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Träume von Glück
Story

Ein junges Ehepaar erfüllt sich einen lang gehegten Traum und kauft sich ein Haus in der ruhigen Vorstadt und einen Hund, mit dem sie fortan ihr Leben teilen.
Doch leben Hunde kürzer als Menschen und so kommt auch für sie die Zeit in der ihr Hund alt wird und stirbt.
Doch auch nach dem Tod geht das Leben der anderen weiter und neue Besucher kommen ins Haus und erfüllen es mit neuem Leben.

Außerdem stellt sich ein Familienvater seiner Vergangenheit als Bergsteiger und kehrt mit 40 Jahren an den Berg zurück an dem er einst scheiterte und einen guten Freund verlor.

Meinung

Jiro Taniguchi gehört zwar (leider) nicht in der hiesigen Animeszene, dafür aber in der „gehobenen“ Comicszene allgemein zu den bekannten und geachteten japanischen Zeichnern, die es mit ihren Veröffentlichungen sogar auf die Seiten der westlichen Feuilletons schaffen.
Mit „Träume vom Glück“ haben wir eine sehr autobiografische Kurzgeschichtensammlung von ihm, in der er u. a. seine eigenes Leben mit seinem Hund und dessen Tot aufarbeitet und die zu seinen ausgezeichneten Werken gehört.
Dabei teilt sich das ganze in die Geschichten rund um das junge Paar und seine Haustiere und die abschließende Geschichte um einen ehemaligen Bergsteiger und jetzigen Familienvater.
Während letztere mit ihrem Schneeleoparden schon etwas sehr ins mystische und spirituelle abtaucht und schon eine recht außergewöhnliche und keinesfalls alltägliche Begebenheit schildert, so erzählen die übrigen Geschichten einfühlsam von alltäglichen Begebenheiten (alltäglich natürlich nicht für einen speziellen Menschen, sondern für unsere Gesellschaft gesamt), von den Freuden und Leiden sein Leben mit einem Tier zu teilen, davon wie man sich Träume erfüllt und wie man Verlust erlebt.
Wirklich beeindruckend und verzaubernd ist dabei die ruhige, aber dennoch sehr emotionale Art in der Taniguchi die Geschichte erzählt. Auf dem Backcover beschreibt man es mit Worten wie Melancholie, feinem Humor, Poesie und sogar Humanismus, was auf den ersten Blick fast etwas zu abgehoben erscheinen will, aber einem beim lesen dann immer verständlicher und treffender erscheint. Szenen wie die wiederholten „vor uns das Flussufer“ oder die Beschreibungen der kleinen, mitunter ekligen Alltäglichkeiten die nichts desto trotz so rückblickend liebevoll sind, verliehen der Geschichte einen herzlichen Zauber, dem man sich beim lesen einfach nicht entziehen kann.
Dabei wirkt es auf mich als Nicht-Haustier-Haber teilweise tatsächlich fast schon etwas befremdlich mit welcher Hingabe hier der Hund versorgt und zum Beispiel immer wieder zum Gassi gehen ermuntert wird.
Aber irgendwie hab ich, obwohl es auch der biografische Hintergrund eigentlich so vorgibt, manchmal das Gefühl das es hier nicht nur um die Geschichte eines Tiers geht, sondern das dieses kinderlose Ehepaar hier Tod und Geburt als allgemeine Wunder des Lebens, auf einer metaphorischen Ebene, erlebt. Besonders hat da sicherlich die Szene mit der alten Frau den Ausschlag für mich in diese Richtung gegeben, in der sie im Angesicht des geschwächten Hundes über ihr eigenes Ableben spricht und wie sie es sich erhofft und wie es aber nun mal nicht so einfach geht wie man es gern hätte und wie die Frau darauf reagiert.
Diese Szene ist auch ein gutes Beispiel dafür wie Taniguchi Emotionen durch die Gesichter seiner Figuren vermittelt.
Der Stil mag auf den ersten Blick etwas einfach wirken, aber hier sieht man wie fein und durchdacht er doch ist.
Generell gefallen mir die Zeichnungen sehr und auch der, grad für mangaverhältnisse, sehr aufgeräumte Stil mit den sauber rechteckigen Panels und der klaren Seitenaufteilung trägt sicher zum allgemein sehr ruhigen Eindruck bei.
Wobei ich noch mal ausdrücklich erwähnen will das ruhig hier als Gegenteil von Hektik gemeint ist und nicht etwas als kraftlos oder langweilig oder sonst etwas, was man gern da rein interpretieren will.

Wie schon gesagt unterscheidet sich hier dann die letzte Geschichte etwas von den vorangegangenen, in dem sie ersten eine doch recht außergewöhnliche Situation beschreibt (wie viele Leute haben schon versucht einen Achttausender zu besteigen) und noch dazu eine sehr mystische Komponente in Form des mehrfach auftretenden Schneeleoparden hat.
Das macht die Geschichte natürlich etwas unrealistisch und ganz ehrlich gesagt hat mir auch irgendwie ein bisschen der Kick dabei gefehlt.
Wenn sich jemand nach langer Zeit seinen alten Dämonen stellt, an einen Platz des Verlustes und der Niederlage zurückkehrt und diese dann in einem neuen Anlauf, und damit auch ein Schatten der seit dem auf seiner Seele lag, überwindet, dann wünsche ich mir doch am Ende irgendwie einen großen Knall, der mir hier irgendwie fehlt.
Das Ende mit Ausblick vom Gipfel, der Umarmung, den Tränen und dem abschließenden erneuten auftauchen des Schneeleoparden ist mir hier zu ruhig. So ruhig wie es nun mal Taniguchis Stil ist, aber trotzdem zu ruhig für diese Geschichte.
Ich will ja keinen überbombastischen Pathos, am besten mit wehender Flagge im Hintergrund, aber die Emotionen die laut der Bilder das Finale zeigen sollte, die kommen mir hier nicht wirklich rüber. Die Bilder können das was sie objektiv zeigen beim Leser nicht widerklingen lassen und das sollten sie aber.

Trotzdem ist auch die letzte Geschichte, und „Träume von Glück“ als Ganzes sowieso, ein herausragender Manga, den ich eigentlich jedem nur wärmstens empfehlen kann.
Es ist eine seltene Freude in einem Manga so schöne, poetisch und anspruchsvolle Geschichten erzählt zu finden. Derartige Veröffentlichungen sind bei uns immer noch rar gesät und umso dringender sollte man zugreifen wenn sich so eine Gelegenheit ergibt.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:Carlsen Comics
Zeichnung & Story:Jiro Taniguchi
Jahr:1992

 Bewertung

Grafik:

 9.jpg 9/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-753.htm