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Die Töchter des chinesischen Gärtners
Story

Irgendwo in China, abseits der großen Städte, auf einer Insel liegt ein kleiner botanischer Garten.
Hier bekommt die Waise Li ihre erste große Chance im Leben, ein Praktikum bei dem angesehen Professor Chen.
Doch nicht das Studium soll ihr Leben von Grund auf verändern, es ist Chens Tochter An mit der Li bald immer engere Bande verknüpfen. Zusammen ertragen sie das strenge Regime das der Vater in seinem kleinen Reich pflegt und zusammen vergessen sie die Einsamkeit die ihrer beider Leben bisher so bestimmt hat.
Doch dann kommt eines Tages Chengs Sohn zu Besuch und zusammen mit seinem Vater beschließt er Li zu heiraten. Eine harte Probe für die geheime Liebe zweier junger Frauen in einem Land in dem sie dafür im schlimmsten Fall sogar der Tod erwartet.

Meinung

Ein kleiner Artikel in einer chinesischen Tageszeitung war es, der Regisseur Dai Sijie nach eigenen Angaben zur Geschichte über diesen kleinen Garten Eden, irgendwo in China, inspirierte.
Hier wie da geht es um zwei junge Frauen, um Liebe und einen Vater. In der realen Welt war der eines Tages Tod und kurz darauf auch die beiden Liebenden, doch welches Schicksal hat Sijie für seine Figuren parat?
Erst einmal geht für beide ein Traum in Erfüllung.
Zwei einsame Seelen die sich finden und lieben lernen. Zwar nur versteckt, im Geheimen, aber endlich verstanden werden, endlich etwas gefunden haben nach dem man so lange vergeblich sehnte.
Für die aufblühende Liebe findet sich mit dem botanischen Garten und der wunderschönen Landschaft darum (wohlgemerkt vietnamesische, denn in China bekam Sijie keine Drehgenehmigung) die perfekte Kulisse, die auch virtuos genutzt wird.
In betörend schönen Bildern wird erzählt, voller exotischer Pflanzen, perfekt in Szene gesetzter Naturkulisse, so sinnlich schwer in Dampfschwaden gehüllt das man die Schwüle fast noch daheim im Sessel spüren kann. Da braucht es dann auch keine Sexszenen mehr, die Erotik die die nächtlichen Zusammenkünfte der beiden jungen Frauen verströmen ist auch so nicht mehr zu toppen. Kleine Worte und Gesten wechseln den Besitzer, kostbar und einzigartig wie der mühevoll geerntete Ginseng, den man noch an Ort und Stelle schnell in einem samtenen Kästchen verpackt. Es scheint alles perfekt.
Man könnte noch lange auf dieser rosigen Wattewolke schweben, doch wo Licht ist muss auch Schatten sein und kein noch so gehüteter Himmel auf Erden kann auf ewig der Wirklichkeit trotzen.
Von diesem Moment an werden die unbeschwerten Momente seltener und das gemeinsame Glück erfordert einen härteren Kampf.
Mit einer tollen Leichtigkeit vermeidet es Sijie dabei nun in ein klischeehaftes Gut gegen Böse abzudriften. Zwar liegen seine Sympathien klar bei den beiden jungen Frauen, aber die Männer die sich zwischen sie stellen wollen sind keine brutalen Idioten, sie wissen es offensichtlich einfach nicht besser und auch die Frauen spielen ein falsches Spiel als sie gemeinsam beschließen das die eine in die vom Vater arrangierte Ehe einwilligt.
Doch der Plan, so schön naiv wie er geschmiedet wurde, geht am Ende... kann am Ende gar nicht aufgehen.
Nach der Hochzeit kommt die Hochzeitsreise und spätestens die begeht der Brautpaar nun mal allein. Eine erste schmerzhafte Trennung und die Endgültige Erkenntnis für alle Beteiligten, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zugeht.
Am Ende steht ein Eklat und nichts ist mehr wie zuvor.
Das filigrane Beziehungsgeflecht, das zuvor gerade so noch alles gehalten hat, ist aufgebrochen. Sowohl die Mädchen als auch die Männer haben keine Lust länger Theater zu spielen und immer offener brechen ihre Konflikte zu Tage.

Am Ende steht dann der große Knall. Wie unvermeidlich und dennoch will man ihn am liebsten gar nicht wahr haben.
Die Bilder bleiben indes wie sie waren, auch die bittersten Momente fangen sie in größter Schönheit ein. Immer wieder begleitet von der grandiosen, traditionellen Musikuntermalung.
Das letzte Wort hat dann ein Beteiligter der bisher noch gar nicht zu Sprache kam, der Staat.
Ihm obliegt es zu Urteilen über das Verhältnis zweier junger Frauen und er tut es. Genug damit „Die Töchter des chinesischen Gärtners“ das Licht chinesischer Lichtspielhäuser so schnell nicht zu sehen bekommen werden.
Regisseur Sijie lebt der Weil schon lange nicht mehr in seiner Heimat, viele seiner Darsteller und Mitarbeiter an diesem Film allerdings schon. Vor ihnen darf man den Hut ziehen und ihnen danke sagen, denn sie waren mutig genug diesen Film zu drehen und es hat sich gelohnt.
Als Kritik an seinem Heimatland möchte in Sijie trotz allem aber nicht verstanden wissen, das sei so genehmigt.
Hier geht es ja eigentlich auch nicht um China oder irgendein anderes Land der Welt. Nicht einmal unbedingt um Homosexualität.
Es geht um zwei Menschen die sich gefunden haben und nun frei sein möchten. Frei von allem Druck oder Zwängen von Außerhalb, die ihre Liebe angreifen und schädigen möchten.
Vergleiche zu „Brokeback Mountain“ werden da gern gezogen. Chinesischer Regisseur, Homosexualität, was liegt da näher. Aber genauso gut kann man auch gleich bis zu Romeo und Julia zurückgehen.
Das würde dann auch gleich den großen Kreis wieder schließen, von historisch bis moderner Geschichte, von Geschichte in die Realität, das Ende ist überall das gleiche.
Man kann es tragisch finden, aber gerade die besten Geschichten haben meist kein Happy End.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Les Filles du botaniste
Land:Frankreich, Kanada
Jahr:2006
Regie:Dai Sijie
Medium:DVD (Universum)
Lauflänge:ca. 94 Minuten
Freigabe:FSK ab 12 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 8.jpg 8/10

Effekte:

 8.jpg 8/10

Sound:

 9.jpg 9/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-907.htm