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Aoi Bungaku Series
Story

No Longer Human

Der junge Schriftsteller und Mangaka Oba Yozo stammt eigentlich aus vornehmen und vermögendem Haus, doch kann er dem strengen Leben in dieser Gesellschaftsschicht nichts abgewinnen und sucht sein Glück lieber in den Künstlermilieus der Großstadt und in betrügerischen revolutionären Kreisen, bis ihm sogar die Geheimpolizei auf den Fersen ist.
Doch egal was er macht und wo oder mit wem er ist, nie scheint er sein Leben auch mal genießen zu können, überall fühlt er sich fremd und schließlich begeht er einen folgenschweren Selbstmordversuch mit einer seiner Geliebten.


In the Forest, Under Cherries in Full Bloom

Im Wald lebt ein mächtiger Räuber mit seinem Harem aus entführten Frauen und Mädchen.
Eigentlich geht es im prächtig. Mit Überfällen auf Reisende beschafft er sich die benötigten Devisen, Rohstoffe und Nahrung hat der Wald jede Menge zu bieten und er liebt seine Freiheit und Ungebundenheit in der Natur.
Doch alles ändert sich als er sich eines Tages Hals über Kopf bei einem Überfall in eine wunderschöne junge Frau verliebt. Von der ersten Sekunde an scheint er wie in ihrem Bann zu stehen und gehorcht blind und fast rasend ihren Befehlen. So bringt er auf ihren Wunsch nicht nur fast alle seine anderen Frauen um, sondern zieht schließlich sogar mit ihr in die große Stadt um ihr dort ein Leben in Luxus zu ermöglichen.


Run, Melos!

Als ein Theaterschriftsteller den Auftrag bekommt eine neue Bühnenversion des berühmten griechischen Stücks von „Damon und Phintias“ zu schreiben leben bei ihm Erinnerungen an seine Jugendzeit wieder auf, als er mit einem jungen Nachwuchsschauspieler befreundet war und beide eine ganz ähnliche Situation erlebten wie die beiden Helden aus der alten Geschichte.


The Spider's Thread

Als der brutale Bandit Kandata nach einem Leben voll Verbrechen letztendlich in der Hölle landet eröffnet sich ihm ein letzter Akt der Gnade. Hatte er zu Lebzeiten einmal das Leben einer kleinen Spinne verschont, so sendet diese ihm nun einen seidenen Faden hinab in die Unterwelt an dem er hinauf in den Himmel klettern kann.


Hell Screen

Yoshihide ist der größte Maler des gesamten Königreichs und wird deshalb von seiner Majestät persönlich dafür ausgewählt sein Mausoleum mit einem riesigen Wandgemälde zu verschönern das das gesamte Königreich zeigen soll.
Doch angewidert von der grausamen Regentschaft seine Königs beginnt Yoshihide eine Höllenlandschaft zu erschaffen in deren Zentrum das ultimative Grauen stehen soll.
Als seine Majestät dies bemerkt ersinnt er einen teuflischen Plan dem Meister dabei zu helfen dieses Grauen auch wirklich perfekt einzufangen.

Meinung

In 12 Episoden erzählt die TV-Serie „Aoi Bungaku“ sechs Geschichten von berühmten japanischen Schriftstellern und will auf diesem Weg dem Publikum das lesen der alten Klassiker wieder etwas näher bringen.
Begleitet werden die, jeweils von einem anderen Produktionsteam adaptierten, Geschichten dabei von einem Moderator der zu Beginn jeder Episode ein paar Hintergrundinformationen zu den Originalautoren und der Entstehung des jeweiligen Werkes gibt und auch ein paar erste Denkanstöße für deren Rezeption.

Die ersten vier Episoden widmen sich dem Roman „No Longer Human“ (dt. „Gezeichnet“) von Osamu Dazai, einem der beliebtesten und meistgelesenen Schriftsteller der japanischen Moderne.
Anhand einer fiktiven Figur erzählt Dazai dabei eine ziemlich biografische Geschichte und seinem Unvermögen sich in die menschliche Gesellschaft zu integrieren.
Die Umsetzung ins Animeformat ist dabei, scheint mir, recht gut gelungen. Der Stil ist verhältnismäßig realistisch gehalten und fürs erzählen werden teils wirklich starke Bilder gefunden. Besonders die geradezu verbissene Besessenheit von der eigenen Nichtintegration in die Gesellschaft geht stellenweise echt an die Nieren und selbst in den wenigen scheinbar glücklichen Momenten bleibt irgendwie immer die durch und durch negative Grundstimmung der Geschichte spürbar. Geradezu unheimlich sind die Einschübe von Wahnsinn die den jungen Autor immer wieder befallen und die er versucht in Zeichnungen festzuhalten.
Über die Hintergründe wird dabei nur wenig verraten, nur kurze Szenen, ab und zu hervorbrechend wie Erinnerungsfetzen, lassen erahnen das verstörende Ereignisse in der Kindheit zu der Entwicklung geführt haben deren Endstadium wir nun erleben.

