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Der Ausreißer
Story

Als er den Druck der Verlage nicht mehr aushält entschließt sich Mangaka Hideo Azuma zu einem radikalen Schritt - erst versucht er sich in einem Wald zu erhängen, als dies allerdings nicht funktioniert führt er sein Leben, ohne sich bei jemanden zu melden, als Obdachloser fort.
Zwar wird er nach einiger Zeit von der Polizei aufgegriffen, doch hält es ihn nicht lang daheim und er kehrt wieder auf die Straße zurück, um schließlich sein Glück erst als Bauarbeiter und dann erneut als Mangaka zu versuchen, bevor er schließlich wegen Alkoholabhängigkeit von seiner Familie in eine geschlossene Klinik eingewiesen wird.

Meinung

Mit „Der Ausreißer“ erzählt Mangaka Hideo Azuma die wahre Geschichte seiner großen Lebenskriese. Nach ersten Zeichenversuchen in den 60er Jahren stieg er schließlich in den 70ern und 80ern zum bedeutenden Star und gefragten Autoren auf und zeichnete für etliche Magazine, es gelang im schließlich sogar ein eigenes, unabhängiges kleines Studio zu gründen, das neben ihm noch weiteren Zeichnern ein Heim bot, seine Werke über Conventions wie die berühmte ComiKet verkaufte und maßgeblich an der Etablierung des heute vor allem im Ausland so umstrittenen Lolicon Genres mitwirkte.
Doch bei all dem übernahm sich Azuma immer mehr, bis er schließlich seine Leistungsgrenzen völlig überreizte, in Psychosen verfiel und nach einem misslungenen Suizidversuch einfach aus seinem Leben floh und zum Obdachlosen wurde.
Diese Schattenseiten seines Ruhms sind es dann auch auf die er in seinem biografischen „Der Ausreißer“ thematisiert. Angefangen von seinen vielen Erlebnissen als Obdachloser, über seine Zeit als Bauarbeiter, bis hin zu seinem Alkoholismus. Nur kurz geht er dabei in einem Zwischenkapitel auf seinen eigentlichen Lebenslauf als Mangaka ein, in dem er eine kurze zeitliche Abfolge der Entstehungsgeschichte seiner Werke präsentiert und uns von dem Druck erzählt der auf ihm lastete, in immer kürzeren Zeiträumen immer neue Geschichten erfinden zu müssen.
Ansonsten widmet er sich voll und ganz seinem Leidensweg, allerdings nicht wie man es bei einer so tragischen Biografie wohl erwarten würde auf ernste Weise, sondern im Gegenteil mit viel (schwarzem) Humor.
Das beginnt schon bei der sympathischen SD-Knuddeloptik, mit den kleinen rundlichem Männchen in seiner besonders comichaften Darstellung. Ob es nun läuft oder lacht oder weint, alles wirkt übertrieben und sehr schematisch. Und auch die Erzählweise der Geschichten stellt selbst Abgründe wie das suchen nach Essbaren in Mülltonnen wie ein lustiges Abenteuer dar. Ein Schritt den Azuma, wie er auch im Prolog des Mangas deutlich macht, ganz bewusst wählte und der einem die eigentlich tragische Geschichte leicht zu lesen macht. Schlucken muss man dann meist erst hinterher, wenn man sich nach dem lesen der ein oder anderen geschilderten Szene doch einmal vorstellt wie das wohl damals wirklich gewesen sein muss.
Besonders intensiv in Erinnerung geblieben ist mir dabei eine der späten Szenen in der Entzugsklinik, in der Azuma mitten in der Nacht heulend und schreiend ans Schwesternzimmer der Station kommt und kein Valium nehmen will, weil er doch eh bald an Leberversagen sterben würde, was er aus dem OFF dann nur noch mit einem „Ich weine, und die Schwestern lächeln.“ kommentiert.
Man mag kaum glauben das man bei der Szene im Manga wirklich schmunzeln kann, was einfach für die erzählerischen Qualitäten Azumas spricht.
Das einzige was ich etwas Schade an der ganzen Sache fand ist, dass die einzelnen Ausschnitt aus seinem Leben auf die Azuma hier eingeht etwas unzusammenhängend wirken, was besonders durch die eingeschobene Werkbiografie noch verstärkt wird. Die beiden Phasen als Obdachloser und seine Zeit als Alkoholiker stehen irgendwie jede für sich als einzelne Geschichte, die zwar natürlich zu einem größeren Ganzen gehören, diesen Bogen aber im Manga nicht so recht spannen können.
Und auch über die Hintergründe des ganzen, wie es soweit kommen konnte, hätte ich gern mehr erfahren. Zwar wird kein Zweifel daran gelassen das Azuma sich zu viel zugemutet hat und das der Leistungsdruck im Mangakagewerbe enorm ist, aber wirklich ins Detail gegangen wird dabei nicht. Dich manchmal so bezeichnete ‚Abrechnung mit der Mangaindustrie Japans‘ ist „Der Ausreißer“ damit nicht wirklich.

Trotzdem bleibt Azumas autobiografische Geschichte ein absolutes Highlight, das weit aus der Masse sonstiger, oftmals eher bedeutungsloser, Unterhaltungsgeschichten herausragt und das mit der seltenen Gabe gesegnet ist uns eine durch und durch tragische Geschichte so zu erzählen das wir trotzdem dabei lachen können, ohne sie aber ins Lächerliche zu ziehen.
Jeder der nach Abwechslung zum Einheitsbrei sonstiger hiesiger Manga-Erscheinungen sucht hat hier mal wieder eine Perle bei der er zugreifen sollte.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:shodoku
Zeichnung & Story:Hideo Azuma
Jahr:2006

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 5618
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-842.htm