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AX - Alternative Manga
Story

Osamu Kanno - The Watcher
Yoshihiro Tatsumi - Loves Bride
Imiri Sakabashira - Conch of the sky
Takao Kawasaki - Rooftop Elegy
Ayuko Akiyama - Inside the Gourd
Shigehiro Okada - Me
Katsuo Kawai - Push Pin Woman
Nishioka Brosis - A broken Soul
Takato Yamamoto - Into Darkness
Toranosuke Shimada - Enrique Kobayashis Eldorado
Yuka Goto - The Neighbor
Mimiyo Tomozawa - 300 Years
Takashi Nemoto - Black Sushi Party Piece
Yusaku Hanakuma - Puppy Love
Namie Fujieda - The brilliant Ones
Mitsuhiko Yoshida - The Hare and the Tortoise
Kotobuki Shiriagari - The Twin Adults
Shinbo Minami - Haiku Manga
Shinya Komatsu - Mushroom Garden
Einosuke - Home Drama: The Suguwara Family
Yuichi Kiriyama - A Well-dressed Corpse
Saito Yunosuke - Arizona Sizzler
Akino Kondo - The rainy Day Blouse & The first Umbrella
Tomohiro Koizumi - Stand by me
Shin’ichi Abe - My old man & me
Seiko Erisawa - Up and over
Shigeyuki Fukumitsu - The Song of Mr. H
Kataoka Toyo - Kataoka Toyo Pathos Theater
Hideyasu Moto - Kosuke Okada and his 50 Sons
Keizo Miyanishi - Les Raskolnikov
Hiroji Tani - Alraune Fatale
Otoya Mitsuhashi - Sacred Light
Kazuichi Hanawa - Six Paths of Wealth

Meinung

„AX - Alternative Manga“ ist ein Sammelband von 33 Manga-Kurzgeschichten aus dem japanischen Underground Magazin AX.
AX ist der quasi Nachfolger des legendären Magazins „Garo“, das in den 60er Jahren mit dem Aufblühen der Gekiga (Mangas für Erwachsene) gegründet wurde und seit dem Flaggschiff der alternativen Mangaszene war. Als sein Gründer 1996 starb wurde Garo nur noch sehr unregelmäßig veröffentlicht, worauf viele Stamm-Zeichner und Mitarbeiter 1998 zum frisch gegründeten AX wechselten und Garo schließlich ganz eingestellt wurde.
In Zusammenarbeit mit dem langjährigen Garo- und AX-Mitarbeiter Mitsuhiro Asakawa hat der englischstämmige Comicautor Sean Michael Wilson (Link Yakuza Moon) für diesen Band nun also 33 repräsentative Geschichten aus 10 Jahren AX ausgewählt.
Darunter befinden sich so bekannte Gekiga-Urgesteine wie Yoshihiro Tatsumi (Link A Drifting Life), Otoya Mitsuhashi oder Mitsuhiko Yoshida, aber auch jede Menge junge Autoren die erst in den letzten 10 Jahren ihre Karrieren begonnen haben.
Am faszinierendsten bei dieser Sammlung ist sicher das breite Spektrum, sowohl an Zeichen- als auch an Erzählstilen, die von einfach, klar, verständlich bis zu völlig surreal, grotesk und albern reichen.
Man hat offensichtlich viel Wert darauf gelegt wirklich eine breite Übersicht über die vielen Facetten japanischer Avantgarde und Underground Comickunst zu liefern.

Zu den eher leicht erfassbaren Geschichten gehören z. B. Tatsumis „Loves Bride“, in dem ein Mann, nach dem ihn seine Freundin betrogen und verlassen hat, einen Affen aus einem Zoo stielt.
Wie üblich liegt das Grauen bei Tatsumi unter der Oberfläche, in der Psyche seiner Figuren, im äffischen Benehmen eines verletzten Mannes der mit seiner Freundin auch seine menschliche Identität zu verlieren scheint.
Ähnlich klar und „nachvollziehbar“ lesen sich auch die Geschichten von Mitsuhiko Yoshida und Akino Kondo. Ersterer lässt in seiner die alte Fabel vom Hasen und der Schildkröte wieder aufleben, in dem er den Ururenkel des Hasen einen Revanche-Wettlauf mit dem Ururenkel der Schildkröte abhalten lässt. Kondo wiederum lässt ihr japanisches Durchschnittsmädchen in ganz alltäglichen Situationen das außergewöhnliche erkennen. Da wird eine neu gekaufte Bluse zu Regenbluse, weil es immer wenn sie sie trägt regnet, oder ein neu gekaufter Schirm weckt peinliche Kindheitserinnerungen.
Hier herrscht ein ruhiger, im letzteren sogar irgendwie melancholischer, aber durch und durch angenehmer Ton vor.

Zu den etwas ruppigeren Geschichten zählen hingegen die Beiträge von Takao Kawasaki oder Yuichi Kiriyama.
Der eine inszeniert eine vertrackte Mordszene auf einem Hochhausdach mit überraschendem Ende, während der andere einfach nur an einer Kette brutaler Ereignisse die grausame Seite der japanischen Gegenwartskultur aufzeigt.

