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Paranoia Agent
Story

Tokyo wird von einer Reihe brutaler Überfälle erschüttert. Der Täter scheint ein kleiner Junge zu sein, unterwegs mit goldenen Rollerblades und einem goldenen Baseballschläger.
Sein erstes Opfer war die berühmte Charakterdesignerin Tsukiko Sagi, die die allseits beliebte Figur Maromi erschaffen hat.
Auf den Fall werden die beiden Polizisten Keiichi Ikari und Mitsuhiro Maniwa angesetzt, doch die Ermittlungen stellen sich als äußerst schwierig heraus, da das Opfer sich nur sehr wage an den Täter erinnern kann und die einzige potentielle Augenzeugin verschwunden ist. Während die beiden also vorerst im dunkeln tappen ereignen sich immer neue Überfälle, die dem Täter, der inzwischen den Namen „Shounen Bat“ bekommen hat, zugeschrieben werden. Als es dann endlich zu einer Verhaftung kommt, ist der Fall allerdings nicht gelöst, sondern nimmt immer seltsamere Dimensionen an. Der vermeintliche Täter wird in der Zelle erschlagen und Shounen Bat macht weiter die Stadt unsicher. Inzwischen ist er schon längst zu einer modernen Legende geworden.
Keiichi und Maniwa müssen unterdessen den Polizeidienst quittieren, doch Maniwa will nicht aufgeben. Als es ihm endlich gelingt hinter Shounen Bats Geheimnis zu kommen scheint es für die Stadt schon zu spät zu sein.

