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Das Review – Der Kritiker

So, kleines Vorwort. ^^’ Eigentlich entstand der nun folgende Artikel mal als eine art do und dont do für Hobbykritiker, entwickelte sich dann aber langsam zu einer Ansammlung von Dingen die mir im Verlauf meiner Zeit als Hobbyschreiberling so aufgefallen sind. Da das ganze dadurch einen leicht chaotischen Charakter bekam und als Leitfaden wohl nur noch beschränkt zu gebrauchen ist, habe ich mich nun dazu entschieden das ganze als „growing article“ so auf die Seite zu stellen. Er wird also immer mal wieder ein Stück weiter wachsen, wenn mir neue Sachen auffallen die ich dann hier mit einfüge. Ich bin mir durchaus bewusst das der Artikel damit auch jedes Mal zu einem größeren Haufen zusammengeklatschtes Geschreibsel wird, aber warum soll es der Leser denn immer so viel leichter haben als der Schreiber. :P Also viel Spaß mit der Wulst. ;)

Die Kritik

Die Kritik. Die Rezension. Die Besprechung.
Was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen?
Sehen wir doch mal ins Lexikon: „eine kritische Bewertung von kulturellen oder wissenschaftlichen Schöpfungen wie Büchern, Filmen, Kunstwerken oder Konzerten“ Hmm, das haben wohl die meisten auch so schon gewusst. Vielleicht nicht so schön zusammengefasst in einem Satz, aber die Bedeutung war geläufig. Was macht aber nun eine gute Review aus?
Gibt es nicht irgendwo ein paar Richtlinien, an die ich mich als angehender Hobby-Kritiker halten kann?
Erste Anlaufstelle wäre wohl am besten mal der gute alte Deutschunterricht an der Schule, was aber wenn man diese schon hinter sich hat? Ich weiß von mir selbst das ich oft vergeblich nach einer „Anleitung zum guten Review“ gesucht habe. Als einer dieser vielen, mit Selbstzweifeln behafteten, Hobbyschreiberlingen, immer auf der Hut davor sich mit der eignen dargebotenen Einschätzung gnadenlos zu blamieren, verlässt einen schon einmal der Mut wenn man auf die Kritiken der „anderen“, „größeren“ Autoren stößt, die einem soooo viel besser, genauer, ja quasi weiser vorkommen als die eigene verzapfte Unzulänglichkeit.
Dabei sind wir hier schon bei einem der ersten Punkte zur Verbesserung: Lerne von den Anderen.
Und das soll jetzt nicht heißen das man ja bloß immer die Meinung der anderen nachschreiben soll. Nein, dann habt ihr das falsche adaptiert. Worauf ihr achten sollt sind Dinge wie zum Beispiel der Ausdruck. Wie schreibt denn der, dessen Reviews euch selbst so gut gefallen? Eher locker und umgangsprachlich oder eher sehr fachsimplerisch und schwelgend in kompliziert klingenden Fremdwörtern. Auch sollte man sich mal ansehen über was er denn so schreibt. Welche Aspekte des Films beleuchtet er denn im besonderen? Geht er vielleicht hauptsächlich nur auf die Wirkung des Films als ganzes ein oder bespricht er einzelne Szenen auch gern mal im Detail. Analysiert warum der Film gerade diese oder jene Wirkung auf den Zuschauer hat, welche technischen oder filmischen Kniffe dahinter steckten. Vielleicht der Einsatz eines Farbfilters um die Stimmung aufzuhellen, besondere Musik die eine beklemmende Atmosphäre erzeugt oder eine besondere Weitwinkel-Einstellung die dafür sorgt das sich die Figur im riesigen gezeigten Bild fast verliert.
Solche Dinge sind einem selbst noch gar nicht aufgefallen, bzw. hat man überhaupt noch gar nicht daran gedacht mal auf so etwas zu achten. Dabei ist es doch gerade das was den Film ausmacht.
Und um so mehr andere Filmkritiken man ließt auf um so mehr solche Dinge wird man stoßen. Verschieden Betrachtungs- und Herangehensweisen, von denen man das was einem gefällt für sich selbst übernehmen kann. Dabei sollte man allerdings natürlich auch immer sein Zielpublikum im Auge haben. Wer soll denn die eigenen Reviews später mal lesen?
Der durchschnittliche 0815 Konsument wird sich wenig für spezielle Schnitttechniken oder verzwickt ausgetüftelt und arrangierte Szenenbilder interessieren. Solche Dinge sind wohl eher etwas für den Cinemaniac und/oder selbst Filmschaffenden. Den Standartzuschauer interessiert im Großen und Ganzen nur der Film als ganzes und seine Wirkung. Hat man Spaß an dem Film oder nicht. Und Spaß heißt hier nicht das der Film komisch ist, sondern das man am Ende das Gefühl hat es hat sich gelohnt.
So kann man ein wunderbares Review schreiben, ohne auch nur auf einen einzelnen Aspekt des Films eingegangen zu sein, nur indem man schildert wie der Film auf einen gewirkt hat. Das ist auch gleichzeitig die einfachste, ehrlichste und beste Art der Review. Schreib einfach auf wie der Film auf dich gewirkt hat. Was hast du beim sehen empfunden. Es benötigt im Prinzip keinerlei Fachwissens um gute Kritiken zu schreiben, das ist eh meist nur alles pseudo-Gelaber hinter dem sich die eigene Meinung gut verstecken lässt und durch das man sich selbst überlegen fühlen darf. Das A und O ist die Ehrlichkeit. Schreibe wirklich das was du denkst. Lass dich nicht davon beeindrucken das andere von „hervorragenden Kamerafahrten“ oder „unvergleichlichen schauspielerischen Leistungen“ reden. Wer weiß wo sie diese Phrasen aufgeschnappt haben. ;)
Wenn dir der Film nicht gefallen hat dann muss auch deine Kritik das ausdrücken. Wichtig ist nur eines, Begründen muss man es können!

