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Kagemusha - Der Schatten des Kriegers
Story

Japan, Ende des 16ten Jahrhunderts.
Das Land ist zerstritten. Die drei große Fürsten Shingen Tageda, Nobunaga Oda und Ieyasu Tokugawa kämpfen um die Vormachtstellung im Land. Im Jahr 1572 hat es Shingen fast geschafft seine beiden Kontrahenten auszustechen. Er ist auf dem Weg in die Hauptstadt Kyoto, die Armeen seiner Feinde sind besiegt. Nur die Burg Ieyasus muss noch fallen. Doch der hält tapfer gegen die Belagerung stand. Jeden Abend lässt er einen Flötenspieler von seinem Turm herab spielen, um seinen Feinden zu zeigen das sein Wille noch nicht gebrochen ist. Als es Shingens Truppen endlich gelingt die Wasserversorgung der Burg abzuschneiden, will sich der persönlich davon überzeugen ob Ieyasu trotzdem seinen Flötenspieler spielen lässt. Ein leichtsinniger Fehler, denn Ieyasus Leute haben bereits neuartige Feuerwaffen und einem von ihnen gelingt es mit etwas Geschick tatsächlich Shingen im Dunkeln zu treffen und schwer zu verwunden.
Bevor erstirbt ordnet Shingen allerdings noch an, das sein Tod zum Wohl des Clans unbedingt für 3 Jahre geheimgehalten werden müsse. Zu diesem Zwecke hat sein Bruder Nobukado vor einiger Zeit bereits einen Doppelgänger für den König gefunden. Kagemusha sollte als Dieb gekreuzigt werden und stand schon auf dem Hinrichtungsplatz, als er Nobukado aufgrund seiner enormen Ähnlichkeit zu Shingen auffiel und er ihn mitnahm. Nun soll Kagemusha für die nächsten 3 Jahre als Ersatz für Shingen herhalten. Davon ist er allerdings überhaupt nicht begeistert und schon gar nicht begeistert, fügt sich aber dann und mit der Zeit findet er sogar richtig gefallen an der Rolle. Nur Shingens Generäle, sein Sohn und eine Hand voll Diener sind in dieses Geheimnis eingeweiht. Alle übrigen, sogar Shingens Enkel, halten Kagemusha tatsächlich für Shingen. Und auch seine Feinde glauben, trotz immer mal wieder aufkeimenden Zweifeln, an die Täuschung.
Shingens Sohn hingegen missfällt das ganze mit der Zeit immer mehr. Hatte er schon zu Gunsten seines Sohnes auf die Thronfolge verzichten müssen, so ist der falsche Vater doch zu viel für ihn. Immer wieder lehnt er gegen die Generäle auf und zieht am Ende sogar eigensinnig und ohne deren Zustimmung in die Schlacht. Aber selbst diese übersteht die Scharade und Shingen lebt für alle weiter. Doch kann das Schauspiel nicht ewig gut gehen und als es dann auffliegt sind die Folgen verheerend für den Tageda-Klan.

