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Genius Party
Story

Shanghai Dragon

Ein paar Schüler spielen in ihrer kleinen Schule, als plötzlich ein Objekt vom Himmel in den Schulhof kracht und einer der Jungen eine Art „Zauberstab“ im Krater findet.
Mit ihm kann er Objekte zeichnen die daraufhin tatsächlich real werden, doch schon bald taucht eine riesige Raumschiffflotte auf um das mysteriöse Gerät zu zerstören und einige Cyborgs die versuchen den Jungen zu retten.


Deathtic 4

In der Unterwelt findet ein Junge einen lebenden Frosch der vom Himmel gefallen ist und nimmt ihn mit in die Schule. Doch ist es bei Strafe verboten Kontakt zu Lebewesen aus der Oberwelt zu haben und so versucht der Junge den Frosch mit Hilfe seiner Freunde wieder loszuwerden.


Doorbell

Ein Schüler wird von Doppelgängern geplagt die ihm scheinbar seinen Platz in der Welt streitig machen wollen.


Limit Cycle

Ein Mann sinniert über das Leben, die Menschheit, Sinn und Zweck und Hintergründe und Gott und noch mehr...


Happy Machine

Ein Baby entflieht der Sicherheit seines Kinderzimmers und muss fortan in einer rauen, öden Welt überleben

Baby Blue

Ein Schüler will den letzten Tag vor seinem Umzug noch einmal mit seiner alten Freundin aus Kindertagen verbringen, doch ihr Ausflug zum Strand geht gehörig schief.

Meinung

Mit „Genius Party“ und dessen Nachfolger „Genius Party: Beyond“ setzt das renommierte Studio 4°C eine glorreiche Tradition des Animegenres fort, in einer aufwendigen Produktion Kurzfilme von verschiedensten Künstler in einem Werk zu vereinen.
Zu Blütezeiten der Animeindustrie bescherte das den Fans Kultwerke wie Link Robot Carnival oder Link Manie Manie, später wurde das Konzept dann immer mal wieder aufgegriffen und lieferte regelmäßig mit Filmen wie Link Memories, Link Digital Juice oder Link Winter Days hervorragende Leistungsschauen moderner Animationskunst.
Und gerade das Studio 4°C hat sich in jüngster Vergangenheit hier einen besonderen Namen gemacht, ist es doch derzeit die wohl produktivste Quelle für derart experimentelle Werke und konnte sich mit großen Auftragsproduktionen wie Link Animatrix oder Link Batman: Gotham Knight zu bekannten Hollywood Werken auch über die grenzen Japans hinaus im Mainstream einen Namen machen.

Kein Wunder also das interessierte Cineasten und Animefans sofort hellhörig werden wenn bei kühlen 4°C mal wieder zur Party gerufen wird und die Gästeliste das Attribut Genie dabei zum Ziel erklärt.

Entsprechend wird die Festlichkeit dann auch von Atsuko Fukushima (Mitarbeit an u. a. Link Akira und Link Kikis kleiner Lieferservice) eröffnet, in einer surrealistischen Wüstenlandschaft springt ein seltsamer Vogel zwischen steinernen Schädeln mit leeren Augenhöhlen umher, bricht einen auf und zieht ein Herz aus ihm das er sogleich verspeist, worauf dem Aushilfs-Phoenix feurige Schwingen wachsen und er schließlich als heller Komet furios durch die Lüfte saust.
Den Rest muss dann selbst gesehen haben, es in Worten zu beschreiben würde ihm wohl kaum gerecht werden.

Im darauf folgenden „Shanghai Dragon“ lässt Regisseur Shoji Kawamori (Link Frühling & Chaos) einen ganz normalen Schultag plötzlich in völliges Chaos und Wahnsinn ausarten, als ein kleiner Junge in einem Krater ein mysteriöses Gerät findet und sich kurz darauf mit seiner Freundin und 2 Cyborgs aus der Zukunft eine wilde Verfolgungsjagd mit einer außerirdischen Angriffsflotte quer durch die Stadt liefert.
In rasanten und actiongeladenen Bildern wird hier nicht nur der Fantasie des Kindes als stärkste Waffe und mächtigstes Werkzeug zum lösen von Problemen gehuldigt, sondern vor allem gezeigt was mit der Verschmelzung von handgezeichneten Texturen und moderner Computeranimation alles möglich ist. Die Geschichte bleibt dabei hinter dem optischen Bombast fast etwas auf der Strecke, aber davon bekommt man bei all dem Eyecandy und der rasanten Action eigentlich eh nix mit.

