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Pom Poko
Story

Tokio, eine der größten Städte der Welt.
Viele Millionen Menschen leben hier und ständig werden es mehr und mehr.
Um Platz für all seine Bewohner zu schaffen, werden immer neue Gebiete rund um die Stadt in großen Bauvorhaben als Wohn- und Nutzfläche erschlossen. So auch die Tama Hügel und das bisherige dortige Naturschutzgebiet.
Doch der neue Wohnraum für die Mensche verdrängt den alten Wohnraum für die Tiere, unter ihnen auch viele Maderhunde.
Diese wollen sich die Vertreibung durch den Menschen allerdings nicht gefallen lassen und mit Hilfe ihrer magischen Fähigkeiten rüsten sie sich, nach anfänglichen Streitereien untereinander, zum Gefecht gegen die Eindringlinge in ihren Lebensraum.
Doch was können einige kleine Pelztierchen schon gegen große Baumaschinen ausrichten?

Meinung

Drei Jahre vor Miyazakis Ökomärchen Link „Prinzessin Mononoke“ widmete sich schon Regie- und Studiokollege Isao Takahata mit einem ganzen Film dem Kampf Mensch gegen Natur und zieht einen eher deprimierende Schluss.
Das Problem das er dabei in „Pom Poko“ aufgreift, ist auch heute noch eines der größten mit dem sich die Menschheit konfrontiert sehen muss.
In ihrem immer schnelleren und stärkeren Wachstum bedarf sie immer mehr Raum für sich und ihre Industrien und breitet sich immer weiter in die letzten noch verbliebenen Flecken Natur aus.
Unaufhaltsam verschlingt sie Wälder und Wiesen, Sümpfe und Seen, und verwandelt sie in Nutzland.
Auf der Strecke bleiben dabei die bisherige Flora und Faune. Erstere wird zerstört und damit zweiterer ihr Lebensraum genommen.
Genau diese alltägliche Situation ist es auch, die die Marderhunde in „Pom Poko“ bedroht.
Das Takahata dabei ausgerechnet die Marderhunde unter all der Fauna herauspickt, dürfte deren Bedeutung im japanischen Volksglauben geschuldet sein, der sie natürlich zu einer besonders beliebten und geachteten Art macht.
Mehr Aussicht auf Erfolg verleiht das ihrem Kampf gegen die Natur zerstörenden Menschen allerdings dennoch nicht. Der Stopp der Bauarbeiten oder gar die Zurückgewinnung ihres bereits verlorenen Territoriums wird nicht das Happy End der Geschichte sein, das ist eigentlich relativ früh klar.
Aus der, ja nennen wir es ruhig Niederlage, seiner „Helden“ macht Takahata keinen langen Hehl. Der Zerstörungskraft menschlicher Maschinen und menschlichem Willens haben auch die heiligsten Tiere der Natur eher wenig entgegenzusetzen.
In dieser Botschaft sind sich „Pom Poko“ und „Mononoke“ einig.
Am Ende können die Marderhunde nur versuchen sich an die neue Situation anzupassen und sich in ihrem neuen, urbanen Lebensraum zu Recht zu finden, um zu überleben.
Ein neues Leben, dem viele von ihnen nicht gewachsen sind.

Erzählt wird diese eigentlich eher tragische Geschichte dann allerdings auf recht witzige und spielerische Art und Weise.
Den ganzen Film hindurch begleiten und erzählende Stimmen aus dem Off, die dem ganzen irgendwie den Touch einer Dokumentation geben und auch die Charaktere selber lassen und oft durchs Off an ihren Gedanken und Erinnerungen teilhaben, was dieses Dokumentationsfeeling noch mehr unterstützt.
Auch lässt Takahata seine tierischen Helden viele traditionelle Züge der japanischen Gesellschaft (z. B. Samurai) annehmen, um im Kampf Mensch gegen Natur auch den Kampf Moderne gegen Tradition mitschwingen zu lassen.
Ein imho aber eher fragwürdiger Bezug, denn nur weil die Technik damals noch nicht so weit war und deshalb die Auswirkungen nicht so gravierend, war die Rücksichtslosigkeit gegenüber der Umwelt nicht unbedingt geringer. Das die Menschen früher ja viel mehr im Einklang mit der Natur gelebt hätten, ist allzu oft auch eher sentimentale Illusion.

Aber wie gesagt, zwischen all den ernsten Untertönen spielt „Pom Poko“ im Vordergrund doch vor allem fröhliche Melodien.
Lässt die knuffigen Marderhunde witzige Situationen erleben und verweist ein aufs andere mal auf ihr doch eher schlichtes aber sympathisches Gemüt, dass sich durch ein gutes Fresschen auch im größten Zorn besänftigen lässt.
Das dabei auch traditionell die Hoden der Marderhunde eine wichtige Rolle, besonders für die Magie, spielen, dürfte „Pom Poko“ in den Augen vieler westlicher Zuschauer allerdings einen eher etwas befremdlichen Touch verleihen.
Mal ehrlich, von welchen Eltern glaubt man schon das sie ihre Kinder einen Trickfilm schauen lassen, in dem Sätze wie „[...] sie zogen seinen Hoden so lang wie es geht [...]“ vorkommt?
Oder in dem Hodensäcke als Fallschirme benutzt werden oder man Picknickdecken daraus zaubert?
Ich glaube das sorgt bei den meisten Eltern wohl eher für erhebliche Skepsis dem Film gegenüber und lässt sie die Kindertauglichkeit stark anzweifeln.

Neben derart schrägen Witzen fährt Takahata allerdings auch einiges an mystischen Szenen auf. Vor allem ist hier sicherlich die große Geisterparade zu nennen, die die Maderhunde in der statt veranstalten und die mich mit ihren vielen traditionellen Figuren doch sehr an Miyazakis späteren Hit Link „Chihiros Reise ins Zauberland“ erinnert.
Leider fehlt Takahata allerdings irgendwie ein bisschen das Händchen für derart phantastisches und seine Parade kann sich leider nicht mit denen aus den Filmen seines Studiopartners messen.
Takahata liegen da eher die realistischen Geschichten, die hat er für meinen Geschmack viel besser drauf.

Nichts desto trotz ist „Pom Poko“ natürlich ein toller Film, der auch optisch auftrumpfen kann und dafür auch zu Recht einen der begehrten Manichi Film Awards kassierte.
Die Zeichnungen und Animationen sind gute alte Handarbeit und trotzdem auch für das fortgeschrittene Alter immer noch Top, wie man es aus einem Studio Ghibli auch nicht anders erwartet hätte.

So kann ich „Pom Poko“ trotzt seiner etwas schwächelnden, weil hin und wieder doch zu pathetischen, Öko-Geschichte als wirklich guten Anime empfehlen, der sein ernstes Anliegen auf oft witzige Weise rüberbringt und der optisch nichts zu wünschen übrig lässt.
Keiner der Top-Ghibli-Filme, aber immer noch weit überdurchschnittlich.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Heisei tanuki gassen pompoko
Lauflänge:ca. 114 Minuten
Freigabe:FSK ab 6 Jahren
Jahr:1994
Regie:Isao Takahata
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  8/10

Aufrufe: 6851
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-601.htm