In den nächsten beiden Episoden (5 und 6) geht es dann mit „In the Forest, Under Cherries in Full Bloom„ von Ango Sakaguchi etwas leichter verdaulich weiter.
Im Gewand eines alten Märchens bzw. einer alten Sage erzählt man uns hier von einem kräftigen, mächtigen und freien Mann der der, wie sich noch zeigen soll, übernatürlichen Schönheit einer Frau verfällt und schließlich alles für selbige opfert.
Die Umsetzung ins Animeformat geht dabei etwas ungewöhnliche Wege und setzt im Gegenzug zur ersten Geschichte weniger auf akkurate, spielfilmähnliche Mittel sondern ist bewusst comichaft gehalten. So gibt es immer wieder typische humoristische Szenen mit Grimassen, hervortretenden Zornes-Adern und überdrehter Gewalt. Aber auch ein kunstvoll gestaltetes Massaker in Art einer musikalischen Theateraufführung.
Interessanter weise passt dieser Stil aber irgendwie ganz gut zur Geschichte, wo man eigentlich eher erwarten könnte dass das Ganze etwas zu albern wird, aber immer schafft man es doch noch die Waage zwischen comichaft überdreht und nötigem Ernst zu halten.

In den nächsten beiden Episoden (7 und 8) dreht sich die Stimmung dann wieder und mit „Kokoro“ von Natsume Soseki wird es wieder rein ernst und dramatisch.
Die Geschichte handelt von einem jungen Student der bei einer Witwe und deren Tochter zur Untermiete wohnt und der eines Tages einen älteren Kommilitonen mit ins Haus einlädt. Wie sich zeigt sind die beiden jungen Männer in die Tochter der Hausherrin verliebt und so wird ihre einstige Freundschaft schon bald von Gefühlen wie Hass und Eifersucht überwuchert.
Die Adaption scheint sich dabei dieses Mal viele Freiheiten gegönnt zu haben.
So wurde die Geschichte von Grund auf leicht verändert und zeitliche Rahmen und Personen angepasst. Außerdem wurde sie in zwei Teile geteilt von dem nur der erste auf dem eigentlichen Buch Sôsekis basiert, während der zweite die gleiche Geschichte noch einmal aus der Sicht einer anderen Figur beschreibt.
Ich muss dabei gestehen (da ich das Original auch nicht kenne) das gerade diese doppelte Sicht auf die Geschichte selbige für mich erst interessant gemacht hat. Eine Geschichte so zu erfahren, wobei man sich ja auch gleich eine Meinung zu ihr und den Personen bildet, und dann die gleiche Geschichte aus einem völlig anderen Blickwinkel noch einmal zu hören und zu sehen wie vieles plötzlich in einem anderen Licht erscheint ist eigentlich immer eine interessante und auch lehrreiche Erfahrung.
Ich möchte fast sagen hier hat man wohl eine sehr gelungene Neuinterpretation des eigentlichen Werkes hingelegt.

Mit „Run, Melos!“ (Episoden 9 und 10) kommt dann noch einmal eine Geschichte von Osamu Dazai dran, dieses Mal aber etwas leichter verdauliche Kost.
Beruhend auf einer Ballade Friedrich Schillers, die wiederum auf einer alten griechischen Sage beruht, wird die Geschichte einer scheinbar gescheiterten Freundschaft zwischen einem jungen Autor und einem jungen Schauspieler erzählt.
Wie in der alten Sage bat der eine der anderen auf ihn zu warten, nur konnte der junge Schauspieler im Gegenteil zur Legende sein Versprechen nicht erfüllen.
Die Umsetzung erfolgt einmal mehr recht frei, aber sehr realistisch und wenig comichaft gehalten.
Ich muss allerdings sagen dass mir diese Geschichte nicht so wirklich gefallen hat, dann irgendwie fand ich sie etwas chaotisch erzählt. Das ständige hin und her zwischen der alten Sage die hier als Theaterstück aufgeführt wird, der Jetztgeschichte um den Autoren der Stücks und dessen Kampf mit den Erinnerungen und Gefühlen an seinen alten Freund die wieder in ihm hoch kommen und der Rückblenden die erzählen was damals zwischen den beiden vorgefallen ist sind doch in ihrer Gänze etwas viel und nicht so ganz verständlich innerhalb der gerademal zwei Episoden.
Hier hat man irgendwie etwas zu viel in ca. 50 Minuten gepackt.