Ganz ähnlich geht es dann auch weiter in „Deathtic 4“ (ja eine Anspielung auf Fantastic 4) von Shinji Kimura (bisher hauptsächlich in Sachen Background Art unterwegs gewesen, u. a. Akira, Link Unser Nachbar Totoro oder Link Tekkon Kinkreet), in dem ein Monsterjunge auf dem Weg zur Schule einen lebenden Frosch findet und versucht diesen zu einem riesigen Tornado zu bringen, der ihn zur Oberwelt zurückbringen soll. Das Problem dabei... lebende Kreaturen sind in der Unterwelt strengstens verboten.
Dem wirklich gruseligem Anfang dieses Kurzfilms folgt dann allerdings eine eher lustige Geschichte, die zwar mit der alptraumhaften Unterwelt ein düsteres Setting bekommen hat, ansonsten aber von Möchtegern Superhelden die sich von Mädchen verprügeln lassen und angezündeten Fürzen erzählt.
Klingt erst einmal leicht infantil, ist aber doch durchaus witzig und dabei bin ich wahrlich kein Freund von zotigem Fäkalhumor. Die grafische Umsetzung ist hier erneut hervorragend, grandioses CGI geht Hand in Hand mit den skurrilen Designs, die stellenweise schon an Tim Burton Werke ala „Corpse Bride“ oder „Nightmare before Christmas“ erinnern.

Etwas bodenständiger wird es dann bei „Doorbell“ von Yoji Fukuyama (sonst eher als Mangaka aktiv).
Der Schüler Yagisawa muss ich hier mit scheinbaren Doppelgängern seiner selbst herumschlagen. Egal wohin er geht, immer ist bereits eine andere Version von ihm dort und die Menschen können nur diese wahrnehmen. Erlösung findet er nur bei seiner Freundin, bei der er als erster zur Stelle ist
Allerdings scheint er nicht der einzige Mensch zu sein von dem mehrere Versionen unterwegs sind.
Wir alle nehmen, je nachdem mit wem wir es zu tun haben, ganz unterschiedliche Facetten an und das Bild das Person A von uns hat muss nicht unbedingt mit dem von Person B übereinstimmen.
Mit dieser „Verbildlichung“ von menschlichem Verhalten präsentiert „Türklingel“ einen wirklich interessanten Ansatz, der gerade für dieses kurze Format bestens geeignet scheint.
Der recht eigenwillige Zeichenstil mit den oftmals irgendwie seltsam wirkenden Perspektiven trägt dabei noch zum Gefühl der Verstörung bei, das die Geschichte an sich schon auslöst. Stellenweise wirkt er fast schon etwas veraltet (man könnte fast glauben eine Anfang 90er Produktion zu sehen), nur um im nächsten Moment allerdings gleich wieder deutlich zu machen das er durchaus nicht von gestern ist.

Im Anschluss geht es ab in völlig unerreichbare Sphären mit Hideki Futamuras (Mitarbeit u. a. an Animatrix und Link Perfect Blue) „Limit Cycle“, einem digitalen Bilderrausch, vollgepackt von Symbolik und begleitet vom fragmentarischen, philosophischen und mythologischen Monolog der Hauptfigur, bei dem wohl die meisten Zuschauer bereits nach kurzer Zeit den Anschluss verlieren und man sich ab einem gewissen Punkt eigentlich nur noch an den Bildern satt sieht, bis auch hier früher oder später erste Ermüdungserscheinungen einsetzen.
So interessant wie das Ganze auch ist, so wenig kann es selbst über diese Kurzfilmdistanz alleine den Film tragen. Keine Ahnung ob es wohl wirklich Zuschauer gibt die hier begeistert zuhörend vor dem Screen sitzen und zwischen all den Symbolen und Thesen Erleuchtung erfahren. Mir blieb selbige auf jeden Fall leider vorenthalten, weshalb ich mich im letzten Drittel dann doch langsam nach dem Ende gesehnt habe.