Verschiedene Ansichten

Das es Leute gibt die den Film komplett anders bewerten als du, wirst du immer wieder erleben. Geschmäcker sind halt einfach verschieden und jeder sieht Dinge anders. Oft ist es gerade die persönliche Situation die einen einen Film in einem ganz besondern Licht sehen lässt, dem einen eine Identifikation mit dem gesehenen ermöglicht und dem anderen nicht. Und selbst wenn alle um dich herum von deiner Meinung abweichen brauchst du dir nicht einreden lassen das deine Meinung die „falsche“ wäre. Schreibe ehrlich das auf was du denkst, das „falsche“ wäre sich hier anderen anzupassen nur weil sie in der überzahl sind.
Auch wirst du immer wieder auf Leute treffen, die es absolut nicht vertragen können wenn man nicht ihrer Meinung ist. Mal werden ihre Argumente gut sein, mal auch nicht. Eventuell werden sich anfangen zu versuchen dich mit Fachbergriffen zu erschlagen. Sie werden auf die Objektivität und Unumstößlichkeit ihrer Argumente verweisen („der Schnitt ist einfach großartig, da gibt es nichts zu diskutieren, DAS IST EIN FAKT!!!“), aber was nützt all das filmtheoretische Wissen und die darauf basierende Einschätzung mit der sie um sich werfen, wenn dir der Film einfach nicht gefallen hat?
Also lass dich von so etwas nicht beeindrucken und schon gar nicht einschüchtern.