Den Abschluss bildet dann eine Doppelfolge (11 und 12) die versucht gleich zwei Geschichten von Ryunosuke Akutagawa mit einander zu verknüpfen, „The Spider's Thread“ und „Hell Screen“.
Diese beiden Episoden haben mir nun so gar nicht gefallen.
Die Geschichten werden hier wirklich sehr frei interpretiert und in eine Art knallig bunte Fantasy-Zukunft übertragen, was eigentlich rein vom Setting her noch nicht so schlimm wäre, würde man nicht dazu auch die eigentliche Aussage der Geschichten verfälschen.
Das beginnt beim Spinnenfaden noch recht harmlos. Der ganze Teil rund um Buddha wurde eben weggelassen und dafür die Vorgeschichte des bösen Räubers erzählt, na gut. Das Thema rund um den Spinnenfaden und die Flucht aus der Hölle ist das eigentlich wichtige, also was soll es.
Aber hier passiert es jetzt, wo im Original der Faden NICHT reißt sondern der Räuber nur aus Selbstsucht und der Befürchtung es könnte ihm zum Schaden kommen, damit beginnt die Seelen die hinter ihm ebenfalls versuchen aus der Hölle zu fliehen beginnt in diese zurück zu stoßen, da wird es hier so inszeniert das der Faden tatsächlich beginnt auszudünnen und droht zu zerreißen, der Räuber also eigentlich jeden Grund hat die anderen zurückzustoßen, was die Aussage der Geschichte (auch wenn das Ergebnis am Ende das selbe bleibt) doch ziemlich verändert.
Schlimmer wird es dann allerdings im zweiten Teil, der nun wirklich die gesamte Aussage der Originalgeschichte auf den Kopf stellt.
Im Original ist der Maler ein übler Zeitgenosse, der seine Umgebung tyrannisiert und seiner Tochter nachstellt, die als Dienerin im Palast lebt und dort bei allen beliebt ist.
Als er damit beginnt die Hölle zu malen ist es der Maler der dafür seine Schüler quält und beginnt immer unverschämtere Forderungen an den Fürsten zu stellen, bis er schließlich sogar verlangt das er eine seiner Hofdamen doch bei lebendigem Leib verbrennen möge damit er deren Qualen für sein Bild nachzeichnen könne. Erst darauf beschließt der Fürst ihm eine Lektion zu erteilen und verbrennt schließlich die Tochter des Malers vor dessen Augen.
Man sieht, dieses letzte Motiv der verbrennenden Tochter ist so ziemlich das einzige was man genau für die Serie übernommen hat.
Aus dem Rest hat man dafür eine politische Geschichte gemacht, um einen edlen Maler der das Leid der armen Bevölkerung nicht erträgt und dem ruchlosen Tyrannen einen Denkzettel verpassen will, worauf dieser sich dann mit dem Tod der Tochter rächt.
Das mag ja auch eine ganz nette Geschichte sein, zumal auch hier die Besessenheit des Malers am Schluss durchkommt, aber sie schlägt doch einen ganz anderen Ton an als das Original.
Für mich war es dabei umso enttäuschender, als ich mich gerade auf diese beiden Episoden besonders gefreut habe, da ich die Originale von Akutagawa gern und schon des Öfteren gelesen habe. Wer weiß, sonst hätten mir diese Versionen vielleicht sogar gefallen.


Lässt sich also abschließend festhalten das „Aoi Bungaku“ keine 1zu1 Kopie seiner Vorlagen ist und das es deshalb immer Leute geben wird die von den Neuinterpretationen nicht begeistert sein werden.
Trotzdem ist jeder der einzelnen Geschichten die hier erzählt werden interessant und spannend und ich kann und will auch nicht verhehlen das allein schon die Intention dieser Serie mich dazu treibt sie (fast schon unabhängig von ihrer Qualität) zu bejubeln.
Wo man sich beim Inhalt dann wohl auch noch streiten könnte, da ist es bei der Optik schon ein ganzes Stück einfacher auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Egal welche Episoden, egal welches Produktionsteam, in Sachen Zeichnungen und Animationen gibt es kaum etwas auszusetzen. Dank einer gelungenen Symbiose aus handgezeichneten Designs und jeder Menge Computerpower darf sich die Serie mit überdurchschnittlicher Qualität brüsten und erreicht stellenweise fast schon Kinoniveau.

So sei sie abschließend eigentlich auch nur jedem Animefan empfohlen der Lust auf ein paar anspruchsvollere Geschichten hat und der vielleicht auch sowieso mal über den Tellerrand hinaus auf japanische Kultur schauen wollte, hier bietet sich ein erster Schritt auf neues Terrain im vertrauten Gewand.

Und als letzte Worte für alle die dank „Aoi Bungaku“ wirklich Lust aufs Lesen bekommen haben, einen super Einstieg in die japanische Literatur der Moderne bildet der Geschichtenband „Nippon - Moderne Erzählungen aus Japan“ aus dem Diogenes Verlag, der nicht nur 21 Geschichten von verschiedenen Autoren (darunter auch Ryunosuke Akutagawa und Osamu Dazai), sondern auch Kurzbiografien zu allen Autoren und ein umfangreiches Essay über die Entwicklung der modernen japanischen Literatur enthält.

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 Info
Originaltitel:Aoi Bungaku Series
Lauflänge:ca. 25 Minuten pro Episode
Episoden:12
Jahr:2009
Regie:Atsuko Ishizuka, Morio Asaka, Ryosuke Nakamura, Shigeyuki Miya, Tetsuro Araki
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 9.jpg 9/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
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