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MW
Story

Gegenwart.

Nach einer brutalen Entführung flieht der Täter, ein junger Mann, in eine nahe gelegene Kirch und sucht Unterschlupf bei einem Pater namens Garai, der ihm letztendlich zur Flucht vor der Polizei verhilft und ihn deckt.

15 Jahre zuvor.

Ein junger Vagabund namens Garai terrorisiert mit einer Jugendbande eine abgelegene kleine Insel, als ihnen eine luxuriöse Yacht auffällt die gerade in den Hafen einläuft. Kurzentschlossen töten sie den einzigen Erwachsenen an Board und nehmen einen kleinen Jungen, Yuki, gefangen, um Lösegeld für ihn zu erpressen.
Doch während Garai sich mit der Geisel in einer versteckten Höhle an den Klippen verschanzt passiert eine noch weit größere Tragödie auf der Insel. Verwundert vom Ausbleiben der Rückkehr seiner Kammeraden macht sich Garai mit dem kleinen Jungen auf den Weg sie zu suchen, nur um mit Schrecken festzustellen dass alle übrigen Einwohner der Insel tot sind. Und nicht nur ihre Leichen liegen mitten in den Häusern und Straßen, auch sämtliche Tiere hat es dahin gerafft.
Als auch der Yuki plötzlich zusammenbricht ergreift Garai entsetzt mit ihm die Flucht und dank der Yacht im Hafen können die beiden ans Festland entkommen.

Gegenwart.

Nach den schrecklichen Ereignissen in seiner Jugend zum Glauben bekehrt ringt Pater Garai noch immer nicht nur mit dem Wissen um die unheimliche Katastrophe vor 15 Jahren, die von der Regierung erfolgreich vertuscht wurde, sondern auch mit seinem Gewissen darüber was er dem kleinen Yuki damals angetan hat.
Dieser lebt derweil ein Doppelleben wischen fleißigem Bankangestelltem und völlig gewissenlosem Verbrecher. Inzwischen kennt er die Hintergründe der damaligen Katastrophe und weiß um das geheime Giftgas das von einer ausländischen Nation auf der kleinen Insel gelagert wurde und vor 15 Jahren durch einen Unfall entwich.
Inzwischen von der geringen Dosis des Gases, die er damals einatmete, tödlich erkrankt, verfolgt er nun rücksichtslos einen grausamen Plan der Rache, der nicht nur Pater Garai sondern die ganze Menschheit mit ins Verderben reißen soll.

Meinung

Mit „MW“ schuf Osamu Tezuka, angespornt vom steigenden Erfolg des neuen Genres der Gegika (Manga für Erwachsene), eine seiner düstersten und radikalsten Geschichten.
Kaum etwas das in diesem Psycho-Thriller nicht auf irgendeine Art und Weise verkommen ist. Man merkt das Tezuka scheinbar eine grundlegende Antithese zu all dem schaffen wollte was seine Werke bisher auszeichnete.
Geboren aus Verbrechen und Missbrauch in der Kindheit, lässt er hier, in Gestalt eines hübschen jungen Mannes, quasi das personifizierte Böse auf die Menschheit los, das sich kein geringeres Ziel gesetzt hat als eben diese komplett zu vernichten.
Ihm entgegen steht jedoch eigentlich kein wirkliches Sinnbild des Guten, im Gegenteil.
Der der eigentlich das gute verkörpern musste, der geweihte Mann, der Mann der Kirche, weiß zwar um das Böse, ist aber selbst viel zu weit darin und in seine eigenen Unvollkommenheiten (bzw. das was er dafür hält, siehe seine Homosexualität) verstrickt als das er die Kraft aufbringen kann sich seiner, man kann es schon so sagen, eigenen Schöpfung in den Weg zu stellen.
Eine wahrlich diabolische Kombination die der (damals schon Alt-)Meister Tezuka sich da ersonnen hat.
Doch auch mit dem Rest der Welt sieht es nicht wirklich besser aus. Das Yuki überhaupt so existieren und handeln kann wie er es hier tut ist nur möglich weil um ihn herum auch alles meist mehr, selten weniger Dreck am Stecken hat.
Tezuka vermeidet hier geschickt in eine blöde Schwarz/Weiß Malerei zu verfallen, sondern es gelingt ihm vielmehr der Gesellschaft als Ganzem einen Spiegel vorzuhalten in der er uns als Leser das extreme Monster vor Augen führt das durch eben jene Gesellschaft erschaffen und am Leben gehalten wird. Leider verliert er dabei, scheinbar immer auf der Jagd nach einer neuen noch schockierenderen Perversion, manchmal auch etwas das Maß. Die Geschichte käme sicherlich auch mit dem ein oder anderen unappetitlichen Detail weniger aus. Welchen zusätzlichen, charakterisierenden Wert hat es schon das Yuki wohl auch noch mit seinem Wachhund schläft? Das ist dann doch etwas viel Exploitation.
Der Geschichte hilft es jedenfalls nicht unbedingt, denn es gibt ihr etwas den Overkill. Das eigentliche Ziel, den Leser zu schockieren, wird nicht mehr erreicht, denn durch immer neues „noch eines darauf setzen“ verliert das Ganze irgendwann an Realität und nimmt fast unfreiwillige parodistische Züge an. Da ist ihm die richtige Dosierung von Schock-Momenten und Drama bei „Ayako“ z. B. ein bisschen besser gelungen, weshalb ich Einschätzungen wie „Tezukas düsterstes Werk“ so auch nicht stehen lassen wöllte.
Nichts desto trotz bleibt die Geschichte aber durchweg fesselnd und aufwühlend, denn Tezuka versteht sich immer wieder darauf Wendungen und richtig schön böse Momente gekonnt in Szene zu setzen und gönnt werden seinen Figuren noch seinen Lesern dabei großartige Hoffnung auf ein gutes Ende.
Faszinierend auch immer wieder seine Gestaltung und seine Kreativität beim Zeichnen.
Das beginnt bei der, für damalige Verhältnisse, schon recht dynamischen Seiten-/Panelaufteilung und endet bei immer wieder auftauchenden, surrealistischen Momenten, wenn sich z. B. der Oberkörper eines Mannes beim Liebesspiel ganz bildlich plötzlich in das gefährliche Raubtier verwandelt das er innerlich ist.

So ist „MW“ fraglos einer der großen Momente im Schaffen das Osamu Tezuka.
Spannender Thriller, Blick in menschliche Abgründe, Kritik an der japanischen Nachkriegsgesellschaft, aber auch gewollter Tabubruch.
Sicherlich kein Manga für jeden Mangafan, aber ein Liebhaberstück für seine Klientel.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:Vertical Inc.
Zeichnung & Story:Osamu Tezuka
Jahr:1976

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  8/10

Aufrufe: 4166
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-910.htm