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Im Reich der Leidenschaft
Story

Der Rikschafahrer Gisaburo und seine Frau Seki leben gemeinsam mit ihrem kleinen Sohn in einem einfachen Haus irgendwo in einem Dorf in Japan. Ihre Tochter arbeitet indes in Tokyo. Eigentlich eine harmonische Familie. Doch Gisaburo ist etwas besorgt um seine Frau. Trotz ihres Alters ist sie immer noch sehr schön und neuerdings treibt sich mit Vorliebe der junge Soldat Toyoji in seinem Haus herum. Natürlich immer dann wenn er grade auf Arbeit ist. Seki tut die Sorgen ihres Mannes zwar leichtfertig als unbegründet ab, aber wie sich zeigt hat er damit nicht unrecht. Toyoji ist tatsächlich an Seki interessiert und als die beiden mal wieder allein sind, fällt er über die schöne Frau her. Die versucht zwar erst noch sich zu wehren, gibt sich dann aber doch bereitwillig dem jungen Mann hin.
Doch eine einfache Affäre reicht Toyoji nicht. Er will Seki ganz für sich und so beschließt er ihren Mann umzubringen und treibt sie dazu sich ihm dabei anzuschließen. So nutzen sie die nächst beste Gelegenheit und setzen ihren Plan in die Tat um. Seki macht ihren Mann betrunken und dann erwürgen sie ihn gemeinsam. Seine Leiche werfen sie in einen alten Brunnen, den anderen erzählen sie Sekis Mann wäre in Tokyo um dort zu arbeiten.
So gehen die Jahre ins Land und Gisaburo gerät immer mehr in Vergessenheit. Doch eben nicht ganz.
Seltsame Dinge beginnen sich in Sekis Umgebung zu ereignen. Leute mit denen sie zu tun hat träumen plötzlich von ihrem toten Mann, Dinge im Haus bewegen sich scheinbar von allein und dann, eines Nachts erscheint ihr sogar sein Geist. Und auch Toyoji bleibt nicht verschont. Irgendwie zieht es ihn immer wieder wie magisch zu dem Brunnen hin in dem sie Gisaburos Leichnam entsorgt haben. Dennoch appelliert er an Seki die Maskerade weiter aufrecht zu erhalten und so zu tun als wäre nichts geschehen. Doch das wird immer schwieriger, denn zu allem Überfluss interessiert sich inzwischen auch die Polizei für das Verschwinden des Rikschafahrers und der zuständige Inspektor Hotta ist ziemlich hartnäckig.
So schreitet die Zeit voran und Seki findet einfach keinen Frieden.
Im Dorf beginnen immer mehr Gerüchte die Runde zu machen, ihre Tochter wendet sich ab von ihr und auch der Inspektor gibt nicht auf. Toyoji hat derweil auch mehr damit zu tun sich darum zu kümmern das er heil aus der Sache rauskommt, als sich um sie zu kümmern.
So werden beide immer weiter in den Strudel der Ereignisse, den ihre Tat auslöste, gerissen, und während Seki sich langsam nur noch wünscht zu sterben um dem allen zu entkommen, mordet Toyoji weiter um das Verbrechen zu vertuschen.