Meinung

Mit „Kagemusha“ erschuf Akira Kurosawa einen seiner letzten großen Filme und einen seiner besten.
Die Geschichte rund um die beiden gleich aussehenden Männer, einer der große Herrscher, der anderen einer aus der untersten Schicht (erinnert sofort an „Der Prinz und der Bettelknabe“ oder auch „Der Mann mit der eisernen Maske“), klingt auf den ersten Blick recht simpel, doch steckt mehr dahinter als es beim ersten flüchtigen drüberlesen den Anschein hat. Dahinter steckt mehr als das was offenkundig erzählt wird. Kagemushas neue Rolle ist auch eine kleine Persiflage an das „große Gebärden“ der Herrscher. Die schönste Szene ist da die, als Shingens Hofstadt Kagemusha ermahnt er solle sich nicht so grobklotzig benehmen, der alte Fürst hätte das nie getan und Kagemusha daraufhin mit den Worten „so besser“ eine staatsmännische Pose einnimmt die den versammelten Untertanen die Tränen ins Gesicht treibt vor Erfurcht und trauriger Erinnerung an ihren verstorbenen Herren. Aber auch sonst fügt sich der kleine nichtswürdige Dieb Kagemusha erstaunlich leicht in die Rolle des großen Staatsmannes und kann sich selbst aus heiklen Situationen gewandt herausmanövrieren. Ist er nun unter seiner rauen, zerlumpten Schale doch ein wahrer Fürst im Geiste oder das Fürstenamt doch einfach so anspruchsarm das selbst jemand wie Kagemusha es ausfüllen kann?
Zumindest am Ende sagt uns der Film das ersteres zutrifft, aber trotzdem hat die Frage dennoch bestand.
Dabei dürften die Handlungsweisen so mancher Charaktere für das westliche Publikum, das keinen Zugang hat zu Ehrenkodexen und komplizierten Verpflichtungssystemen der alten japanischen Gesellschaft dieser Zeit, etwas schwer nachzuvollziehen sein. Warum sich Kagemusha auf einmal doch voller Eifer auf die Rolle des Schattenfürsten stürzt und warum die Generäle am Ende, wider besseren Wissen voller Zuversicht in den Tod reiten. Dieses ganze Geflecht aus bedingungslosem Gehorsam, Schutz der Ehre, und so weiter wird von Kurosawa, dem man in seiner Heimat hin und wieder eine allzu westliche Inszenierung seiner Werke vorwarf, allerdings so verständlich wie möglich rübergebracht. So gibt es für den westlichen Zuschauer z.B. die Möglichkeit Kagemushas Verhalten am Ende damit zu erklären, dass er so an „seinem“ Enkel hing. Das ist sicher besser nachvollziehbar als das er das für einen seit 3 Jahren toten Fürsten tut.
Überhaupt ist Kagemusha der geniale Charakter schlecht hin in diesem Film, mit dem wir uns identifizieren können. Eigentlich ist er ein Niemand. Ein kleiner Dieb, der sogar hingerichtet werden sollte und dann, plötzlich, durch einen Zufall kommt er ganz nach oben. An die Spitze der Macht. Auch wenn er sie nie wirklich in den Händen hat, aber er darf wenigstens so tun als ob. Und das macht er sogar richtig gut. Und wenn er das kann, könnten wir das doch auch, oder? Du und ich, wir bräuchten nur die Chance dazu. Lediglich die zeitliche Begrenzung wirft von Anfang an einen dunklen Schatten auf dieses scheinbar tolle Leben. Man hat all den Ruhm, den Luxus, die Liebe des Volkes und braucht eigentlich nichts zu tun außer seine Rolle zu spielen. Die Verantwortung tragen ja weiter andere. Vielleicht auf die Dauer etwas unbefriedigend, aber man kann sich ja wie Kagemusha langsam vor tasten und als er in der Schlacht plötzlich von allein den Truppen befiehlt sich nicht von der Stelle zu rühren schauen ihn zwar alle erst einmal etwas entgeistert an, aber wiedersprechen kann ihm keiner.
Um so deprimierender ist es, wenn das ganze schöne Kartenhaus dann durch eine törichte Dummheit zusammenbricht. Selbstüberschätzung zerstört am Ende die Illusion und macht das schöne Leben zu nichte und in einer bedrückenden Szene muss Kagemusha „seinen“ Palast verlassen. Doch sich davon zu trennen gelingt ihm nicht. Viel zu groß ist inzwischen die Verbindung zwischen ihm und diesem Leben als Herrscher. Er sieht sich dem alten Fürsten und „seiner“ Familie gegenüber in der Pflicht. Um so schmerzhafter dann das grausame Ende.