Wer es da lieber etwas verzauberter hat der findet schöne Geschichten in Ayuko Akiyamas „Inside the Gourd“, wo ein Mann dank einer gefangenen Raupe seine Traumfrau findet, oder in den witzigen, philosophischen Diskussionen der beiden „Twin Adults“ von Kotobuki Shiriagari, die sich auch schon mal den Finger in den Po stecken um ihre Existenz zu beweisen, oder in den anrührenden Gedanken des mutterlosen Jungen und seines Vaters in Shinbo Minamis „Haiku Manga“.

Interessant auch die Geschichte des Motrrads „Eldorado NRA“, die Toranosuke Shimada in „Enrique Kobayashis Eldorado“ erzählt und die enthüllt was das einstmals schnellste Motorrad der Welt mit geflüchteten Naziverbrechern zu tun hat.
Oder wie ein neugieriger Junge in Shinya Komatsu „Mushroom Garden“ seine Heimatstadt in den titelgebenden Pilzgarten verwandelt.

Die Zeichnungen schwanken bei all diesen Geschichten zwischen niedlich und knuffig, über etwas ausgefallen und grob, bis hin zum sauberen und realistisch-nüchternen Stil.

Aber es gibt natürlich auch noch die andere Seite, die wilde und unkontrollierbare.
Zumindest fürs Auge recht leicht verdaulich laufen da noch „Into Darkness“ von Takato Yamamoto oder „Les Raskolnikov“ von Keizo Miyanishi auf, die zwar inhaltlich schon sehr in surrealistische Gefilde entfleucht sind, aber zumindest optisch ordentlich was her machen.
Schwerer fällt es mir dann schon mit den vielen Geschichten aus dem Bereich „heta-uma“, was übersetzt so viel wie „schlecht gut“ bedeutet und für eine Zeichenrichtung geht die sich ca. um 1980 in Garo etablierte und bei der das bewusst „hässliche“ zeichnen als Stilmittel zusammen mit durchgedrehten Geschichten und derben Humor als endgültiges Anti zum Mainstream-Manga steht.
Zum Teil beschränkt sich das Ganze lediglich auf einen extrem reduzierten Zeichenstil, wie in der schönen Geschichte von der „Push Pin Woman“ von Katsuo Kawai, in der eine schmerzhafte Trennung, ja quasi bildlich gemacht wird. Oder in dem trotzigen „The Neighbor” von Yuka Goto, in der sich eine junge Frau gegen eine fiese Nachbarin zur Wehr setzt.
Völlig grotesk wird es hingegen z.B. in Imiri Sakabashiras (Link The Box Man) „Conch of the sky“, einem Fieberalptraum aus riesigen Tintenfischen die in Futons krabbeln und einem genialen „Ssssssuck - Klick“ - Intro. Oder Takashi Nemotos „Black Sushi Party Piece“, wo Figuren wie gekrakelt aussehen, völlig deformiert mit Köpfen die in weiblichen Geschlechtsorganen stecken und jeder Menge Penissen, die überall am Körper aus jeder noch so kleinen Öffnung hervorquellen. Hier wird wirklich der ganz große Hammer des gewollt widerlichen geschwungen, nicht nur vom Inhalt sondern eben auch von der Optik her.

Und das ist wie gesagt jetzt nur eine Auswahl aus den insgesamt 33 Kurzgeschichten die hier in einem dicken Sammelband vereinigt sind und die einem sicherlich nicht alle gefallen werden, selbst wenn man einen großen Faible für den japanischen Undergroundcomic hat, aber die wohl die bisher beste Übersicht über eben jenen abliefern die es außerhalb von Japan zu bekommen gibt.
Für jeden der sehen und erleben will was Manga über die kommerziellen Größen hinaus zu leisten im Stande sind, ist „AX - Alternative Manga“ deshalb ein Pflichtkauf.

Cover

Bild 1

 Info
Verlag:top shelf
Zeichnung & Story:Mitsuhiro Asakawa, Sean Michael Wilson, Osamu Kanno, Yoshihiro Tatsumi, Imiri Sakabashira, Takao Kawasaki, Ayuko Akiyama, Shigehiro Okada, Katsuo Kawai, Nishioka Brosis, Takato Yamamoto, Toranosuke Shimada, Yuka Goto, Mimiyo Tomozawa, Takashi Nemoto, Yusaku Hanakuma, Namie Fujieda, Mitsuhiko Yoshida, Kotobuki Shiriagari, Shinbo Minami, Shinya Komatsu, Einosuke, Yuichi Kiriyama, Saito Yunosuke, Akino Kondo, Tomohiro Koizumi, Shin’ichi Abe, Seiko Erisawa, Shigeyuki Fukumitsu, Kataoka Toyo, Hideyasu Moto, Keizo Miyanishi, Hiroji Tani, Otoya Mitsuhashi, Kazuichi Hanawa
Jahr:2010

 Bewertung

Grafik:

 8.jpg 8/10

Story:

 9.jpg 9/10

 Gesamt:

  9/10

Aufrufe: 4176
Review by Df3nZ187 (© by Anime-Ronin.de)
Review verlinken: http://www.anime-ronin.de/review-1005.htm