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Nacht und Nebel über Japan
Story

Ein junges Paar feiert Hochzeit, als plötzlich einige ungeladene Gäste auftauchen und die beiden und die versammelte Festgesellschaft beschuldigen ihre politischen Ideale verraten zu haben.
Viele der Anwesenden waren in der linken Studentenszene aktiv und schnell wird aus der Feier ein wilder Schauprozess in dem es bald nicht mehr nur um politische Verfehlungen geht.

Meinung

„Nach und Nebel über Japan“ ist es, der den Menschen die Sicht versperrt und ihren Horizont verhüllt. Umso nötiger dass einer kommt und diesen Schleier vor ihren Augen zerreißt, damit sie wieder klar sehen und erkennen können.
Das ist es denn auch was Nagisa Oshima (Link Im Reich der Sinne) hier mit einem seiner ersten eigenen Filme versucht. Selbst mit den links-radikalen Ansichten und Zielen der damaligen Studentenbewegung vertraut und durchaus auch sympathisierend, schlägt sich hier all seine Ernüchterung und Enttäuschung über das auseinanderklaffen von politischer Theorie und Alltag durch.
Ausgerechnet anlässlich einer Hochzeit, dem quasi Eintritt des jungen Menschen ins spießbürgerliche Leben, lässt er die alten und neuen Kampfkammeraden aufmarschieren und verwandelt die Festgesellschaft in ein Tribunal und die Feier in einen chaotischen Schauprozess in dem schon bald jeder gegen alles und jeden anklagt, alte Rechnungen begleicht und vergessen geglaubte Geschichten auf den Tisch packt.
In bestem Theaterstil inszeniert Oshima auf der Bühne des Festraumes diese schmerzhafte Selbstzerfleischung in langen Dialogen und eingeschobenen Rückblenden, die das Versagen beider Generationen von Revolutionären schildern.
Und Oshima packt wirklich so ziemlich alles in dieses Filmmanifest was ihm an dieser Generation Japaner sauer aufstößt.
Ob nun dogmatische Redenschwinger, desillusionierte Träumer, Mitläufer, rückgratlose Profiteure oder verbissene Kämpfer. Eigentlich findet man nicht einen Charakter in diesem breiten Ensemble der einem irgendwie sympathisch wäre. Aber nicht nur die einzelnen Personen sind es, die einem so degeneriert vorkommen, die ganze Revolution erscheint sinnlos.
Immer wieder hinterfragen die Figuren gegenseitig ihre Motive, prangern sich an die gemeinsame Sache verraten oder nie wirklich unterstützt zu haben. Aber mit welchem Ergebnis? Wohin führt das alles?
Am Ende eigentlich zu nichts, genau wie der Kampf insgesamt, der die japanisch-amerikanischen Sicherheitspakte nicht verhindern konnte. Wenn die Kamera die Hochzeitgesellschaft am Ende des Films in einem letzten großen Schwenk verlässt, dann scheint irgendwie alles wie gewohnt, genau wie in der ältesten Rückblende, es wird geredet und geredet und das war es.

Es ist der ganze aufgestaute Frust Oshimas den er hier auf den Zuschauer loslässt und der selbigen mit jeder Minute Laufzeit auch mehr und mehr ereilt.
Das macht „Nach und Nebel über Japan“ zu einem wirklich schwierigen Film. Es gibt eigentlich keine positiven Momente, nur gut 100 Minuten unbequemes Offenbaren und tonnenschwere Dialoge. Es war die Gabe der Selbstreflektion die Oshima bei seinen politischen Zeitgenossen so vermisste, also übernahm er diese mitunter schmerzhafte Aufgabe für sie und packte all seine Erkenntnisse in diesen Film. Und auch wenn das alles inzwischen über 50 Jahre her ist, Oshimas Erkenntnissen sind in der Zeit kein bisschen veraltet und Politik lebt immer noch mit genau denselben Fehlern.

Bleibt nur zu hoffen dass die Menschen inzwischen etwas bereiter sind sich mit eben diesen Auseinanderzusetzen, zur Veröffentlichung des Films waren sie es nämlich noch nicht. Zu brisant war damals die Thematik, so dass der Film schon nach wenigen Tagen, trotz heftigen Protests Oshimas, wieder aus den Kinos verschwand.
Dafür legte er den Grundstein für eine Kariere in der das Wort Skandal fortan noch öfters fallen sollte, die aber dafür bis heute auch zu den wichtigsten im japanischen Kino zählt.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Nihon no yoru to kiri
Land:Japan
Jahr:1960
Regie:Nagisa Oshima
Medium:DVD (Polyfilm)
Lauflänge:ca. 103 Minuten
Freigabe:FSK ab 12 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 8.jpg 8/10

Effekte:

 7.jpg 7/10

Sound:

 7.jpg 7/10

Story:

 8.jpg 8/10

 Gesamt:

  8/10

Aufrufe: 4668
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-895.htm