All das bringt Kurosawa mit der ihm eigenen Genialität auf die Leinwand. Kleidet die mitreißende Geschichte und wunderschöne Bilder und scheut dafür weder Kosten noch Mühen. Das geht sogar soweit das, als Toho das Geld ausgeht, George Lucas und Francis Ford Coppola sich bei 20th Century Fox in die Bresche schmeißen und sie davon überzeugen im Austausch für die weltweiten Vermarktungsrechte Kurosawa das restliche Budget für die Fertigstellung des Films zu stellen.
Und Kurosawa fährt auf was er braucht um dem Film den nötigen opulenten Look zu geben. Massen von Statisten, Pferden, Kostümen. Kein Aufwand wird gescheut und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Schlachtszenen sind vielleicht für die heutigen Verhältnisse, wo Millionen Computermännlein gegeneinander in die Schlacht ziehen, vielleicht nicht mehr sooo spektakulär, aber für die damaligen Verhältnisse waren sie grandios.
Aber natürlich verlässt sich Kurosawa nicht nur auf eine üppige Materialschlacht. Das würde auch nichts bringen, wenn das ganze nicht toll gefilmt wäre. Und hier liegt die stärke dieses Ausnahmeregisseurs. Das fängt schon mit der ersten Szene an, in der ein Bote durch die schlafenden Soldaten eilt. Immer weiter und weiter, über immer neue Soldaten. Rasant rennt er durch die Massen, während die Musik immer weiter anschwillt und die Spannung nach oben treibt, bis er endlich mit einem Schlag an seinem Ziel ankommt. Einfach toll gemacht. Und solche Momente gibt es den ganzen film hindurch. Ob nun der Garten im Palast, die vor der untergehenden Sonne marschierenden Truppen, die an Kwaidan erinnernde Traumsequenz Kagemushas, die tollen Sets (besonders die Burg), den Nachthimmel in der Schlacht, den Regenbogen, und so weiter. Das soll mal an aufgezählten Szenen reichen.
Eine weiteren Beitrag leistet natürlich auch noch die gut eingesetzte Musik. Als Beispiel wäre da gleich wieder der Bote vom Anfang, aber auch sonst passt sie perfekt zu den Bildern und sorgt für die Richtige Stimmung und Athmosphäre. Besonders toll sind z.B. auch die Schwenks über das Schlachtfeld am Ende. Ein gutes Beispiel wie gut Bilder und Musik in dem Film zusammenarbeiten.
Natürlich gibt’s auch ein paar Punkte die man bemängeln kann.
Einer der oft genannt wird wäre das der Film zu lang ist. Den kann ich aber überhaupt nicht zustimmen. Bei mir ist nie Langweile aufgekommen und auch Längen hatte der Film für mich keine.
Sehr wohl negativ aufgefallen ist die teilweise zu starke Maske. Grad bei gebrochenen, schon leicht wahnsinnigen Leuten neigt Kurosawa dazu es etwas zu übertreiben. Die sehen meist so schlimm aus das man sie fast schon für wandelnde Tote halten könnte. Bleiches Gesicht und dicke Rote Augen. Das Ginge wohl auch etwas subtiler und die Leute würde es trotzdem verstehen.
Nichts desto trotz ist „Kagemusha“ ein erstklassiger Film der ein weiteres mal unterstreicht das Kurosawa einer der besten Regisseure mit den besten Filmen ist. Jedem Freund von guten Filmen (und jedem Fan von Samuraigeschichte sowieso) kann ich Kagemusha nur wärmstens ans Herz legen. Nicht ganz so gut wie Link „Ran“ aber immer noch top.

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 Info
Originaltitel:Kagemusha
Land:Japan
Jahr:1980
Regie:Akira Kurosawa
Medium:DVD (20th Century Fox)
Lauflänge:ca. 152 Minuten
Freigabe:FSK ab 12 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

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Effekte:

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Sound:

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Story:

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 Gesamt:

  9/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
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