Die Verführung und Versuchung

Versuche deine Meinung zu beeinflussen wirst du eventuell auch von anderer Seite erleben. Hast du dir als Kritiker erst mal eine gewisses Stammleserschaft gesichert, werden früher oder später auch die Firmen auf dich aufmerksam. Eventuell wirst du auch zu denen gehören die sogar von selbst auf sie zugehen und ihre Dienste anbieten.
Hier lauert eines der größten Übel überhaupt.
Du wirst dich wundern wie schnell mit dem eintrudeln der ersten gratis Revierexemplare deine wichtigste Tugend (je genau, die Ehrlichkeit) über Board geht. Machen wir uns nichts vor, die Firmen erwarten gute Ergebnisse. Für sie ist deine Review nicht mehr als eine günstige Werbefläche, die sie mit einer gratis DVD, einem gratis Kinobesuch, etc. mehr als günstig bekommen. Und in 90% der Fälle klappt das auch. Den hat man erst mal die Chance gratis an seine Sachen zu kommen, will man sie natürlich auch behalten. Das dies aber kaum möglich ist wenn man ein ums andere mal die Sachen verreißt die einem da überlassen werden wird auch dem dümmsten und naivsten schnell klar. Also kommt die tödlich Anpassung. Plötzlich ist man wie durch ein wunder in der Lage auch dem größten Müll noch eine positive Seite abzugewinnen und auch im schlimmsten Fall dem Review einen derartigen Touch zu geben das am Ende zu aller mindest ein neutrales Fazit bei rauskommt, selbst wenn es nur ein mühseliges „aber seht es euch selbst an und bildet euch eure eigene Meinung“ ist. Hauptsache noch eine Aufforderung zum kauf untergebracht.
Im schlimmsten Fall kommt es dann dazu das man vollends Abhängig von der Unterstützung der Firmen wird, deren Produkte man bewerten soll. Ist es erst einmal so weit haben sie einen in der Hand und eine all zu ehrliche Kritik kann zum Ende der Zusammenarbeit und das wiederum zum Wegbruch des eigenen Lebensunterhalt führen. Den ist die Firma vielleicht die größte und wichtigste (fast schon ein Monopolist) oder hat gute Connections zu anderen Firmen (glaubt bloß nicht das die in so einem Fall nicht zusammenhalten würden, geht schließlich um deren aller Interessen) und hat man selbst nicht genug Einnahmen durch den Verkauf seine Artikel das man sich davon selbst mit neuem Material versorgen und seinen Lebensunterhalt damit bestreiten könnte, dann ist man Gefangen im Teufelskreis der Abhängigkeit.
Allerdings braucht es soweit bei vielen auch gar nicht erst zu kommen. Die meisten stellen ihre eigenen Interessen auch so schnell und gern über die ihrer Leser und würde für ein paar weitere gratis DVDs sogar ihre Oma verkaufen. Bei ihnen fragt man sich dann gern mal wozu und für wen sie ihre Arbeit (im Prinzip könnte man auch Internetseite sagen, denn hier ist das freie Medium das dies für viele Möglich macht) denn eigentlich machen? Für ihre Leser um die ehrlich zu informieren oder für sich selbst um die eigene Sammlung zu vergrößern? Die Antwort kann man sich oft nach dem lesen einiger der Kritiken selbst geben.
Doch was soll man daraus jetzt lernen? Aus Prinzip jedwede Zusammenarbeit mit Hersteller und Verkäufer ablehnen? Nun schlecht wäre das sicherlich nicht und solang es gottseidank noch nicht so weit ist das einen die Firmen verbieten können ohne ihre Einwilligung Kritiken zu ihren Produkten zu verfassen (versuchen tun sie es allerdings schon und ich bin mir sicher irgendwann wird es ihnen auch noch gelingen) ist dieser Weg auf keinen Fall der verkehrte. Allerdings spricht auch nichts dagegen ein angebotenes Revierexemplar erst einmal anzunehmen. Hauptsache man schreibt dann ehrlich darüber. Man braucht da auch keine Angst zu haben (oder eigentlich doch, dumme Firmen klagen ja auch gern mal auf Rufschädigung wenn ihnen Kritiken nicht passen oder versuchen mit Unterlassungsbescheiden rumzuwedeln), denn außer das diese erste dann auch gleichzeitig das letzte Exemplar war das ihr von ihnen bekommt kann euch eigentlich nicht passieren.
Wichtig ist das ihr keine Inhaltlichen Fehler macht, also mal kurz schreibt es gäbe keine deutsche Tonspur auf der DVD obwohl eine da ist, oder gar behauptet die DVD wäre fehlerhaft oder im Buch würde Seiten fehlen, wenn dies nicht zutrifft. Aber da wären wir ja wieder bei der Ehrlichkeit, die, wie schon gesagt, das A und O ist.
Doch mich dünkt wir sind etwas vom eigentlich Thema abgekommen. Sollte es doch eher um die Review an sich und nicht um den moralischen Verfall des Schreibers gehen.
Ich hoffe das ganze hat euch, als angehende Nachwuchskritiker, die ihr das hier lest, nicht allzu sehr verschreckt. Sooo bös und gemein ist die Welt der Kritiker nun doch nicht. (oder doch *hehe*)

