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Die Tänzerin
Story

Der junge Ota hat es in seinem Leben bisher nicht leicht gehabt.
Nach dem führen Tod seines Vaters konzentrierte er sich völlig auf seine zukünftige Karriere und stürzte sich ins Studium Rechtswissenschaften, eine Mühe die schließlich mit einem Studienaufenthalt in Deutschland belohnt wird.
Doch in dem fernen Land fällt es Ota schwer sich einzuleben. Zu den anderen Studenten bleibt er distanziert und auch vom Studium selber schweift er immer weiter ab. Lieber beschäftigt er sich mit Land und Leuten.
Als er eines Tages vor einer verschlossenen Kirchentür einer verzweifelten jungen Frau begegnet fühlt er sich unwillkürlich zu ihr hingezogen und bietet ihr seine Hilfe an. Bald darauf sind die beiden ein Paar und schließlich muss Ota sogar bei Elise, so ihr Name, einziehen, denn Aufgrund des Tratsches seiner Landsleute über ihn und die Tänzerin, verliert er sein Stipendium.
Rettung erscheint in Form des jungen Privatsekretärs Aizawa Kenkichi, der Ota einige kleinere Arbeiten bei seinem Herrn, einem wohlhabenden Graf, verschafft.
Doch schon bald wird Ota auch hier vor die Wahl gestellt, will er bei seiner, inzwischen schwangeren, Elise bleiben, oder mit Empfehlung des Grafen zurück nach Japan und dort einen hochdotierten Posten antreten?

Meinung

In seiner Kurzgeschichte „Die Tänzerin“ verarbeitet Mori Ogai seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse während seiner Studienzeit in Deutschland.
Wie auch seine Figur Ota, interessierte sich auch Mori stark für die Geschichte und Literatur des Westens und auch Mori begann eine Affäre mit einer deutschen, die dann an seiner Rückkehr in die Heimat zerbrach, wenn wohl auch nicht ganz so tragisch wie er es seine Figuren erleben lässt.
Mit diesem und seinen anderen Werken gilt Ogai als einer der Begründer der modernen japanischen Literatur. Mit „Die Tänzerin“ veröffentlichte er die erste Geschichte die aus der Ich-Perspektive erzählt wurde. Eine Stilrichtung die sich in Folge großer Beliebtheit in Japan erfreute und lange Zeit dominierte.

Doch kommen wir zur Geschichte selbst.
Sie ist eine klassische, tragische Liebesgeschichte.
Zwei junge Leute, angefeindet von ihrem Umfeld, schlagen sich unter widrigen (finanziellen) Umständen gemeinsam durch und erleben das Glück einer frischen Liebe. Schließlich taucht ein wohlwollender Förderer auf und scheint ihre Liebe auch auf materiell gesicherte Füße zu stellen, doch kommt es am Ende genau dadurch zum großen Konflikt.
Der junge Mann, für den seine Karriere nach dem frühen Tod seines Vaters der Halt und das große Ziel in seinem Leben wahr, wird vor die Wahl gestellt wem seine Loyalität gilt. Entscheidet er sich für seine Geliebte, die inzwischen sogar von ihm schwanger ist, und riskiert damit sich wieder in Armut in einem fremden Land durchschlagen zu müssen. Oder gilt sie seinem neuen Fördere und seinem Heimatland, das ihn ja schließlich mit einer Aufgabe in die ferne schickte und in das, mit Glanz und Gloria, zurückzukehren er jetzt eine allerletzte Chance erhält.

Mag diese Entscheidung dem Romantik-verwöhntem Europäer mitunter noch etwas einfach vorkommen, so muss man bedenken welch hohen Stellenwert Treue und Loyalität in der japanischen Kultur haben (Stichwort Bushido), und so wird diese erzwungene Wahl für den Protagonisten zur Qual, die ihn schließlich sogar körperlich überwältigt und in hohem Fieber aufs Krankenbett wirft.
Als er wieder erwacht ist ihm die Entscheidung in Gewisser Weise schon abgenommen wurden. Da macht es sich Ogai doch ein bisschen einfach.
Zurück bleibt eine zwar finanziell abgesicherte, doch dem Wahnsinn verfallene Elise.
Und ein bestürzter Leser mit einem kleinen, aber feinen Büchlein das nicht nur eines der wichtigsten Werke der modernen japanischen Literatur ist, sondern auch eine hervorragende Geschichte.

Und als kleine Zugabe gibt es in der hier verwendeten Ausgabe noch die Kurzgeschichte „Im Umbau“ dazu, in der sich ein erfolgreicher Japaner und eine deutschen Künstlerin, die früher scheinbar ein Verhältnis hatten und sich nun nach Jahren wiedersehen.
Die Verwandtschaft zur „Tänzerin“ ist dabei natürlich kaum zu übersehen, auch wenn die Figuren hier andere sind, aber die doch eher unangenehm verlaufende Begegnung, die ein endgültiges Abschied nehmen von dem, was immer da mal zwischen den beiden war, ausdrückt, wirkt, besonders so zusammengestellt mit der anderen Geschichte, wie ein nachgeschobenes Abschied nehmen von Ogai selbst mit seiner eigenen deutschen Vergangenheit.
Der titelgebende „Umbau“ ist das Symbol dafür.

Cover

Bild 1

 Info
Autor:Mori Ogai
Verlag:Suhrkamp

 Bewertung

 Gesamt:

  9/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-933.htm