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Rashomon - Das Lustwäldchen
Story

Während eines schweren Unwetters suchen ein Mönch und ein Holzfäller Schutz in der verfallenen Rashomon - Torruine. Als noch ein dritter Reisender dazu stößt, entwickelt sich zwischen den dreien ein Gespräch und erzählt wird die Geschichte eines furchtbaren Verbrechens. Die Geschichte eines Samurai, seiner Frau und eines Räubers, eine Geschichte von Mord, Verrat und Vergewaltigung.

Meinung

Ein Verbrechen – 4 Versionen.
In seinem preisgekrönten (Goldenen Löwen, Oscar) Werk „Rashomon“ stellt Akira Kurosawa die Frage nach der Wahrheit. Jeder Zeuge der Tat schildert die Tat anders, so das er selber gut dabei wegkommt. Das Gericht soll am Ende den Fall entscheiden, doch zu sehen bekommen wir es nicht. Stattdessen setzt Kurosawa die Kamera, und damit uns, auf die Position des Richters. Wir müssen entscheiden wer die Wahrheit spricht und wie es wirklich gewesen ist, oder aber erkennen, dass es nicht möglich ist zu einem sicheren Urteil zu kommen.
Wer lügt, wer sagt die Wahrheit? In sich klingt jede der 4 Versionen gleich sinnvoll und möglich. Na gut, die Aussage des Samurais mutet nach westliche-aufgeklärtem Verständnis etwas seltsam an, doch innerhalb des Films ist sie neben denen der noch lebenden völlig gleichberechtigt.
Zwischen den einzelnen Zeugenaussagen wird dann von den drei Untergeschlüpften über das Wesen der Wahrheit und der Welt diskutiert. Besonders den Mönch bewegt das Problem der Lügen und Teilwahrheiten sehr, während der Holzfäller mit der Zeit sichtbar unter seinem Gewissen und der Furcht leidet.
Am Schluss steht letztlich die Erkenntnis, dass es unmöglich ist die wirkliche, objektive Wahrheit über dieses Verbrechen zu erkennen. Vielleicht existiert sie auch gar nicht, denn jede Information die der Mensch aufnimmt, wird sofort von ihm selbst ver- und bearbeitet, und entwickelt sich unweigerlich zu einer, von den eigenen Gefühlen und Erfahrungen veränderten, subjektiven Sicht des Geschehens. Einer subjektiven Wahrheit, da wir uns dieser Veränderung zumeist nicht bewusst sind. Und da dies eben selbst bei den Zeugen der Fall ist, kann es am Ende eventuell auch gar keine objektive Wahrheit geben.
Frei nach der alten Frage: „Wenn ein Baum im Wald umfällt, aber keiner bekommt es mit (wird sich dessen bewusst), ist er dann wirklich umgefallen?“
Wenn es eine objektive Wahrheit gibt, aber keinem Menschen ist sie bewusst, da jeder nur seine subjektive Wahrheit hat, gibt es die objektive Wahrheit dann wirklich?
Aber ich will mich nicht weiter in irgendwelche philosophische Fragen und Deutungen verrennen, wo doch auch der Film sich erfolgreich bemüht, genau dies zu verhindern. Im Zentrum bleibt doch das Verbrechen an sich und dessen Darstellung, bei der Kurosawa sich bewusst dem alten Stummfilm zugewandt hat.
Von dessen Zauber und Ästhetik wollte er etwas zurückholen und es ist ihm gelungen. Ob nun die musikalische Untermalung beim Gang des Holzfällers durch den Wald und über den Tatort, gleich zu beginn des Films, die diesen sehr plastisch begleitet, oder das genau geplante Zusammenspiel von Licht und Schatten, das besonders dazu genutzt wird in Szenen spezielle Partien des Gesichts (oft die Augen) besonders hervorzuheben, in dem sie im Licht und der Rest des Gesichts im Schatten liegen oder von Schatten eingerahmt werden.
Auch die Darsteller spielen sehr intensiv, besonders was die Gestik und Mimik von Toshiro Mifune als Räuber Tajomaru angeht, der er doch schon jenseits der Grenzen zum leichten Wahnsinn ansiedelt.
Aber auch neue Akzente konnte Kurosawa setzten, wie z.B. durch den, mit mehreren Kameras gleichzeitig gefilmten, Gang des Holzfällers durch den Wald, bei dem die verschiedenen Aufnahmen dann zu einem harmonischem Ganzen zusammen geschnitten wurden.

Kein Wunder also das es Kurosawa grad mit diesem Film gelang, auch im Westen seinen Durchbruch zu feiern. „Rashomon“ ist zwar nicht sein bester Film und gehört nicht zu den Kandidaten die einem beim Namen Kurosawa sofort einfallen und auch immer genannt werden, aber mit dieser intelligenten Parabel über die verschiedenen Gesichter der Wahrheit hat er doch einen hervorragenden Film geschaffen, der zeigt wie man ein gutes Gleichgewicht zwischen Anspruch und Unterhaltung schafft.
Man wird zwar einerseits mit schwierigen Fragen konfrontiert und zum nachdenken angeregt, andererseits bleibt die Geschichte aber spannend und actionreich. Man muss sich nicht zwanghaft einen Kopf drüber machen, aber man kann (und sollte).
Denn wie sagt der Mönch am Anfang ganz richtig:

„Wer das versteht, der kann die ganze Menschheit verstehen.“

Na ja, vielleicht nicht ganz, aber sicherlich ein Stückchen besser.

Screenshots

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

 Info
Originaltitel:Rashômon
Land:Japan
Jahr:1950
Regie:Akira Kurosawa
Medium:DVD (Süddeutsche Zeitung / Concorde)
Lauflänge:ca. 83 Minuten
Freigabe:FSK ab 16 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 7.jpg 7/10

Effekte:

 7.jpg 7/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 10.jpg 10/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 5041
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-557.htm