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Heimweg
Story

Als sein Vater stirbt, kehrt der Geschäftsmann Luo Yusheng nach vielen Jahren zum ersten Mal in sein kleines Heimatdorf zurück.
Schon bei seiner Ankunft bereiten ihn der Bürgermeister und sein Onkel Xia darauf vor, dass seine Mutter eine ziemlich merkwürdige Vorstellung hat, was das Begräbnis ihres Mannes angeht. Sie besteht darauf, dass sein Leichnam aus dem Bezirkskrankenhaus der nahe gelegenen Stadt zu Fuß bis ins Dorf getragen wird. Ein alter Brauch der seit der Kulturrevolution eigentlich nicht mehr ausgeführt wird.
Auch Yusheng versucht seine Mutter von diesem Plan abzubringen und ihr gut zuzureden, dass sie den Vater doch auch mit einem Traktor holen könnten, aber die alte Frau besteht stur auf ihrem Wunsch.
Die bringt Yusheng dazu sich an die Geschichte seiner Eltern zurück zu erinnern und umso mehr Erinnerungen daran, was sie, oder auch andere Leute aus dem Dorf, ihm darüber erzählt haben, ihm wieder einfallen, um so mehr beginnt er den Wunsch seiner Mutter zu verstehen, bis er sich am Ende selbst mit allen Mittel dafür einsetzt das sein Vater nach altem Brauch Heim getragen werden kann.

Meinung

Dank seinen beiden Filmen Link „Leben!“ und Link „Not One Less“ gehört Zhang Yimou für mich eh schon zu den besten Filmemachern die China in letzter Zeit zu bieten hatte und hat, und mit diesem wunderschönen Liebesdrama kann er diese Position bei mir nur noch weiter festigen.
Als Vorlage für seine Geschichte, hat Yimou sich dabei die Novelle „Remembrance“ von Bao Shi ausgesucht.
Dabei beginnt der Film erst einmal ziemlich nüchtern und kühl in einem eher unfreundlichen schwarz/weiß im Winter, das die ganze Landschaft wenig einladend wirken lässt. Auch die Mutter wirkt fürs erste wenig sympathisch und ihr stures beharren auf der alten Tradition des „Heimtragens“ erscheint eher als unnötige Verkomplizierung des ganzen Beerdigungsprozesses. Auch das sie ewig lang in der Kälte vor der Schule sitzt und auch unbedingt gleich noch ein Tuch für den Sarg weben muss, kommt einem eher als die Schrullen einer alten, nun einsamen und trauernden, Frau vor, die man zwar einerseits verstehen kann und respektieren sollte, die aber andererseits auch lästig sind und gegen die man etwas tun muss.
Diese eher kühle Anfangsstimmung wird dann allerdings mehr oder weniger im Sturm davon geweht, wenn Yusheng beginnt sich zu erinnern. Der Film taucht ein in ein Meer aus kräftigen, schönen, hellen Farben und schönen Landschaftsaufnahmen, die wortwörtlich die ganze Geschichte plötzlich in einem anderen Licht erscheinen lassen.
Mit großen Gefühlen erzählt uns Zhang Yimou die Geschichte des jungen Mädchens Xiao-Di, die sich, gleich bei seiner Ankunft, in den jungen Lehrer Changyu verliebt und schwere Zeiten durchstehen muss, bis die beiden endlich wirklich zusammen kommen können.
Erst ist Xiao-Di zu schüchtern und schafft nicht mehr als ihren Schwarm aus dem Verborgenen anzuhimmeln, dann wird, als sie sich endlich näher kommen, der Lehrer Luo zurück in die Stadt gerufen, um seine politische Einstellung zu prüfen, die nicht so ganz mit den Vorstellungen des Systems übereinstimmt.
Die Straße zum Dorf, über die das „Heimtragen“ des Leichnams passieren soll, das alte Schulgebäude vor dem die Mutter so lang in der Kälte sitzt, das Tuch das sie unbedingt noch für den Sarg weben will, in diesen Erinnerungen bekommt es auf einmal alles eine Bedeutung und aus den lästigen Schrullen einer alten Frau werden auf einmal Beweise einer tiefen, über den Tod hinausreichenden Liebe.
Man fühlt sich als Zuschauer direkt schuldig, dass man zu Beginn auch an den Wünschen der alten Mutter gezweifelt hat.
Spätestens wenn dann das „Heimtragen“ endlich stattfindet dürften bei „Heimweg“ auch bei hart gesottenen die hinter Dämmen verschlossenen Emotionen durchbrechen und sich zumindest ein angenehm warmes Gefühl breit machen. Zhang Yimou’s Film ist nämlich trotz all des Dramas und Herzschmerzes am Ende ein Film der guten Gefühle, der einen auch mit eben diesen zurück lässt.
Auch wenn der Anlass des Films ein denkbar trauriger ist und auch, vielleicht ganz unbeabsichtigt, die Umstände in denen die Leute in dem Dorf noch heute leben, einen schockieren können, denn die Zeit scheint dort für die Menschen die letzten 50 Jahre stehen geblieben zu sein und die heruntergekommen Häuser und die nicht vorhandene Infrastruktur lassen einen eher an ein Entwicklungsland denken, statt an eine aufstrebende Weltmacht.
Aber Yimou kritisiert nicht etwas, er zeigt einfach nur wie es ist. Lässt seinen Film einfach in einer realistischen Umgebung spielen. Für alles was darüber hinausgeht wäre der Film auch viel zu schade. Sollen die ewigen Yimou-Kritiker ihm nur ruhig wieder „China Verherrlichung“ vorwerfen. Der Film spricht sowieso für sich.
Und selbst wenn man mit dem Inhalt nicht klar kommt, die Verpackung aus toll gefilmten Bildern und der wunderbar stimmigen Musikuntermalung sollte jeder genießen können, denn auch wenn die Geschichte Geschmackssache ist, handwerklich gibt’s an dem Film nichts auszusetzen.
Oder halt, doch. Würde es nach mir gehen, so würde das Ende nicht mehr nur in schwarz/weiß ablaufen, aber wir sind hier ja nicht bei Wünsch dir was. ;)

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Wo de fu qin mu qin
Land:China
Jahr:1999
Regie:Zhang Yimou
Medium:DVD (Columbia TriStar)
Lauflänge:ca. 86 Minuten
Freigabe:FSK ohne Altersbeschränkung
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 9.jpg 9/10

Effekte:

 8.jpg 8/10

Sound:

 9.jpg 9/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-542.htm