Die Wahrhaftigkeit der Kritik

Aber zurück zum eigentlich, worauf sollte ich achten.
Nun, einiges kam ja schon, aber einen ganz wichtigen Punkt haben wir bisher sträflich vernachlässigt. Dabei ist das doch einer der wichtigsten überhaupt. Schreibt nur über das was ihr auch wirklich gesehen, gelesen, gehört, etc. habt!!!
Der ein oder andere mag jetzt vielleicht drei große Fragezeichen vor sich sehen und denken ‚ja, was denn sonst’, aber es gibt sie tatsächlich. Die ich klau mir aus anderen Reviews ein eigenes zusammen ohne das um was es geht jemals gesehen zu haben. Im Grunde kaum vorstellbar aber um ihre Seite (ja schon wieder sind wir beim I-Net) möglichst schnell und mit möglichst geringer Anstrengung mit Content zu füllen ist ihnen auch diese Mittel recht. Um das Fass zum überlaufen zu bringen geben sie sich dann auch noch gern arrogant gegenüber Seiten die nicht so prall gefüllt sind wie ihre oder deren Kritiken sie als deutlich schlechter einstufen, als ihre zusammengeklauten Trümmerhaufen. Zumal den meisten von dieser Sorte auch noch jegliches Talent fehlt die einzelnen Reviewteile wieder zu einem ganzen zusammen zusetzten.
Aber wollen wir uns gar nicht weiter dabei aufhalten, es sei einfach vermerkt das so ein verhalten absolut Tabu ist. Aber auch auf weniger offensichtliche Weise droht man in ein derartiges Verhalten abzurutschen. Die rede ist hier von Serien. Hand aufs Herz, wer hat schon mal eine Review zu einer Serie erstellt die nur auf den ersten 2-3 Folgen basiert und das nicht explizit in eben selbiger Review erwähnt?
Ja da melden sich doch schon einige.
Natürlich ist es legitim schon nach der ersten Folge eine Meinung zu haben und diese auch zu Papier zu bringen, aber das muss dann auch irgendwo mit angemerkt werden und die Meinung darf dann halt einfach keine Allgemeingültigkeit für die gesamte Serie für sich beanspruchen. Serien verändern sich nun mal. Manche werden mit der Zeit besser, viele schlechter. Als Idealzustand sollte man die ganze Serie komplett gesehen haben bevor man sich an eine Kritik zu ihr macht. Das ist aber je nach Lauflänge mitunter sehr schwierig und man will ja auch nicht immer warten bis eine Serie abgeschlossen ist bevor man endlich mal ein Review dazu bringen kann. Nur muss man sich und vor allem seinen Lesern dann auch eingestehen das es eben nicht so ist und vielleicht sich auch die Mühe machen seine Kritik nach einiger Zeit und einigen weiteren Folgen mal zu überarbeiten oder neu aufzusetzen.
Doch beschäftigen wir uns mal mit etwas ganz anderem.