Nicht weniger bizarr, aber wieder weit verständlicher wird es dann in Masaaki Yuasas (Link Mind Game) „Happy Machine“, in dem ein kleines Baby in der Sicherheit einer abgeschlossenen Scheinwelt aufwächst, diese aber eines Tages aus Neugierde verlässt und in eine öde, einsame Welt hinab fällt.
Dort trifft es zwar auf einige tierische Begleiter die ihm zu Beginn helfen, allerdings schon nach einiger Zeit den Tod finden.
Viele, viele Jahre später sehen wir dann einen alten, vom harten Leben auf dem kargen Planeten sichtlich gezeichneten, Mann der zum Ort seiner einstigen Kindheit zurückgekehrt ist, wieder hinaufsteigt in die sichere Abgeschiedenheit des Kinderzimmers und dort ein neues Baby findet, dem er einige seiner wenigen Habseligkeiten vermacht, bevor er sich selbst in opfert um die Kinderzimmer-Maschine mit neuer Energie zu versorgen.
Keine allzu schwierig zu erkennende Allegorie, aber eine recht beeindruckende, dank der surrealistischen Bilder die eine seltsame Atmosphäre irgendwo zwischen bedrückend und melancholisch erzeugen. Das seit dem Fall aus dem Kinderzimmer(Paradis?) stets maskierte Kind, später der alte Mann, nimmt die Maske z. B. erst kurz vor seinem Freitod wieder ab. Nur einer von vielen Punkten mit Deutungspotential, die den Zuschauer eine Weile beschäftigen sollten.
Kaum noch der Rede wert das natürlich auch hier ein eigenwilliger und interessanter Zeichenstil mit erstklassigen Animationen Hand in Hand geht.

Der letzte Beitrag stammt dann vom, wenn auch nicht gerade produktivsten, so doch vielleicht bekanntesten Gesicht dieser illustren Runde, Shinichiro Watanabe (Link Cowboy Bebop, Link Samurai Champloo), der min seinem „Baby Blue“ die wohl konventionellste, aber nichts desto trotz beste Geschichte der Party abliefert.
Sie ist eigentlich ganz einfach, ein Junge muss umziehen und bittet am Tag zuvor seine alte Kindheitsfreundin noch einmal einen Tag mit ihr zu verbringen. Das war es in gewisser Weise schon.
Der Tag gestaltet sich zwar etwas anders als erwartet und beide haben auch noch ein kleines Geheimnis aus ihrer Kindheit das sie an diesem Tag zu Grabe tragen wollen, aber am Ende bleibt die Geschichte durch und durch „Slice of Life“. Keine surrealistischen oder übernatürlichen Begebenheiten, keine skurrilen Bildwelten. Stattdessen überwiegender Realismus und einfach nur ehrlich vorgetragene Emotionen.
Das alles gipfelt in einem letzten, eigentlich ganz winzig kurzen Moment, der hier fast stillzustehen scheint, sich lang hinzieht und die bis dahin eher leise durchklingende Poesie der Geschichte in einem abschließenden Feuerwerk explodieren lässt. Ein wahrlich magischer Moment.
Watanabe hatte schon immer das Talent seinen Geschichten einen gewissen Blues zu verpassen, was besonders Cowboy Bebop zu einem bis heute unerreichten Meilenstein gemacht hat, und auch in diesem Kurzfilm schafft er es genau diese Stimmung, dieses gewisse Etwas wieder anklingen zu lassen. So ganz anders als der Rest der Party, aber einfach fantastisch.


Damit ist sie dann auch zu Ende, die „Genius Party“.
Sieben Kurzfilme (+ Intro), jeder für sich einen Blick mehr als Wert.
Es gab großartige Animationen (alle Filme) und großartige Geschichten (besonders „Baby Blue“ und „Doorbell“). Ein Feuerwerk an kreativem Potential und ein weiteres Manifest für die Kraft und Energie die immer noch im Genre Anime steckt. Schön mal wieder gesehen zu haben das neben all dem 0815 Output, den es fraglos mehr als reichlich gibt, eben auch solche Projekte nicht nur stattfinden sondern vor allem Erfolg haben und entsprechend Aufmerksamkeit und Würdigung finden.
Wer meint ein Fan der japanischen Animation zu sein, der kann um „Genius Party“ eigentlich nicht herum kommen.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Genius Party
Lauflänge:ca. 15-20 Minuten pro Episode
Episoden:7 (+Intro)
Freigabe:FSK ab 12 Jahren
Jahr:2007
Regie:Atsuko Fukushima, Shôji Kawamori, Shinji Kimura, Kôji Fukuyama, Hideki Futamura, Masaaki Yuasa, Shinichirô Watanabe
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 9.jpg 9/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 5378
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-851.htm