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Irezumi - Spider Tattoo
Story

Weil sie den einfachen Laufburschen Shinsuke liebt, stiftet Otsuya, Tochter einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, ihn an mit ihr durchzubrennen.
Sie flüchten sich erst einmal in das Haus eines bekannten, doch der treibt ein falsches Spiel mit den beiden und verkauft Otsuya an ein Geisha-Haus, während er einen Mörder auf Shinsuke ansetzt.
Während Otsuya nun, mit einer Männer fressenden Spinne auf ihren Rücken tätowiert, als Geisha arbeitet und Rachepläne spinnt, kämpft Shinsuke mit seinen Schuldgefühlen und sucht sie. Als die beiden dann wieder auf einander treffen nimmt ihre Beziehung einen verhängnisvollen Verlauf.

Meinung

Mit "Irezumi" schuf Regisseur Yasuzô Masumura einen Film der bis heute als einer der Vorreiter für starke weibliche Rollen im japanischen Kino steht.
Gesellschaftlich bis heute oft als untergeordnet gesehen, so traten Frauen auch im damaligen japanischen Film eher selten als bestimmende Figuren auf. Eine Tradition mit der Masumura, der in Rom u. a. bei Fellini gelernt und dort auch die "Nouvelle Vague" erlebt hatte, ganz im Sinne des Kampfes gegen eingefahrene Erzählstrukturen brach und mit seiner tätowierten Femme Fatale die Frau das Zepter ergreifen ließ.
Die Frau als Racheengel, ein Motiv das bald eine feste Größe im japanischen Kino werden sollte, von erhaben wie Link Lady Snowblood bis schmuddelig wie Link Sex and Fury.

Als emanzipatorisches Vorbild dient Masumuras Heldin allerdings trotzdem nur sehr bedingt, denn emanzipiert ist hier gleichbedeutend mit intrigant, beherrschend und durchtrieben. Ist es zu Begin noch die Dramaqueen (ich spring von der Brücke), so bleibt am Ende von unserer "Heldin" nicht viel mehr als Wahnsinn übrig.
Dabei könnte man den einfachen Weg nehmen und die Schuld für all das tatsächlich dem Tattoo zu schreiben, genau wie es die Gezeichnete tut, doch eigentlich macht sie von Anfang an eine etwas zwiespältigen Eindruck. Wie sie da vor einer Spielegesellschaft herumstolziert, den Kimono lässig auf den Schultern hängend - eine junge Frau die sich ihrer Schönheit bewusst ist und von den Männern begehrt werden will.
Die Story vom unschuldig verliebten Mädchen das durch die böse Männerwelt zur kalten Rächerin verwandelt wird ist zwar das Bild mit dem dieser Film meist beschrieben wird, so simpel schwarz weiß vermittelt er es aber nicht, vielmehr schwankt er zwischen plumpen und undurchsichtigen Charakterzeichnungen.
Es fällt mir schwer dieses Ambivalente angemessen zu beschreiben. Man könnte es auch fast für einen unbeabsichtigten Effekt halten, der eigentlich nur auf Unvermögen des Regisseur oder Drehbuchschreibers beruht, andererseits traue ich es Masumura auch durchaus zu genau das beabsichtigt zu haben. In seinem späteren Werk Link Blind Beast gibt es jedenfalls eine durchaus nicht unähnliche Ambivalenz in der Charakterentwicklung.
Für ersteres sprechen dann hingegen auch die oftmals unbeholfen daherkommenden Kampfszenen, die mich ehrlich gesagt manchmal fast schon aufgeregt haben.
Wie kann sich ein einziger Mensch nur so dämlich anstellen wenn es z. B. darum geht einen bereits schwer verletzten Mann von einer Frau runter zuziehen?
Sorry aber wenn der jenige bei dem Versuch dieses zu bewerkstelligen dann noch mehrmals auf den eigenen Hintern fällt, dann sieht das wirklich eher aus wie eine Slapsticknummer aus "Dick und Doof", als wie eine ausgedrückte Aufgewühltheit und Zögern. Also das hat mich im Film wirklich gestört.
Und auch die Figur des reuigen Tätowierers kann mich nicht so recht begeistern. Sein rätselhaftes auftauchen zu allen unmöglichen Gelegenheiten beinhaltet wohl entweder eine höhere mystische Komponente die mir entgangen ist, oder ist einfach ein ziemlich ungeschliffener Versuch mit dem Brecheisen das fatale Ende herbeizuführen.

Trotzdem soll das jetzt nicht den Eindruck vermitteln das "Irezumi" kein brauchbarer Film sei.
In seiner erfreulichen Kürze von ca. 85 Minuten packt er die Handlung relativ Dicht und erzählt sie mit Tempo, so dass keine Langweile aufkommt und kann dabei außerdem auf eine sehr schöne Fotografie zurückgreifen, die alles in durch und durch gelungene Bilder kleidet.
Generell wirkt der ganze Film herzlich erfrischend in seiner Art und besonders der anfängliche Umgang der beiden geflohenen Liebenden wirkt so befreiend unbieder wie man es von großen "Nouvelle Vague" Filmen ala "Außer Atem" kennt und schätzt.
Und auch ein gewisses Händchen für gelungene Inszenierung kann man nicht bestreiten, wie man an Szenen wie dem Frühlingsgewitter-Finale sieht.

So kann ich "Irezumi" am Ende zumindest bedingt empfehlen, als durchaus unterhaltsamen Film mit Charme, der aber für meinen Geschmack an einigen derben Schnitzern krankt.
An seiner Bedeutung für den japanischen Film rüttelt das freilich wenig und so ist er schon allein deshalb für den ein oder anderen sicher Pflichtprogramm.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Irezumi
Land:Japan
Jahr:1966
Regie:Yasuzô Masumura
Medium:DVD (Rapid Eye Movies)
Lauflänge:ca. 85 Minuten
Freigabe:FSK ab 16 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 7.jpg 7/10

Effekte:

 7.jpg 7/10

Sound:

 7.jpg 7/10

Story:

 6.jpg 6/10

 Gesamt:

  7/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-768.htm