MAIN

REVIEWS

Intern



 Valid HTML 4.01 Transitional

 Valid CSS!

 [Valid RSS]

Pictures at an Exhibition
Story

Ein kleiner Rundgang durch eine Bildergalerie.

Meinung

Bilder auf einer Ausstellung... gibt es zumeist viele, ja.
An manchen geht man einfach so vorbei, mit einem lediglich flüchtigen Blick. Vor anderen bleibt man gern mal stehen, sieht sie sich genauer an und lässt seine Fantasie spielen.
Genauso macht es auch dieser Kurzfilm von Osamu Tezuka, anlässlich des 2ten Studio Mushi Festivals.
Tezuka nimmt uns, zu den Klängen der berühmten, gleichnamigen, 15teiligen Suite des russischen Komponisten Modest Petrovich Mussorgsky (die dieser zu Ehren seines toten Freundes, des Künstlers und Architekten Viktor Hartmann schrieb, nachdem er eine Ausstellung mit über 400 Bildern von und zu Ehren des Verstorbenen in St. Petersburg besuchte), mit auf einen Rundgang durch eine Ausstellung. An den meisten Bildern gehen wir einfach nur vorbei, doch bei 10 Bildern verweilen wir etwas länger und verfolgen die Gedanken Tezukas zu den Bildern.

Journalist

Es beginnt mit einem Journalisten, bzw. dem nach Tezuka schlimmsten Vertreter dieser Gattung, was uns der Körperbau schon gleich sehr nahe legt. Ein kleines hässliches blaues Männchen, mit dicken Lippen und grotesk langen Armen, die eher an einen Affen erinnern, sitzt und steht da rum und bewertet Bücher nach einem kurzen Blick, vergiftet die Gedanken seiner Mitmenschen mit seinen Worten, die von ihm eingenebelt willfährig seinen Reden Beifall zollen. Politisches und sozialkritisches erbost ihn und stößt auf Ablehnung, wohingegen Sport und schöne Mädchen seine volle Zustimmung finden. Leute die sich seiner Meinung nicht unterordnen komplimentiert er Freundschaft heuchelnd direkt an den Galgen. Vor jeglicher körperlicher Arbeit rennt er allerdings schnellstens davon.

Gärtner der künstlichen Landschaft

Eine einsame Biene schwirrt durch eine nächtliche Stadt, völlig erschöpft und auf der Suche nach etwas zu Essen und einem Schlafplatz. Doch wo sie auch hinkommt nur Beton und Stein, kein Fleckchen Natur mehr zu finden. Als sie endlich einen prächtigen Garten entdeckt glaubt sie sich schon gerettet, doch auch der entpuppt sich künstlich. Kein Nektar in den Plastikblumen, der Tau auf den Blättern ist nur aus Glas. Ja selbst das Wasser im Springbrunnen bringt keine Rettung. Und während sich die Biene vergeblich abmüht bricht der Morgen an, erste Besucher füllen den künstlichen Blumengarten und der Gärtner der künstlichen Landschaft bestäubt die Blüten mit einer frischen Ladung Parfum, für den richtigen Duft.
Ein recht klares Plädoyer für mehr Natur in den Städten und mehr Sinn für die Schönheit der Natur an sich, statt für künstliche Nachbildungen. Sonst rücken wir bald an die Stelle der Biene, die mangels echter Natur in ihrer Umgebung zu Grunde geht.

Schönheitschirurg

Schönheitschirurgen haben es echt nicht leicht. Arbeit wie am Fließband und immer neue Sonderwünsche. Da eine Schädelknochenaustauschung zur Korrektion des Gesichts, hier einmal Gesicht aufpumpen zur Faltenreduktion, was dummerweise gleich wieder zusammenfällt und noch schlimmer aussieht als vorher. Aber keine Zeit groß drüber zu trauern. Es wartet schon die nächste Patientin, deren dicke Schenkel nach einer Behandlung mit der gigantischen Spitzmaschine wieder zu zierlichen Beinchen werden. Die glatzhaarige Frau bekommt einfach das Fell ihrer Katze auf den Schädel transplantiert und die mit zu dickem Hintern selbigen einfach in die Brüste gehämmert, die können eh nicht groß genug sein.
Wenn der Doktor sich dann nach einem turbulenten Tag endlich mal zur Ruhe setzten kann, bleibt uns nicht vielmehr als in die entstellte (entmenschlichte) Fratze dieser abscheulichen Industrie zu blicken.

