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Dumplings - Delikate Versuchung
Story

Mrs. Lee war einst eine schöne junge Schauspielerin, doch mit den Jahren schlug auch bei ihr das Alter zu und heut kämpft sie sichtlich damit ihre jugendliche Schönheit zu erhalten. Ein nicht geringer Antrieb dazu ist auch ihr Mann, der die Finger einfach nicht von den jungen Frauen lassen kann. Die vermeintliche Rettung erscheint Mrs. Lee in Gestalt der schönen Mei und ihren besonderen Teigtaschen. Sie sind die teuersten in ganz Hongkong, aber sie sollen jedem seine Jugend zurückbringen. Um dies zu bewerkstelligen benutzt Mei eine ganz besondere Zutat, die sie eigens von einer befreundeten Schwester aus einer Klinik holt.
Früher war Mei selber Ärztin, spezialisiert auf Abtreibungen, von denen sie über 30.000 Stück vorgenommen hat. Aus dieser Zeit stammt auch noch ihr unvergleichliches Rezept, das ihren Teigtaschen die besondere Note verleiht.
Allerdings geht das ganze Mrs. Lee noch etwas zu langsam. Um das ganze zu beschleunigen muss die spezielle Zutat aber länger gereift sein und so etwas findet man schwer.
Doch wie der Zufall so will kommt just in diesen Tagen eine verzweifelte Mutter mit ihrer Tochter zu Mei. Diese wurde von ihrem Vater missbraucht und ist inzwischen schon im 5ten Monat. Genau das was Mrs. Lee braucht.
Doch mit der Jugend stellen sich auch Nebenwirkungen bei ihr ein und das auch das junge Mädchen übersteht den Eingriff nicht schadlos und verstirbt kurze Zeit später.

Meinung

Gesellschaftskritik ist doch etwas feines. Man kann sie in verschiedenen Formen vortragen, eine davon (und einer der meist gebrauchten und beliebtesten) ist wohl die Satire. Diese kann von recht harmlos, über ziemlich bissig, bis zu geradezu bösartig reichen, und „Dumplings“ dürfte wohl so ziemlich zu den bösartigsten gehören.
Fruit Chans schwer verdauliche Abrechnung mit dem Schönheitswahn entstand in zwei Versionen, einmal als Kurzfassung für den Episodenfilm Link „Three... Extremes“ (zusammen mit je einer Geschichten von Takashi Miike und Park Chan-wook), als auch als eigenständige Langfassung. In diesem Fall dreht es sich um letztere.
Fruit Chan treibt dabei den Jugendwahn der ja, auch vor allen in den asiatischen Länder, grassiert, bis ins Extrem. Dabei stehen die Teigtaschen aber im Prinzip nur symbolisch für allerlei dubiose Mittelchen, mit denen die moderne Frau, auch in unseren Breitengraden, ihre Jugend zu retten versucht. Seien es dutzendfache Cremchen und Püderchen oder hier und da ein kleines Operatiönchen. Hauptsache die Falten sind wieder für ein paar Monate zurückgedrängt. Allerdings kann man mit der Wahrheit kaum noch schocken, geschweige denn Provozieren. Also muss was tabubrechendes rann und besser hätte es Fruit Chan wohl kaum wählen können, Jungend durch das Verspeisen der Jüngsten. Wären ja eh gestorben.
Aber auch die Männerwelt kommt nicht ganz ungeschoren davon. Auch Mr. Lee ist ganz gern mal das ein oder andere halb ausgebrütete Hühnerei, zur Steigerung seiner Potenz.
Das alles wird verpackt in einen erstklassigen Ekel-Horror, der den Seher bei der ein oder anderen Szene schon mal die Luft anhalten und die Augen zusammenkneifen lässt. Grafisch eklige Szenen gibt es dabei allerdings eher selten. Das meiste spielt sich im Kopf des Zuschauers ab. Wir sehen vielleicht nicht so genau was in den Teigtaschen ist, die sich Mrs. Lee da zaghaft in den Mund schiebt, aber wir wissen es. Und das reicht aus um uns beim Anblick dieser Szene schaudern zu lassen. Ganz verzichtet der Film dann allerdings nicht auf blutige Momente und hin und wieder werden wir auch kurz mit deutlicheren Bildern konfrontiert. Meist begleitet von disharmonischen Klängen zwischen völlig schief und maschinell.
Die meiste Zeit gibt sich der Film optisch aber recht fröhlich, was zusammen mit der grausigen Geschichte eine perfide Mischung abgibt. Kräftige Farben und hell ausgeleuchtet Szenen scheinen eine heile Welt zu repräsentieren. Und selbst so manche Grausamkeit wird so schön gefilmt und teilweise fast sinnlich in Szene gesetzt das wir als Zuschauer es kaum glauben können. Hat Mrs. Lee am Anfang z.B. noch arg mit dem Verzehr der Teigtaschen zu kämpfen, so scheint sie dies schon bald wirklich zu genießen. Da kann es einem schon mal kalt den Rücken runter laufen.
Andererseits gibt Mei aber auch wirklich ein überzeugendes Argument ab. Für ihre 63 (!!!) Jahre ist sie wirklich ungemein hübsch und hat eine sehr erotische Ausstrahlung die vom Film natürlich auch immer wieder unterstrichen wird. Und auch Mrs. Lee verjüngt mit der Zeit doch deutlich und empfindet man sie zu beginn noch als eher durchschnittliche Frau, so präsentiert sie sich spätestens beim Liebesakt mit ihrem Mann als kleine Sexbombe.
Doch wie jedes andere, so fordert auch diese Mittel seinen Preis und schnell ist es vorbei mit der schönen Illusion von ewiger Jungend und auch die Geschichte spitzt sich zu, bis hin zum knallharten Ende, das dann nichts mehr von der relativen „Lockerheit“ hat, mit der uns der Film bis dahin so manche heftige Szene unterjubelt.
So wird man als Zuschauer bis zum Ende kräftig durchgeschaukelt, zwischen schönem Schein und bösem Sein und muss sich einige Attacken auf die eigene Ekelgrenze gefallen lassen. Ob der satirische Zweck dabei die Mittel des Films heiligt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Die Verpackung lässt jedenfalls nichts zu wünschen übrig.
Mit Christopher Doyle hat Fruit Chan sich einen exzellenten Kameramann ins Boot geholt, der schon große Hits wie „Hero“, „Infernal Affairs“ oder „In the Mood for Love“ mit der nötigen opulenten Optik versorgte. So wird auch „Dumplings“ mit interessanten Perspektiven, gut durchdachten Szenenkompositionen und einfach nur schönen gefilmten Bildern bereichert.
Dennoch sei der Konsum natürlich wohl überlegt. Die Thematik ist sichern nicht für jedermann geeignet und wer generell einen schwachen Magen oder ein empfindliches Gemüt hat, der mache lieber, trotzt Übehrspitzung und satirischem Unterton, einen Bogen um dieses Werk. Wer aber mit bösen Geschichten klarkommt und sich mit dieser Art Filmen anfreunden kann, der ist sicher mit dem Erwerb von „Dumplings“ gut beraten.

Screenshots

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 Info
Originaltitel:Gaudzi
Land:Hongkong
China
Jahr:2004
Regie:Fruit Chan
Medium:DVD (e-m-s)
Lauflänge:ca. 87 Minuten
Freigabe:FSK Keine Jugendfreigabe
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 8.jpg 8/10

Effekte:

 7.jpg 7/10

Sound:

 7.jpg 7/10

Story:

 8.jpg 8/10

 Gesamt:

  8/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-478.htm