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Kirihito
Story

Die Welt der Medizin wird durch eine rätselhafte neue Krankheit erschüttert, die Menschen durch Knochendeformationen scheinbar in wilde Bestien verwandelt.
Weltweit treten in abgelegenen Regionen Fälle dieser mysteriösen Krankheit auf und Forscherteams machen sich daran deren Ursachen zu erforschen.
So auch an der Klinik des renommierten Professors Tatsugaura, der davon überzeugt ist es handele sich bei der sogenannten Monmo Krankheit um eine Infektion durch Viren und der mit der Publikation seiner Forschungen den Weg zu seinem weiterem beruflichen Aufstieg in die Politik sichern will.
Da kommt es im gar nicht gelegen das einer seiner jungen Ärzte, der idealistische Kirihito Osanai, die Erkenntnisse des Professors anzweifelt und dafür Eintritt es handle sich bei Monmo um eine Krankheit ausgelöst durch Vergiftung.
Um seine Pläne nicht zu gefährden beschließt der Professor sich des jungen Arztes zu entledigen und schickt ihn kurzerhand zu Feldstudien in eine abgelegene Siedlung in der die Krankheit auftrat und wo sich Kirihito, ganz wie geplant, bereits nach kurzer Zeit selbst mit Monmo infiziert.
Die perfekte Möglichkeit den Störenfried endlich loszuwerden, für den damit eine Odyssee rund um den halben Globus beginnt, gezeichnet von den schlimmen Deformationen der Krankheit, die ihm das Aussehen eines Monsters verleiht.

Meinung

„Kirihito“ ist ein Werk aus einer großen Wendezeit für das Mangagenie Tezuka. Zwar überaus erfolgreich, aber auch als Zeichner für lustige aber harmlose Kindergeschichten vereinnahmt, brachte ihn der langsam wachsende Erfolg und vor allem die positiven Kritikerreaktionen des neuen Gekiga Genres zum Grübeln über seinen eigenen Stil und motivierten ihn dazu sich selbst eingehend mit erwachsenen Themen und neuartigen Zeichenstilen zu beschäftigen.
Für „Kihirito“ hat sich der Meister dabei auf vertrautes Terrain begeben. Selbst studierter und praktizierender Arzt konnte er sicher aus den eigenen Erfahrungen schöpfen wenn es um skrupellose ruhmsüchtige Ärzte, das Leiden von unheilbar Kranken, die Selbstzweifel der Ärzte und so weiter geht.
Doch belässt Tezuka es nicht nur bei den medizinischen Themen, nein für „Kihirito“ scheint er so ziemlich alles gewollt zu haben.
Erscheint die Geschichte zu Beginn noch relativ linear und klar, so schwillt sie im weiteren Verlauf immer weiter an, neue Nebenhandlungen tauchen auf und neue Charaktere werden eingeführt und verschwinden wieder. Die Reise der Hauptfigur wird zur Odyssee in die sie sich verliert und mit ihr irgendwie Tezuka auch so ein bisschen.
Es geht um Liebe und Verlangen, Sex, Begierde und Gewalt, um Ruhmsucht und unbedingtes Rechtbehalten wollen, um moderne Sklaverei, Umweltverschmutzung und Ausbeutung von Arbeitern. Um fast jedwede Form menschlichen Versagens, aber auch um Freundschaft, Treue und Aufopferung.
Um viel, viel und noch mehr, so viel das der Leser zeitweise schon selbst den Halt zu verlieren droht in den immer neuen Abgründen die sich auftun und die ausnahmslos jede der Figuren früher oder später einmal erfassen, denn hier ist niemand perfekt, weder Helden noch Schurken. Erstere sehen wir den Mut verlieren und selbst zur Bestie werden, die anderen werden durchaus noch von Gewissensbissen geplagt und reden sich ein doch nur das Beste zu wollen.
Über all dem geht die eigentliche Geschichte rund um die Monmo Krankheit manchmal ein bisschen verloren. Es sind zu viele Einschübe und Nebenhandlungen, auch wenn Tezuka zu guter Letzt doch immer noch den Bogen zurück zur eigentlichen Thematik schlagen kann.

Auch bei seinen Zeichnungen wollte der Meister scheinbar alles neu und alles gleich. Da sind einerseits für seine Verhältnisse realistische Designs aber auch immer wieder eher surrealistische Szenen aus Traumbildern oder einfach als Abbild der psychischen Verfassung der jeweiligen Figur. Die Szenarien sind oft sehr expressiv, so unterstreichen sehr dunkle, von vielen und kräftigen Schatten belagerte Bilder die trübe dunkle Stimmung der Figuren. Und auch das Layout wird zum Ausdrucksmittel der Geschichte, wenn z. B. ein spiralförmiges Panel das versinken einer Figur in Verzweiflung symbolisiert.

Man sieht, Tezuka wollte experimentieren. Wollte neue Darstellungs- und Erzählmöglichkeiten entdecken und erproben, wollte sich weiterentwickeln, wollte höheren Anspruch, wollte das alles und noch mehr.
Herausgekommen ist dabei eine interessante und berührende Geschichte, die allerdings etwas überladen ist und, in dem selbst ausgelösten starken Seegang, ein paar Mal fast zu kentern droht.
Nichts desto trotz ist es Tezuka aber im Großen und Ganzen gelungen das zu erreichen was er wollte, eine anspruchsvolle Geschichte in experimentellem Gewand für erwachsene Leser. Ein Beweis dafür dass er mehr kann als Kinder zu unterhalten.
Das Ergebnis ist vielleicht nicht perfekt, aber trotzdem sehr interessante und packende Unterhaltung.

Cover

Bild 1

Bild 2

Bild 3

 Info
Verlag:Carlsen Comics
Zeichnung & Story:Osamu Tezuka
Jahr:1970

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 8.jpg 8/10

 Gesamt:

  8/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
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