Meinung

„Im Reich der Leidenschaft“, der Titel kommt dem ein oder anderen vielleicht noch bekannt vor. In der Tat stammt auch dieser Film von Nagisa Oshima, dem Regisseur von Link „Im Reich der Sinne“ und muss sich dementsprechend mit seinem Vorgänger vergleichen lassen.
Es gibt auch in der Tat einige weitere Parallelen. Wieder hat Tatsuya Fuji die Rolle der männlichen Hauptrolle übernommen und wieder geht es um eine verhängnisvolle Beziehung.
Abseits dieser Punkt haben die Filme aber herzlich wenig mit einander gemein. Erzählte ersterer noch eine recht nüchterne und realistische Geschichte die auf wahren Ereignissen beruhte, so ist „Im Reich der Leidenschaft“ durch und durch phantastisch.
Dabei dürfte das ganze für westliche Zuschauer eventuell sogar etwas schwer zu verstehen sein, wieso die Akteure auf die Weise mit dem Geist umgehen wie sie es tun. Aber Geister haben in Japan einfach eine teilweise andere, etwas „natürlichere“ Bedeutung als bei uns. So ist auch der Umgang mit dem Geist „natürlicher“ und damit für westliche Seher vielleicht etwas befremdlich, wenn sich die Akteure normal mit ihm Unterhalten.
Ansonsten ist die Geschichte recht klar und einfach strukturiert und deswegen auch viel besser verdaubar als die psychologisch zurechtgefeilte Geschichte von „Im Reich der Sinne“.
Im Großen und Ganzen gefällt sie mir sogar besser als die Geschichte von IrdS. Auch wenn sie zugegebener maßen nicht gerade innovativ ist, so ist sie doch gut erzählt und vor allem spannend. Zudem wird diesmal komplett auf irgendwelche Tabubrüche verzichtet und Sexszenen gibt es nur wenige. Die Schwerpunkte der Beziehung liegen diesmal eher darauf mit den Konsequenzen des Mordes, der schon Recht früh im Film geschieht, fertig zu werden und dableibt wenig Zeit für Zweisamkeit. Etwas widersprüchlich ist dabei allerdings der Charakter des Toyoji, der Anfangs wie das typische Arschloch aussieht und nach dem Mord eher Abstand zu Seki sucht, die im genauen Gegensatz dazu, sich nach dem Mord immer mehr nach seiner Nähe sehnt. Später im Film erfährt dies aber einen, für mich nicht ganz nachvollziehbaren, Wandel und Toyoji findet plötzlich zu ihr zurück und am bitteren Ende sind sie dann doch noch beide „in Glück vereint“.
Na ja, wie schon mal gesagt – die Geschichte ist halt doch um einiges einfacher gestrickt.
Dafür entfernte man sich diesmal aber auch im filmerischen von der nüchternen Sachlichkeit, die iRdS zeigte. So wie die Geschichte phantastischer wurde, hat man sich auch bei den Bildern mehr künstlerische Freiheit genommen und einige wirklich interessante Szenen dabei erschaffen. Da wäre zum Beispiel die Rikschafahrt von Seki mit dem Geist von ihrem Mann, bei der Mann teilweise wirklich nicht mehr weiß ob sie denn überhaupt noch über die Erde fahren oder nicht schon längst durch himmlische Höhen. Auch die immer wieder auftauchende Szene am Brunnen hat mir gut gefallen. Und auch so gibt es immer wieder tolle Bilder zu sehen.
Dafür wurde „Im Reich der Leidenschaft“ dann auch der Preis für die beste Regie auf den 31. Filmfestspielen in Cannes verliehen.
Im direkten Vergleich hat Oshima mit „Im Reich der Leidenschaft“ den besseren Film abgeliefert, auch wenn er weniger anspruchsvoll als iRdS ist und keine Tabus bricht.
Der Film ist vielleicht leichterer Stoff (nicht leichter!!!) und nicht so ausgefeilt, dafür aber besser inszeniert und bereitet mir einfach mehr Vergnügen beim sehen.

Screenshots

Bild 1

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Bild 8

 Info
Originaltitel:Ai no borei
Land:Japan
Jahr:1978
Regie:Nagisa Oshima
Medium:DVD (Concorde)
Lauflänge:ca. 100 Minuten
Freigabe:FSK ab 16 Jahren
Online-Filmdatenbank:OFDb

 Bewertung

Optik:

 8.jpg 8/10

Effekte:

 8.jpg 8/10

Sound:

 8.jpg 8/10

Story:

 8.jpg 8/10

 Gesamt:

  8/10

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Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-418.htm