Die Macht der Kritik

Welche Macht haben Kritiker den eigentlich überhaupt?
Das ist eine gute Frage. Kann ein Kritiker wirklich einem Film schaden oder helfen? Bei genug Popularität auf jeden Fall. Warum das so ist? Nun der Durchschnittsmensch neigt doch sehr stark dazu seine eigene Meinung der eines, in ihren Augen „Wissenden“, anzupassen. Wissenden bedeutet hier jemand der sich damit besser auskennt, einer Koryphäe auf seinem Gebiet sozusagen. Wenn jemand mit einem derartigen Ruf seine Meinung über etwas kund tut, wird diese gern von den weniger bewanderten aufgesogen wie ein Schwamm und fort an übernommen.
Zu erklären warum das in der Tat so wunderbar funktioniert übersteigt meine beschränkten Fähigkeiten dann aber auch gewaltig. Viel mehr als diesen Fakt, der sich mir aus reiner Beobachtung erschlossen und auch immer wieder bestätigt hat, zu benennen bleibt mir da auch nicht. Aber genau diese Phänomen ist die Grundlage der Macht der Kritiker. Allerdings ist dafür, wie schon gesagt, eine gewisse Reputation notwendig. Man muss sich erst einmal den Ruf eines Kenners erarbeiten. Oder doch nicht?
Es gibt natürlich auch Möglichkeiten diesen Prozess erheblich abzukürzen. Der einfachste ist dabei natürlich die Gelegenheit zu bekommen seine Kritik in einem bereits angesehen Medium zu publizieren. Auf diese einfache Weise steigt man schon mal mit einem Schlag zum „Kritiker mit Namen“ auf. Grundvoraussetzung ist allerdings ein Mindestmaß an schreiberischen Fähigkeiten. Mit denen kann man dann aber schon mal ganz gut jeden Quark als tiefgehende Analyse vermarkten.
Das wirklich erschreckende bei dem ganzen ist ja auch die Tatsache wie leicht man die Leute beeinflussen kann. Aus Angst sich mit der eigenen Meinung zu blamieren übernehmen nicht wenige die Meinung der Kritiker selbst dann, wenn sie sich vorher schon eine ganz andere gebildet haben. Aber wenn der der Ahnung davon hat sagt das ist gut oder schlecht, dann muss es wohl so sein. Eine fatale Sache. Fragt sich nur ob man als Kritiker was dagegen tun kann. Es ist nun mal die Aufgabe eben jener, ihre Meinung mitzuteilen, denn die rein objektive Kritik ist, auch wenn andere das immer wieder gerne glauben und glauben machen wollen, bisher noch nicht erfunden. Was soll man also dagegen tun, dass die eigene Meinung von den Lesern völlig unreflektiert übernommen wird?
Meiner Meinung nach nichts.
Selbst wenn man in der Kritik immer wieder daraufhin weist das man sich doch ein eigenes Bild machen soll, ist das in 90% der Fälle eh nur Perlen vor die Säue und irgendwie passt es auch nicht wirklich.
So, nun haben wir kurz drüber nachgedacht welche Macht Kritiker haben und welche schlechten Seiten diese hat. Wir haben auch festgestellt das man im Grunde nichts dagegen tun kann. Und nun?