Fabrikbesitzer

In die Fratze einer entmenschlichten Industrie blicken wir auch beim Fabrikbesitzer, der seine Angestellten nicht mehr als Menschen, sondern nur noch als Teil seiner gigantischen Produktionsmaschine versteht. Das die sich in dieses Schicksal fügen hindert ihn aber nicht daran sie dennoch wo es nur geht gegen Roboter auszutauschen. Als dann letztendlich alles automatisiert ist, gerät auch der Besitzer selbst unter die nicht mehr zu stoppenden Mühlräder seiner Fabrik.

Beatnik

Ach diese Jungend. Diese Punks. Diese Küken.
Aufsässig und gewaltbereit. Immer auf der Suche nach Streit tänzeln sie „West Side Story“-mäßig durch die Straßen und zetteln Bandenkämpfe an, bei denen auch schon mal der ein oder andere auf der Strecke bleibt. Dabei reicht schon der Schatten eines Großen und sie verkriechen sich schneller wieder in ihren Schalen als man Beatnik sagen kann.

Boxer

In Boxer nimmt eine gerissene Ameise einen Elefanten unter Vertrag und macht ihn zum Champ aller Boxer. Während sie sich ordentlich die Kohle in die Tasche steckt, genießt der Champ die Anerkennung und den Ruhm der mit seinem Erfolg einher kommt. Er ist der Größte und er wird immer noch größer und größer. Doch wie immer kommt der Hochmut vor dem Fall und am Ende steht das aus. Manager weg, Frau weg, Geld weg, Karriere weg, und de einst so große Held schrumpft wieder auf Normalgröße, nein wird sogar kleiner als er am Anfang war. Nur der Manager bleibt der strahlende Gewinner. Er hat schon wieder den nächsten Champ unter Vertrag.

TV Talent

Hektik am Set. Große Ungeduld. Es soll gedreht werden, doch wo ist der Star?
Da kommt sie endlich angebraust, in ihrem schicken Titten-Arsch-Sportwagen. Ihre beiden Markenzeichen.
Am Set ist sie die Königin, umwuselt und umsorgt, erst die Garderobe, dann die Maske, alles muss perfekt sein. Das Team wartet derweil verzweifelt. Der Regisseur ist dem Herzinfarkt nahe. Doch dann kann es endlich losgehen. Ton, Licht, Kamera läuft, Klappe, Action und Aus. Alles im Kasten. Ein neuer Werbespot ist geboren. Nur ich Fuß ist darin zu sehen. Ein Meisterwerk.

Zen Priester

Ein Priester meditiert. Tief versunken in sein inneres und höchst konzentriert erreicht er höhere Stufen der „geistigen Einsicht“ und sein Ich verliert sich im Augenblick. Selbst Schnee, Regen, Sturm und Feuer können seine Meditation nicht stören. Aber am Ende macht ein Moment der Schwäche alles wieder zu nichte und er muss von vorn beginnen.

Soldaten

Es herrscht Krieg. Geschosssalven, Panzer, Flugzeuge, all das bildet ein bizarres Muster zur Musik. In all dem Trubel entdeckt ein Soldat eine verfallene Holzhütte. In ihr liegt eine junge Frau auf einem schäbigen Bett. Sie ist sehr geschwächt und braucht dringend etwas Wasser, doch die Feldflasche des Soldaten ist leer. Schnell macht er sich auf den Weg neues zu holen. Während er weg ist kommt ein zweiter Soldat zu der Hütte und auch er entdeckt die junge Frau und versorgt sie. Doch da kommt plötzlich der erste Soldat zurück und zwischen beiden entbrennt ein verzweifelter Kampf, der durch den Einschlag einer Bombe in der Hütte je unterbrochen und beendet wird.

