schiebt. Hier ist der eine Stuhl der bewegt wird doch weit weniger detailliert gezeichnet (besonders die Coloration) wie die übrigen die still stehen und sieht deshalb auch gleich ganz anders aus. Aber auch diese kleinen Aussetzer kann man gut verschmerzen und für die damalige Zeit waren die Animationen wirklich gut. In einer kurzen Sequenz, so scheint es mir zumindest, kam sogar schon der Computer zum Einsatz, um eine voll animierte Kamerafahrt hinzulegen. Dies wurde auch dementsprechend gewürdigt, so das „Night On The Galactic Railroad“ sich stolz in die Riege der Gewinner des Ōfuji Noburô Awards einreihen darf.

Tja, so kann ich abschließend eigentlich jedem Animefan nur empfehlen mal in „Night On The Galactic Railroad“ reinzuschnuppern. Gefallen wird er sicher nicht jedem. Dazu ist der Film doch zu surrealistisch in seiner phantastischen Reise, zu langsam in seinem ruhigen Erzähltempo, zu emotional in seiner Geschichte und zu altbacken in seiner Optik. Aber es gibt sicher auch mehr als genug die ihn, wenn sie ihn erst einmal gesehen haben, in ihr Herz schließen und wirklich ihre Freude daran haben werden, da bin ich mir doch mal sicher.
Und nicht zu letzt wird er ja auch noch vom japanischen Erziehungsministerium empfohlen, und die müssen es ja schließlich wissen! ;)

Screenshots

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

Bild 7

Bild 8

Bild 9

Bild 10

Bild 11

 Info
Originaltitel:Ginga tetsudou no yoru
Lauflänge:ca. 110 Minuten
Freigabe:unbekannt
Jahr:1985
Regie:Gisaburo Sugii
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 5752
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-561.htm