Die veränderte Wahrnehmung

Über dieses Phänomen ist sicherlich der ein oder andere bereits gestolpert, der schon etwas länger Kritiken schreibt: Um so eingehender man sich mit etwas beschäftigt, um so mehr verändert sich unsere Wahrnehmung davon. Die Erklärung dafür ist wohl vor allem in den (am Anfang noch fehlenden) Vergleichsmöglichkeiten zu suchen. Grob lässt sich hier sagen je mehr man sieht/ließt/hört, desto anspruchsvoller wird man. Das trifft gar nicht nur auf den Kritiker im speziellen zu, sondern eigentlich auf jeden der sich hingebungsvoll einer Sache widmet. Dinge die man zu Beginn seiner Leidenschaft noch als das Beste, das Größte, das Nonplusultra sah, erscheinen einem nach Jahren plötzlich gar nicht mehr so toll. Längst hat man besseres kennen gelernt.
Zum Teil liegt das auch ganz einfach am natürlichen Alterungsprozess. Animationen die einen vor 5 Jahren noch umgehauen haben sind heute nur noch Mittelklasse oder sogar schlechter. Aber diesen Fakt wollen wir jetzt mal außen vor lassen. Das um das es hier geht ist der fehlende Vergleich bei der Bewertung. Um etwas in seiner Qualität richtig einzuschätzen bedarf es eben einer Referenz, sowohl zum Posi- als auch zum Negativen. Auf diese Weise beurteilen wir viele Dinge in unserem täglichen Leben. ‚Die Bockwurst hier schmeckt ganz gut, besser als bei AA, aber nicht so gut wie bei BB.’ Um Dinge zu bewerten vergleichen wir sie mit dem was wir bereits kennen. Dabei besteht natürlich immer das Problem das unsere Kenntnis beschränkt ist. Wer kennt schon alle Bockwurststände? Würden wir mal bei CC eine probieren wäre unser bisheriger Favorit von BB vielleicht auf einmal nur noch 2te Klasse. Alle anderen würden natürlich dementsprechend ebenfalls weiter abrutschen. Genau so geht es auch dem Kritiker.
Um der perfekte Kritiker zu sein müsste man idealerweise, neben einigen andere Dinge, alles kennen was es im jeweiligen Bereich gibt. Als Filmkritiker also z.B. alle Filme. Natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, was aber niemanden davon abhalten sollte nach dieser Perfektion zu streben. Sicher, man wird sie nie erreichen, aber jeder Schritt darauf zu ist positiv und gibt einem mehr Erfahrung und mehr und bessere Vergleichsmöglichkeiten und damit auch eine besseres Einschätzungsvermögen. Das dabei auch einst noch so hochgeschätzte Lieblinge, unter dem Blick der erfahrenen Augen eine Demontage erleiden kann hin und wieder eine schmerzhafte Erkenntnis sein, liegt aber in der Natur der Sache. Hier braucht man dann auch keinesfalls Gefühle des Verrats zu kriegen und sollte auch nicht aus falschem Stolz oder Scham wider besseren Wissens auf der alten Meinung beruhen. Es ist nun mal so, times are changing.
Dieser Effekt sollte allerdings keinesfalls zu einer Arroganz gegenüber „Neulingen“ führen. Viele scheinen allzu schnell zu vergessen das auch sie selbst mal klein angefangen haben. Sprüche wie: „Wer so was gut findet kann keine Ahnung haben“ sind vielleicht tatsächlich des öfteren rein Inhaltlich sogar ganz richtig und lassen sich auch nicht mit dem beliebten Geschmacksargument vom Tisch wischen, aber muss man deswegen niemanden angehen oder gar am besten noch als Lügner oder etwas derartiges hinstellen. Denn man erinnere sich an das oberste Kritikergebot, die Ehrlichkeit. Wer bisher nur die Bockwurst von BB kennt, für den ist die Bockwurst von BB eben die beste und das sollte er dann auch solange schreiben bis er die von CC probiert hat. Sich da einem Druck zu beugen und zu schreiben BB wäre mittelmäßig und CC viel besser, nur weil andere dies sagen wäre das wirklich Bemängelungswürdige. Viel mehr sollte man sich als „Fortgeschrittener“ darüber freuen wenn ein „Neuling“ ehrlich seine Meinung schreibt und vielleicht mal freundlich drauf hinweisen das er, wenn ihm BB schon so schmeckt, doch mal unbedingt zu CC gehen soll. Wenn der es dann tut und danach trotzdem immer noch BB für besser hält, dann kann man anfangen darüber zu diskutieren und ausloten woran es liegt und sich am Ende eventuell auf die bekannte Geschmacksfrage einigen.