Allegorische Zusammenfassung

Hier treffen wir noch einmal all die Figuren der vorangegangenen Bilder wieder, die nun alle vereint mit vielen anderen durch einen riesigen Triumphbogen hindurch ins „Himmelsreich“ marschieren. Am Ende wollen auch die muskelbepackten Figuren des Bogens selbst mit einmarschieren und verlassen ihren Platz, worauf der gesamte Bogen in sich zusammen zu stürzen droht. In letzter Sekunde können sie zurückkehren und ihn wieder halten. Weiterhin an ihren Platz gefesselt, dem Himmelsreich so nah und doch so fern.


Damit endet Tezukas Gedankenspiel, in dem er uns einen interessanten und satirischen Blick auf einige gesellschaftliche Phänomene werfen ließ. Das die meisten Episoden dabei heute wie damals funktionieren und nichts an Aktualität eingebüßt haben, zeigt nur welch Elementare Missverhältnisse Tezuka sich hier vor nahm. Zugegebener Maßen geht der dabei teilweise nicht sonderlich subtil vor und seinen Humor teile ich nicht unbedingt. Grad die Karikatur des Journalisten wirkt etwas befremdlich, wobei ich nichts gegen deren Inhalt sagen will, aber die Darstellung erinnert doch etwas an unschöne Propagandazeiten. Was aber wohl auch eine typisch deutsche Befindlichkeit sein könnte. Seine Botschaften sind jedenfalls mehr oder weniger recht klar. Einzig die allegorisch Zusammenfassung am Ende sorgt für intensives Schädelqualmen. Was soll uns dieses Bild der glücklich vereint im „Himmelsreich“ einziehenden sagen, was die hinterhergehenden Figuren, die wieder umdrehen müssen? Und was das „Höllen(???)-Orchester“?
Das Problem mit solchen Bildnissen ist nun leider immer das, das sie vielfach deutbar sind und das Ergebnis was jeder daraus zieht nicht unbedingt dem entspricht was der Schaffer einst beabsichtigte. Deshalb überlass ich es auch getrost euch, euch da euer eigenes Bild zu machen und ziehe mich damit geschickt aus der Affäre. ;P
Was die Optik angeht, so präsentiert und Tezuka einen wilden Mix. Jedes der einzelnen Episoden ist anders gestaltet und reicht vom einfachsten gekritzelten Männchen vor schlichtem weißen Hintergrund (Schönheitschirurg) bis hin zu Disney-like Figuren mit recht detaillierten Hintergründen (Gärtner der künstlichen Landschaft). Besonders interessant ist auch der Stiel von „TV Talent“, mit seinen „halbfertigen“ Figuren, die Beatnik-Küken ohne Outlines oder die sehr grafischen Figuren in „Soldaten“, mit ihren groben Schraffuren.
Die Animationen sind ebenfalls sehr wechselhaft, zwischen recht weich und äußerst sparsam, bis hin zu Standbildparade. Für die damalige Zeit aber sehr beeindruckend.
Beeindruckend ist auch das Zusammenspiel der Dialoglosen Bilder und der klassischen Musik, die die Stimmung der einzelnen Geschichten gut aufbaut und unterstützt. Ob nun das wuchtige Orchester bei „Soldaten“, die bedrohlichen Geigen beim „Journalist“, das Summen und Pfeifen bei der verzweifelten Suche der Biene, das hektische Zusammenspiel beim „TV Talent“ oder die erhabenen Bläser beim Marsch durch den Triumphbogen. Das passt alles wunderbar.
„Pictures at an Exhibition” ist ein weiterer, wunderbare Kurzfilm Tezukas, der jedem Fan von außergewöhnlichen Animes, aber auch außergewöhnlichen Filmen an sich, gefallen könnte und ein weiterer Beweis für die Kreativität dieses Vorreiters und Pioniers.
Ich kann ihn nur wärmsten empfehlen.

Screenshots

Bild 1

Bild 2

Bild 3

Bild 4

Bild 5

Bild 6

Bild 7

Bild 8

Bild 9

Bild 10

Bild 11

Bild 12

Bild 13

Bild 14

Bild 15

Bild 16

Bild 17

Bild 18

Bild 19

Bild 20

Bild 21

 Info
Originaltitel:Tenrankai no e
Lauflänge:ca. 32 Minuten
Freigabe:unbekannt
Jahr:1966
Regie:Osamu Tezuka
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Grafik:

 6.jpg 6/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 7.jpg 7/10

 Gesamt:

  7/10

Aufrufe: 4583
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-485.htm