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Onward Towards Our Noble Deaths
Story

Ende 1943, eine kleine Insel im Pazifik.
Nach anfänglichen Erfolgen ist der Eroberungsfeldzug der japanischen Armee nicht nur zum Erliegen gekommen, ihre Front beginnt auch mehr und mehr unter der Übermacht der alliierten Truppen zusammen zu brechen.
Auf der kleinen Insel Kokopo hält eines von vielen verstreuten japanischen Regimentern die Stellung, doch die Versorgungslage ist schlecht und die Soldaten leiden unter den schlechten Bedingungen und den ständigen Übergriffen ihrer vorgesetzten Offiziere.

Als es schließlich tatsächlich zur Landung amerikanischer Truppen auf der Insel kommt sind sie chancenlos, sollen aber gemäß der vom Oberkommando herausgegeben Maxime den Gegner in einem letzten, sinnlosen Banzai-Selbstmordangriff attackieren, der auch gleich voll Stolz ans Oberkommando gemeldet wird.

Nur, nicht alle Soldaten wollen ihr Leben so sinnlos wegschmeißen und so kommt es das sich schließlich über 80 Überlebende in einer nahegelegenen Stellung einfinden und damit bei ihren Vorgesetzten für Aufruhr sorgen.

Schließlich wurde ihre tapfere Aufopferung fürs Vaterland schon überall publik gemacht und Überlebende passen nicht ins propagierte Bild vom bis zum Tod kämpfenden japanischen Soldaten.

Meinung

Mit „Onward Towards Our Noble Deaths“ erzählt Shigeru Mizuki in einer fiktionalen Geschichte seine realen Erinnerungen an die Schrecken des Pazifik Krieges, den er als junger Mann in der japanischen Armee miterlebte und in dem er nicht nur viele Freunde, sondern auch seinen linken Arm verlor.
90% Fakten, 10% Fiktion beschreibt Mizuki selbst dabei die Verhältnisse in seiner Geschichte und macht damit deutlich das die in ihr beschriebenen Verhältnisse kaum übertrieben, sondern traurige Realität sind.
Über 25 Jahre hat er dabei gebraucht, bis er sich überwinden konnte über seine Erinnerungen an diese schreckliche Zeit zu schreiben und erst nach dem er noch einmal den Ort besuchte an dem er damals stationiert war und nach dem er sich dem Thema Krieg schon über eine Manga-Biografie über Adolf Hitler genähert hatte, fand er schließlich Kraft und Willen seinen Wunsch nach bleibendem Zeugnis der damaligen Verhältnisse in die Tat umzusetzen.
In seiner Heimat war er indes schon ein sehr beliebter Mangaka und bekannt als ausgewiesener Spezialist für die japanische Geister- und Dämonenwelt, die bis heute sein Lebensthema werden sollte. Neben zahllosen Geschichten (u. a. Gegege no Kitaro um eine der beliebtesten zu nennen) schrieb er auch Fachbücher, hält Vorträge und bereist und forscht sogar in vielen Ländern rund um die Erde.

Doch immer fand er auch zum Thema des Pazifikkrieges zurück und „Onward Towards Our Noble Deaths“ ist dabei seine größtes Werk in diesem Bereich. Hier erzählt er von all dem was er als junger Soldat an Irrsinn erlebt hat.
Von Vorgesetzten Offizieren die regelmäßig ihre jungen Schützlinge verprügelten, oder wie er es so schön zitiert: „Ein Soldat ist wie eine Tatami-Matte, je mehr man sie durchklopft umso besser wird sie!“ Einer der Lieblingssprüche seines kommandierenden Offiziers.
Aber er erzählt auch von Krankheiten, Feldbordellen, Kammeraden die im Fluss ertranken oder von Krokodilen gefressen wurden. Er erzählt von Hunger und ständiger Unterversorgung, von Arbeitsunfällen beim Lageraufbau und von plötzlichen Luftangriffen.

Das alles erzählt er ohne großen Pathos oder Moralkeule, sondern sogar eher mit einem humorigen Unterton, der vor allem durch den sehr comichaften Zeichenstil der Figuren verstärkt wird und einen klaren Kontrast zum eher realistisch gehaltenen Stil der Hintergründe steht.
Mizuki klingt nicht wie ein verbitterter Überlebender der nun unbarmherzig anklagt, sondern eher wie ein leicht zynischer Großvater, der die riesige, noch immer unverdaute Wut über das was damals geschehen ist hinter leichtem Spott versteckt.
Und er sagt damit auch zwischen den Zeilen etwas aus.
Die oft geradezu beiläufige Art in der er vom Tod der einen oder anderen Figur erzählt spiegelt nur die unmenschliche Mathematik des Krieges. Hier ein Soldat weniger, da einer weniger - alles nur Nummern und Statistiken im großen Kampf der Mächte. Ein starkes Symbol, selbst wenn nur eingebildet, ist wichtiger als ein paar dutzend Menschenleben. Und für das Vaterland zu sterben ist sowieso das aller größte, völlig egal wie sinnlos und unbedeutend dieser Tod auch sein mag.
Womit wir dann auch schon direkt beim tragischen Finale der Geschichte sind.

Hier kanalisiert sich völlig übersteigerte Nationalismus, rücksichtlose Geltungssucht der obersten Heeresleitung und Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit gegenüber dem überlegenen Gegner dann schließlich im irrwitzigen Höhepunkt des Soldatenlebens, dem sinnlosen Tod, vor dem es am Ende kein Entrinnen gibt.

Die letzten paar Seiten des Manga sind dann nur noch Leichen über Leichen die die Panels füllen, solang bis schließlich schon nur mehr Gerippe übrig sind. Danach folgt nur noch tiefe, schwarze Leere.

So beendet Mizuki seine Erinnerungen, die bis dahin zwar sehr interessant, aber auch sehr konventionell erzählt wurden, auch rein visuell mit einer sehr starken Szene, die einem schon an die Substanz gehen kann. Aber das ist nun mal so bei guten (Anti-)Kriegsgeschichten, sie schaffen es wenigstens für einen kurzen Moment einem eine leise Ahnung davon zu verschaffen was „Schrecken des Krieges“ wirklich bedeuten könnte.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:Drawn & Quarterly
Zeichnung & Story:Shigeru Mizuki
Jahr:1973

 Bewertung

Grafik:

 7.jpg 7/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 3594
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-1049.htm