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Ayako
Story

Japan, kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges.
Unter amerikanischer Besatzung stehend vollzieht das Land einen enormen Wandel in vielen Bereichen von Staats- bis Wirtschaftsform.
Direkt von diesen betroffen ist auch die Tenge-Familie, einst stolze Großgrundbesitzer mit langer Familientradition, haben sie nun den Großteil ihres Besitzes verloren und sind in einem verzweifelten Ringen um den Erhalt ihres traditionsreichen Namens gefangen.
Genau in diese prekäre Lage kehrt nun Jiro, der zweitälteste Sohn der Familie, aus 4jähriger Kriegsgefangenschaft zurück, nur um festzustellen, dass man ihm keinesfalls freudig erwartet hat.
Eine Schande ist es, dass er nicht wie seine Kammeraden ehrenvoll für den Kaiser gefallen ist. Eine Schande nicht nur für ihn, sondern auch für den großen Namen Tenge.
Doch hinter der peinlich aufrecht erhaltenen Fassade der Familie schwelen noch ganz andere Ungeheuerlichkeiten.
Da werden Frauen fürs Erbe verkauft, man entzweit sich an politischen Uneinigkeiten, Spione und Kollaborateure und letztendlich sogar Mord, und in all dem ein kleines Mädchen, Ayako, die über 20 Jahre in einen Keller eingesperrt verbringen muss. Alles zum Wohle des großen Namens - Tenge.

Meinung

„Ayako“, das ist Osamu Tezuka von seiner düstersten Seite.
Lang nur als Zeichner lustig-leichter Kindercomics verschrien begann der „Gott des Manga“ in den siebziger Jahren eine neue Seite in seinem Schaffen aufzuschlagen. Inspiriert vom neuen Genre der Gegika, der „Erwachsenenmangas“, begann auch Tezuka ernste und düstere Geschichten zu schreiben und legte mit „Ayako“ wohl eines seiner besten Werke vor.
In einer Mischung aus bitterbösem Familiendrama, Spionagethriller und Krimi erzählt er nicht nur von einer Familie, sondern auch von Japan nach dem Krieg. Einem Land voller Menschen mit dunklen Geheimnissen. Ein Land im Umbruch, an dem festgefahrene Traditionen scheitern und Menschen die sich nicht anpassen können sich selbst in verzweifelte Lagen manövrieren.
Aber auch wer versucht nach vorn zu sehen, neues zu gestalten hat kein wirklich besseres Los.
Tezuka ist diese Mal gnadenlos. Seine Familie, seine Figuren sind verflucht. Dem Untergang geweiht. Es ist nur eine Frage der Zeit.
Und auch uns, dem Leser geht es an den Kragen.
Schon im Auftakt der Geschichte werden wir hereingelegt. Auf eine falsche Fährte geführt und ohne das wir es merken manipuliert. Schnell erkennen wir den Sumpf hinter der biederen Familie und schnell teilen wir unsere Sympathien den paar Figuren zu die uns wie duftenden Rosen im Misthaufen vorkommen, und schon tappen wir in die Falle.
So dreht sich nicht nur das Rad der Zeit (die Geschichte zieht sich über ca. 25 Jahren hin), sondern auch wir wenn wir immer und immer wieder von Figuren enttäuscht werden und schon bald niemanden mehr finden können in den es sich lohnt Hoffnung zu setzten. Es scheint einfach kein besseres Morgen zu geben für die Tenge und für das was sie an Japan repräsentieren.
Den eines wird auch bald klar, es ist nicht der Krieg oder die Nachkriegszeit die sie so gemacht haben wie sie sind, nein, die Tenge waren immer schon so, sie sind nur in eine Zeit geraten die sie nicht mehr toleriert.
So kämpft sich der Leser durch 25 Jahre Betrug, Mord und Inzest, durch den Niedergang einer Familie und es ist kein Zuckerschlecken, aber es lohnt sich.
„Ayako“ ist zwar recht nüchtern, aber spannend erzählt. Auf Klamauk oder experimentelle Einlagen verzichtet Tezuka dieses Mal, stattdessen bekommt er sogar etwas hin was doch bei manch anderen seiner Geschichten fehlt, nämlich ein gutes Ende. Wenn sich all die verbliebenen Familienmitglieder an einem Ort versammeln, wie er nicht passender und symbolischer für ihre gesamte Familie stehen könnte.
Nur einer von mehreren Momenten in der Geschichte bei denen sich einem kurz die Brust zuschnürt oder der Magen zusammenzieht. So intensiv erzählte Szenen hatte bisher noch keine von Tezukas Geschichten die ich kenne.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:Vertical Inc.
Zeichnung & Story:Osamu Tezuka
Jahr:1972

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 4471
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-905.htm