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The Push Man and other stories
Story

Ein Mann opfert seinen Arm um seiner Frau ein Geschäft zu finanzieren, ein anderer zieht mit einem Filmprojektor durchs Land um in Hinterzimmern Schmuddelfilme vorzuführen. Ein Müllverbrenner hadert damit das er keine Kinderzeugen kann, Ein Tagelöhner hingegen mit seiner schwangeren Frau. Ein junger Student bessert sich durch Spermaspenden sein Budget auf während ein Mann von der Prostitution seiner Frau lebt. Ein junger Mann wird von drei Damen überfallen, ein Kanalarbeiter findet einen abgetriebenes Baby im Gully und ein Einbeiniger beobachtet ein Paar durch ein Teleskop beim Liebesspiel, während ein Killer seinem Beruf nachgeht und ein Mechaniker eine TV-Ansagerin anhimmelt. Transvestiten, Zwangsneurotiker und Menschen in Identitätskrisen. Sexsklavinnen und Ratten in der Wohnung, es ist viel los in den Endlosen Straßenschluchten der Großstadt.

Meinung

„The Push Man and other stories“ ist der erste Band in einer Reihe von Kurzgeschichten Sammlungen des berühmten japanischen Mangaka Yoshihiro Tatsumi, dem sogenannten „Großvater der Alternativ-Mangas“ und einem der Begründer des Gekiga, des Erwachsenen-Manga.
In Link A Drifting Life erzählte er seine Lebensgeschichte und machte damit auch eines der wichtigsten Kapitel der Manga-Geschichte in bis dahin nicht dagewesener Form erlebbar. Nun geht es also um seine Geschichten selbst. Genauer gesagt um eine Auswahl aus dem Jahre 1969, dem Jahr mit dem die Reihe auf Wunsch Tatsumis startet.
So versammelt „The Push Man“ 16 Kurzgeschichten, meist 8 seitige Beiträge für wöchentliche Mangamagazin „Gekiga Young“, aber auch ein paar längere Stories, die alle das Leben von Großstadtbewohner beleuchten.
Dabei ziehen sich mehre Themen und Szenen wie ein roter Faden durch die Erzählungen.
Immer sind es Männer die wir auf einer kurzen Strecke ihres Lebens begleiten, meist eher wortkarge Typen die kaum zuhause angekommen entweder Krach oder Sex mit ihren Frauen haben. Sie alle gehen eher „niederen“ Berufen nach, sind Müllverbrenner, Kanalisationsarbeiter, Shouter (Leute die mit Werbetafeln vor Geschäften stehen und Kunden locken), Pusher (Leute die Pendler in überfüllte Züge quetschen) einfache Fabrikarbeiter, kleine Angestellte oder sogar Killer, arbeitslos oder Ex-Knackis. Und so ziemlich alle von ihnen leiden - unter ihrer Frau, unter ihrer Vergangenheit, einem schrecklichen Geheimnis, einer Manie oder einfach nur unter ihrem Leben. Rau, düster und schmutzig sind die meisten ihrer Geschichten, im Müll und in der Gosse spielen sie oft, in eher verkommen Stadtvierteln, winzigen dreckigen Wohnungen mit Rattenbefall.
Ein Happy End hat dabei kaum eine, die meisten nicht mal einen Anflug von Hoffnung auf eine Verbesserung. Viele sind regelrecht grausam.
Eine Frau macht ihrem Mann ständig Vorwürfe bis der sich von einer Maschine seinen Arm zerquetschen lässt um ihr mit dem Versicherungsgeld die Eröffnung einer eigenen Bar zu finanzieren. Anschließend verlässt sie ihren nun arbeitsunfähigen Mann weil er ihr auf die Nerven geht.
Ein Student tötet die Frau von der glaubt das sie mit seinem gespendeten Sperma künstlich befruchtet werden soll, nachdem er erfährt das sie nach mehreren vergeblichen Versuchen auf einen neuen Spender bestanden hat und ein, nach einem Unfall impotenter, Mann springt vom Dach eines Hochhauses nach dem er von einem anderen dazu angehalten wurde ihn und seine junge Frau beim Sex durch ein Teleskop zu beobachten.
Nur selten schimmern witzige Momente durch, wie bei dem abgestumpften Pornofilmvorführer, der es gar nicht erwarten kann Heim zu seiner Frau zu kommen nach dem ihm auf einer Bahnhoftoilette ein versautes Graffiti nach langer Zeit mal wieder richtig scharf gemacht hat. Noch seltener scheint es sogar eine Art Erlösung zu geben, wie bei dem Zuhälter der mit einer bekannten in eine scheinbar glückliche Zukunft auf dem Land, weit weg von der Großstadt, entkommen kann.
Von diesen wenigen Ausnahmen abgesehen bleibt Tatsumis Großstadt aber ein verkommener Ort, voll mit scheinbar normalen Menschen in deren Seelen finstere Abgründe aufklaffen.
Sie gehen ihre Weg durch die klar angeordneten Panels, die noch weit entfernt sind von der Dynamik die Manga heute so ausmacht. Ein einfacher Zeichenstil, viel Schwarz und viel Schraffur, Schatten, Regen, Wind und Nacht, nur keine strahlende Sonne an einem hohem Himmel. Der Stil mag teilweise altbacken scheinen, ist aber immer noch ausdrucksstark.

So haben wir mit „The Push Man“ einen fulminanten Auftakt für das groß angelegte Tatsumi Projekt.
Pro Jahr ein Band hat man sich beim Verlag auf die Fahnen geschrieben, das wird eine umfangreiche Reihe. 1969 ist jedenfalls schon einmal für jeden Liebhaber von düsteren, realistischen Geschichten in Mangaform ein Juwel das man sich nicht entgehen lassen sollte.
Kaufen, lesen und dann auf ins nächste Jahr, 1970 wartet!

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:Drawn & Quarterly
Zeichnung & Story:Yoshihiro Tatsumi
Jahr:1969

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 3928
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-859.htm