Meinung

Nach drei erfolgreichen Kinofilmen wendet sich Satoshi Kon diesmal also dem TV zu und präsentiert uns eine 13teilige Serie. Das bietet natürlich um einiges mehr Raum als ein zweistündiger Film, den Satoshi Kon auch glatt bis oben hin füllt. Wie immer mit Stoff der nicht so leicht zu durchschauen ist und etwas mehr Aufmerksamkeit verlangt als die durchschnittliche TV-Unterhaltung.
Die Story von „Paranoia Agent“ ist kaum durchschaubar und vollgepackt mit Anspielungen und Symbolistik, Mysterien und Surrealem. Während sich die ersten Episoden noch auf recht realem Grund bewegen, so wird dann doch ziemlich schnell klar, dass keine einfache Auflösung des ganzen zu erwarten ist und Shounen Bat kein einfacher Mensch sein kann. Vielmehr eine Art Symbol, für den Druck, die Ängste und den Stress des modernen Lebens. Alle seine Opfer leiden unter eben diesen und erfahren durch seine Attacke geradezu eine Erlösung aus diesem Dilemma. Als Opfer sind sie befreit von dem was sie vorher belastete und werden (zumindest eine Zeit lang) geschont. Eine endgültige Lösung ist dies allerdings nicht nur eine schnelle.
Als Bats positives Gegenstück tritt Maromi auf, das liebenswerte Maskottchen, das den Menschen Trost spendet und sie ihre Alltagssorgen vergessen lässt. Doch wie bei Bat auch, gibt es von ihr keine wirkliche Erlösung, sondern nur eine schnelle, kurzweilige Ablenkung.
Zwischen diesen beiden Polen wandelt die Geschichte dann auch erst einmal einige Folgen lang vor sich hin und hangelt sich dabei von einer Figur zur nächsten, die jeweils irgendwie mit Shounen Bat in Berührung kommt. Dabei thematisiert die Serie eine Fülle von gesellschaftlichen Problemen Japans und rekonstruiert auf unterschiedliche Weise die Schicksale derer die sich zu Bat flüchten. Dabei braucht man aber keine Angst zu haben das sich immer die selbe Grundgeschichte wiederholt, denn fast jede Folge ist komplett eigen und benutzt andere Mittel um ihre Geschichte zu erzählen, wobei ein recht kompliziertes Zeit-Personen-Geflecht aufgebaut wird.
Beachtlich dabei ist vor allem auch, wie gut die einzelnen Personen ausgearbeitet sind. Ihre Geschichten wirken, innerhalb der übergeordneten Handlung, alle glaubhaft und nachvollziehbar. Nichts desto Trotz sind sie keinesfalls einfach, sondern zum Teil sehr verschlüsselt. Bestes Beispiel hierfür ist wohl die Episode um die drei Selbstmörder, die sich erst nach sehr aufmerksamer Betrachtung wirklich erschließt. Aber auch das Verwirrspiel um die Nachhilfelehrerin fordert den Zuschauer. Zwar ist hier der Sachverhalt recht schnell erahnt, aber bis dann alles wirklich auseinanderklamüsert ist.
Nebst all dem kompliziertem Handlungsaufbau gelingt es Satoshi Kon aber dennoch eine sehr fesselnde und zum Teil sogar gruselige Atmosphäre zu schaffen und auch einige witzige Passagen einzubauen. Wohin die Reise aber wirklich geht, liegt zu diesem Zeitpunkt noch völlig im Unklaren.
Erste Spuren über die wahren Zusammenhänge von Bat und Maromi werden erst in der zweiten Hälfte der Serie gelegt und um so weiter sie sich dem Finale und der Auflösung nähert, um so surrealer werden die Folgen. Teilweise weis man auch gar nicht mehr so Recht wie man sie einordnen soll, wie z.B. die Folge der „Klatschtanten“ die alle die haarsträubensten Geschichten über Shounen Bat drauf haben und zum besten geben. Hier wird zwar ein recht humorvoller Blick auf die Gesellschaft geworfen (und sicher nicht nur auf die japanische, diese Art von alten Klatschtanten gibt es sicherlich fast überall), aber die eigentliche Geschichte verschleiern sie eher, so wie es solche Gerüchtekücheklopperei eben in der realen Welt mit realen Geschichten auch tut.
Eine recht unterhaltsame Atempause bietet dann die Episode rund um die Entstehung des Maromi-Animes, die zwar einerseits auch dazu benutzt wird ein besseres Licht auf die Bedeutung Maromis zu werfen, aber hauptsächlich doch eine lustige Exkursion in die Animeindustrie bietet.
Die letzten Episoden hingegen verlassen dann völlig den bisher eingeschlagenen Pfad. Zwar darf Keiichi Ikaris Frau noch einmal vieles über das Wesen des Bat enthüllen, doch das kann ihn nicht mehr aufhalten. Mit dem verschwinden Maromis und ihrer Schöpferin gewinnt der Bat völlig die Oberhand und „überschwemmt“ die ganze Stadt. Einzig Maniwa scheint sich ihm noch entgegenstellen zu können.
Die tatsächliche Auflösung der Geschichte geht dann aber einen andren, von vielen Fans nicht gerade begeistert aufgenommenen, Weg. Hier hatten sich viele mit Sicherheit ein anderes Ende erhofft und auch erwartet, den in seiner Personengebundenheit steht es dem allgegenwärtigen von Bat und Maromi doch etwas seltsam gegenüber. Das beides nun doch wieder auf einen einzigen Charakter reduziert wird, aus dem es entstammt, ist auch für mein bisheriges Verständnis der Serie etwas unpassend. Da hilft es auch nichts, dass in einer abschließenden Schlusspointe die Unvergänglichkeit und das immer wieder kehren von Bat und Maromi (wenn auch in anderen Gestalten und mit anderen Namen) erklärt wird. Das lindert das Ende zwar etwas, aber für leicht misslungen halte ich es trotzdem. Nicht in seiner Grundaussage, aber in der Art wie es präsentiert wird.
Dieser kleine Makel kann „Paranoia Agent“ allerdings nicht wirklich schmälern. Dazu funktioniert bis zu diesem Punkt einfach alles viel zu gut. Die mysteriöse Spannung, die mannigfaltige Sozialkritik, die mal wieder schön andersartigen Charaktere, und all die anderen Punkte die die Geschichte so gut machen.
Dazu kommen mal wieder ausgezeichnete Zeichnungen und Animationen, bei denen auch auf die verschiedensten Stiele gesetzt wird. Von simpel-krakelig, über old fashioned, im Mangastiel, quietschiges SD, Produktionsskizzen und diverse Zwischenstufen, bis hin zu ausgefeilter Kinooptik. Dabei wird auch mit Perspektiven und Einstellungen gern experimentiert (aus einer Coladose heraus), genauso wie mit Farben, Licht und diversen Entfremdungen und Verzerrungen. So abwechslungsreich wie die Erzählweisen eben auch das Visuelle. Ein entscheidender Grund warum „Paranoia Agent“ über die gesamte Lauflänge so interessant ist und praktisch keinen Leerlauf aufzuweisen hat.
Toll ist außerdem auf jeden Fall die musikalische Untermalung von Susumu Hirasawa, der einen perfekten Soundtrack abgeliefert hat. Allein das Opening haut mich mit seinen antreibenden Synthiklängen und seinem eingemischten Vogelgezwitscher schon um. Dazu noch die stoisch vor sich hin lachenden Charaktere in der gänzlich unpassenden Umgebung, die perfekte Einstimmung für das was danach kommt. Selbes gilt auch für das ruhige Ending, das mit seinem Bild der auf einer Wiese liegenden, ein Fragezeichen formenden, Charaktere genau das ausdrückt, was viele Zuschauer in diesem Moment wohl empfinden.
Ein weiteres Highlight auch die verschlüsselten Episodenvorschauen am Ende unter dem Begriff „Traumgeständnis“.

Ja, abschließend kann ich nur sagen das mich „Paranoia Agent“ trotz des etwas misslungenem Finales besten unterhalten hat. Satoshi Kon hat wieder mal bewiesen das er zum talentiertestem gehört was Japan derzeit im Bereich Anime zu bieten hat und das er nicht gewillt ist sich den gängigen Klischees des Genres zu beugen, egal ob Kino oder TV.
Für jeden Fan außergewöhnlicher Animes genau das richtige. Hier gibt es Futter fürs Gehirn auf hohem, aber dennoch unterhaltendem, Niveau. Dicke Empfehlung.

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 Info
Originaltitel:Mousou dairinin
Lauflänge:ca. 25 Minuten pro Episode
Episoden:13
Freigabe:FSK ab 16 Jahren
Jahr:2004
Regie:Satoshi Kon
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Sound:

 9.jpg 9/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 6543
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-493.htm