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Colorful
Story

Eigentlich war die Seele schon auf dem Weg ins ewige Nichts, doch da wird sie plötzlich aufgehalten und zurück auf die Erde geschickt.
Dort erhält sie im Körper des 14jährigen Selbstmörders Makoto Kobayashi eine Chance auf Wiedergeburt, dafür muss sie allerdings innerhalb einer bestimmten Zeit sowohl Makotos Gründe für seinen Selbstmord, als auch ihre eigenen Sünden die sie vor ihrem Tod begangen hat ergründen.

Meinung

Beruhend auf einem erfolgreichen Roman und mit diversen Preisen ausgezeichnet erzählt „Colorful“ die Geschichte einer Seele die eigentlich schon auf dem Weg ins Jenseits war, dann aber eine zweite Chance auf Leben bekommt.
Die Regie hat dabei Keiichi Hara übernommen, der schon für den tollen „Summer Days with Coo“ übernommen hatte und sein Händchen für gefühlvolle Dramen unter Beweis stellte. Und wer Coo kennt, der hat auch schon einen ganz guten Ausblick auf das was ihn bei „Colorful“ erwartet, denn der Film setzt eigentlich ganz gut da an wo Coo mit der Beziehung seines jungen Helden und einem Mädchen aus seiner Schule aufhörte. Nur dieses Mal ist kein süßes Fantasie-Wesen da, das das menschliche Drama kompensieren könnte.
So findet sich also unser unbekannter Seelen-Protagonist, der mit seinem sprachlosen und verwirrtem Blanko-Start in den Film genau da steht wo wir als Zuschauer auch, alsbald im fremden Körper des jungen Teenagers wieder, der es in seiner Welt nicht mehr ausgehalten hat.
Die Gründe dafür erforschen wir fortan mit dem „neuen“ Makoto zusammen und steigen dabei tief hinab in eine, nur auf den ersten Blick glückliche Familie, und ein Leben das von Einsamkeit, Enttäuschung und Hilflosigkeit geprägt ist.
Nein, „Colorful“ ist streckenweise wahrlich kein leicht zu verdauender Film.
Es ist ein Film über Familien die abends beim Essen zusammensitzen und die Mutter weint leise vor sich hin während der Rest so tut als wäre nichts. Ein Film über Sex für Geld für schöne Dinge, die es nun einmal braucht um Hip zu sein. Ein Film über Prügel beziehen und Mobbing und ausgeschlossen sein, und vor allem (und das ist das schlimmste) ein Film über Menschen die andere verletzen, weil auch sie von anderen verletz wurden. Und ein Film darüber wie leicht das alles ist und wie beiläufig es manchmal auch abläuft.
So müssen wir gut die erste Hälfte des Films mit ansehen wie die Seele, die doch eigentlich hier ihre zweite Chance erhält, ohne größere Umschweife in diese alltäglichen Verhaltensmuster zurückfällt. War sie zu Beginn doch unsere Identifikationsfigur, unser Kamerad der genauso ahnungs- und hilflos in die Geschichte geworfen wurde wie wir, so möchte man sie jetzt immer wieder am liebsten am Kragen packen und ordentlich aufrütteln: „Hey was machst du da? Was soll der Scheiß? Bist du blind!?“
Aber es ist die Crux mit unserer aufgezwungenen Beobachterposition, so leicht wir von ihr aus die wahren Hintergründe erkennen, so unmöglich können wir uns ins Geschehen einmischen, also sind wir gefesselt, ausgesperrt von der Mattscheibe davor und können nur zusehen und mitleiden. Und der Film versteht es wirklich einen genau da zu packen.
Natürlich gibt es letztendlich trotzdem eine Erlösung in Form eines Happy Ends. Irgendwann ist er überwunden, der eine große Punkt indem sich Ignoranz und Selbstmitleid überwinden lassen und Erkenntnis und Mitgefühl Platz machen. Makoto und die Seele kommen raus aus ihrem selbsterrichteten Gefängnis aus dicken, hohen Schutzmauern und finden das erste Mal seit Ewigkeiten Freundschaft, Vertrauen und Liebe.
Endlich wird nach oben gekarrt was so lang verschüttet liegt und aufgeräumt mit jeder Menge altem stinkendem Schlamm der die schönen Farben der Welt in einen Matsche-Grau-Braunen Brei verwandelte. Die Botschaft könnte nicht klarer und „Colorful“ am Ende nicht versöhnlicher sein und doch noch ein echter „macht Hoffnung und gute Laune“ Film.
Dazu dann noch die grandiosen Zeichnungen und Animationen, die das was sie bei den Figuren, zur Fokussierung auf den Charakter) an Details einsparen, doppelt und dreifach in die opulenten Hintergründe packen. Da sei selbst die etwas lang geratene Straßenbahn-Liebeserklärung verziehen.

Nichts desto trotz bleibt bei all dem optischen und emotionalen Bombast aber am Ende ein sehr nachdenklicher Ton bestehen. Mag sich auch alles zum Schluss zum Guten wenden, die intensive erste Filmhälfte bleibt einfach haften. Manch einem mag alles zu pathetisch oder zu überzogen sein, aber der Film packt Problematiken an die nicht nur in der japanischen Gesellschaft allgegenwärtig sind und das auf eine sehr intensive und teils schmerzhafte Art.
Das macht ihn fast schon ein bisschen grausam, gerade weil er den Zuschauer ganz bewusst an eine Figur bindet die später anderen gegenüber einfach grausam ist, aber genau das macht ihn auch so schön, weil es eine heilsame Lektion sein kann wenn man sich darauf einlässt.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Karafuru
Lauflänge:ca.130 Minuten
Jahr:2010
Regie:Keiichi Hara
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 9.jpg 9/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 3838
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-953.htm