Mach’s doch erst mal besser

Auf diesen Satz sollte jeder Kritiker gefasst sein, denn er wird ihn früher oder später mal zu hören bekommen. Diese Angriff, der im Grunde nichts anderes aufwirft als die Frage: Darf jemand sich anmaßen über etwas zu erteilen was er selber nicht kann? Darf ich jemanden sagen er zeichnet nicht gut, wenn ich selber gar nicht zeichnen kann? Darf ich jemanden sagen er singt nicht gut, wenn ich selber nicht singen kann?
Hier stellt sich wohl zu erst die Frage wofür, für wen, die Zeichnungen oder der Gesang bestimmt sind. Sind sie nur für einen selber oder für andere, ein Publikum. Trifft ersteres zu, so kommt man gar nicht in die Verlegenheit eine Kritik dazu abgeben zu müssen, denn niemand außer der Künstler selbst wird sie sehen oder hören. Ist sie für zweiteres bestimmt, so muss sich der Künstler einfach den Meinungen des Publikums und eben auch der Kritiker stellen. Wenn ich meine Werke anderen Menschen präsentiere habe ich damit zu leben und umzugehen das diese Menschen eine Meinung dazu entwickeln und diese auch in irgendeiner Form äußern, selbst wenn sie es nicht besser könnten. Wenn ich nur fachkundige Kritik haben will, darf ich mein Werk eben auch nur fachkundigen vorstellen. Leider ist es oftmals unter Künstlern (besonders jungen) eine furchtbare Mode, das sie ihre Werke zwar der ganzen Welt präsentieren und diese auch von der ganzen Welt beachtet wissen wollen, sie sich aber jedweder negativer Kritik entziehen, wenn sie von „einfachen Menschen“ kommt, die ja keine Ahnung von der Materie haben und das Werk sowieso gar nicht verstehen könnten und deshalb nicht zu schätzen wüssten.
Dies bedeutet aber im Umkehrschluss nicht das man sich jede Kritik gefallen lassen muss. Beinhaltet eine Kritik ganz objektiv falsche Aussagen, ergeht sich darin zu beleidigen oder sich einfach nur lustig zu machen, so hat der Künstler das beste Recht sich damit nicht abzufinden, sondern sich dagegen zu wehren. Allerdings haben wir ja bisher denk ich schon zu genüge darüber gesprochen unter welchen Verpflichtungen ein Kritiker steht (ihr erinnert euch an die Ehrlichkeit und Wahrheit ;).
Der in der Kapitelüberschrift aufgegriffene Satz hat allerdings nicht nur eine negative Seite. Erleichtert man ihn um ein Wort und macht daraus „Mach’s doch erst mal“, so führt er uns zu einer recht überlegenswerten Idee. Hier knüpft dieses Kapitel dann auch an das letzte an, indem wir nämlich von der Erweiterung von Wissen und Erfahrung reden. Diesmal allerdings nicht durch möglichst viel Konsum, sondern dadurch selbst mal aktiv zu werden. Durch das sehen möglichst vieler Filme, lernen wir etwas über Filme. Durch das lesen möglichst vieler Bücher, lernen wir etwas über Bücher. Das führt zu der im letzten Kapitel bereits besprochenen veränderten Wahrnehmung. Doch wer muss genauso über Filme und Bücher lernen wie wir als Kritiker? Natürlich die Schöpfer dieser Werke. Und genau wie sie, so kann auch der Kritiker lernen, in dem er auf ihren Pfaden wandert. So ist es wohl generell nicht unbedingt nötig, doch aber gut für einen Buchkritiker, wenn er weis was ein Roman und was ein Essay ist und beides auseinander halten kann. Sicher kann man auch gute Buchkritiken ohne dieses Wissen schreiben, aber es gibt der eigenen Meinung mehr Fundament, in Form von dahinter stehendem Wissen.
Dies ist allerdings eine rein persönliche Meinung von mir. Es gibt sehr wohl auch die Kritikpuristen, für die der beste Kritiker der ist, der sich mit der Materie überhaupt nicht auskennt. Den eben jener kann völlig frei und ehrlich seine pure, reine Meinung äußern, frei von jeglichen Einflüssen, die man beim lernen auf jeden Fall bekommt. Ein schönes Beispiel hierfür ist vielleicht auch die so genannte moderne Kunst. Von vielen hochgebildeten Kunstkritikern werden deren Werke gefeiert, weil sie mit diesem oder jenem Stiel brechen, in der Tradition von Hinz oder Kunz stehen, Ideen von X oder Y aufgreifen und in neue Richtung leiten. Ein anderer, der sein Lebtag nichts viel mit Kunst am Hut gehabt hat, geht vielleicht einfach dran vorbei und denkt sich, welcher Idiot hat da ein Stück Butter in die Ecke geklatscht?
Beide Richtungen haben etwa für sich und auch wenn es mich eher in dir Richtung der ersteren zieht (auch wenn ich sie hier jetzt etwas spöttisch dargestellt habe), so kann ich nicht leugnen das ich auch Sympathie für zweitere hege. Ja, ich verfalle hin und wieder auch selbst in sie, wenn ich so manche „moderne Kunst“ sehe und kann nicht mehr nachvollziehen warum das nun gut sein soll, egal welche Herleitungen da gebracht werden. In diesem Punkt ist mein da sein als Kritiker vielleicht auch ein etwas schizophrenes, schwankend zwischen Kunst und Vernunft des rationalen Verstandes, zwei Dinge die oftmals nicht miteinander kompatibel sind.
Doch hier muss jeder seinen eigenen Weg finden, während ich diese Kapitel mit diesem universell weisem und von jeder Vorbildfunktion und jeglicher Verantwortung befreiendem Rat ausklingen lassen möchte.